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Neil Diamond: Softie in Schwarz feiert Geburtstag

Er ist ein Großmeister des Schmuserocks, Großverdiener und liebt schwarze Hemden. Auf der Bühne zieht er alle in seinen Bann. Doch der smarte "Ladykiller" träumt davon, bald nur noch für seine Pferde zu spielen.

Seine schmachtende Reibeisenstimme unterlegt Neil Diamond gern mit bombastischen Orchestertönen. Seine Pop-Songs handeln von Liebe, Schmerz, Verlust und vergangenen Zeiten. Mit "Sweet Caroline" oder "Red, Red Wine" trifft der Großmeister des Schmusesounds seit fast vier Jahrzehnten genau den richtigen Ton. Allein im vergangenen Jahr wurde er vom Musikfachmagazin "Billboard" mit 71 Millionen Dollar zu den Großverdienern der Branche gezählt, gleich hinter U2 und den Eagles. Am 24. Januar feiert Neil Diamond seinen 65. Geburtstag.

Der Superstar der 60er und 70er Jahre wurde in der Blütezeit von Flowerpower, Woodstock und Watergate als der Sänger des biederen amerikanischen Mittelstands gehandelt. Ein Softie in schwarzem Leder, weniger Rebell als begabter Handwerker. Schließlich hatte der Arbeitersohn aus Brooklyn, der 1941 als Noah Kaminsky zur Welt kam, die Kunst des Liedermachens von der Pike auf gelernt: Zunächst in Schülerbands, später schrieb er als professioneller Songwriter für 35 Dollar Wochenhonorar für den New Yorker Brill Verlag - in einem winzigen Büro am Broadway, das aus Schreibtisch, Klavier und Münzfernsprecher bestand.

"Süchtig nach Adrenalin"

Der erste eigene Plattenvertrag kam 1966 bei "Bang Records", von da an reihte sich ein Hit an den nächsten: "Solitary Man" (1966), "Girl You'll Be A Woman Soon" (1967), "Kentucky Woman" (1967) und "Red, Red Wine" (1968) - 1983 in einer Reggae-Version von UB 40 erneut ein Riesenerfolg. Mit seinem Album "Hot August Night", einem Live-Mitschnitt eines Konzerts in Los Angeles 1972, konnte er sich gut eineinhalb Jahre in den US-Charts halten. Ein kommerzieller Volltreffer war auch der Soundtrack zu dem Film "Die Möwe Jonathan", obwohl dieser von Kritikern als "ungenießbare Movie-Brühe" verrissen wurde. Während des "New Age"-Booms Mitte der 80er Jahre wurde das Album als Meditationsmusik wieder hoch gehandelt.

Diamonds Popularität ist ungebrochen, das zeigt sich auch immer wieder bei ausverkauften Tourneen. Obwohl er bereits in den 80er Jahren ankündigte, nicht mehr so viel öffentlich aufzutreten, kann er sich dem Nervenkitzel nicht entziehen, auf der Bühne zu stehen. "Ich bin süchtig nach dem Adrenalin, das bei einem Live-Konzert fließt. Ich muss auf Tour gehen, um diese Sucht zu befriedigen", sagt der Musiker, der bei seinen Auftritten gern paillettenbesetzte schwarze Hemden trägt.

Traum vom einfachen Leben

Von seinem Image als "Ladykiller" will Diamond nichts wissen. Das sei bei weitem übertrieben, sagt er: "Ich war über weite Strecken meiner Karriere verheiratet - vieles, was damals kolportiert wurde, gehört ins Reich der Mythen." Das harmonische Zusammenleben mit Frau und Kindern war dennoch wohl nicht immer einfach: Zwei Ehen zerbrachen.

Im Rentenalter kann der Sänger vielleicht den Traum vom einfachen Leben verwirklichen: Diamond will sich in sein Haus in die Rocky Mountains zurückziehen, sagte er einmal in einem Interview. "Ich stelle mir Abende in meiner Scheune vor, die Tore weit geöffnet, vor mir die Berge, in meinem Arm eine Gitarre. Ich werde kleine Lieder für mich selbst erfinden und sie nur noch mir und ein paar Pferden auf der Weide vorspielen."

Carla S. Reissman/DPA / DPA
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