HOME

Pet-Shop-Boys-Tour: Einstige Disco-Dancer machen's gemütlich

Mit Hits wie "Go West", "Suburbia" oder "It's a sin" sind sie berühmt geworden. Die Pet Shop Boys sind eines der innovativsten Pop-Duos der Musikgeschichte. In Berlin starteten sie ihre Deutschland-Tour mit einer gigantischen Show.

m Alter werden die Partys aufwendiger, aber nicht unbedingt aufregender. Diese ernüchternde Erkenntnis mussten am Montagabend die in Ehren ergrauten Pet Shop Boys und ihr Publikum teilen, das inzwischen auch jenseits der 30 bis 40 angelangt ist.

Der Start der Deutschland-Tournee 2007 des erfolgreichsten britischen Popduos aller Zeiten im nicht ganz ausverkauften Berliner Tempodrom geriet ausgesprochen gemütlich: Der 52-jährige Sänger Neil Tennant und der fünf Jahre jüngere "Mann am Keyboard", Chris Lowe, servierten den Nostalgikern im Saal willig alle Oldies von "West End Girls" über "Suburbia" bis "It’s a Sin", verbreiteten eine kontrollierte Party-Stimmung und vermieden im übrigen allzu aufwühlende Experimente.

Das vor 22 Jahren in London gegründete Duo, das weltweit über 50 Millionen Platten verkauft hat, präsentierte wie gewohnt ein technisch aufwendiges und mit Video-Sequenzen gespicktes Bühnenspektakel - so wie es auch auf der neuen DVD "Cubism" zu sehen ist, die am Freitag erscheint. Rasante Action boten zudem vier Tänzer, die im auffallenden Kontrast zu ihren beiden hüftsteifen Chefs bei vielen Songs akrobatisch über die Bühne wirbelten.

Ohne Vorband begann der Abend mit dem 18 Jahre alten Hit "Left To My Own Devices" und einem netten Gag: Nicht nur Neil und Chris erschienen auf der Bühne, sondern dazu noch zwei gleich gekleidete Doppelgänger-Pärchen, so dass das Publikum zunächst verwirrt die eigentlichen Stars identifizieren musste. Dann wurde es politisch. Der Song "I'm With Stupid" aus dem im vergangenen Jahr veröffentlichten, aktuellen Album "Fundamental" verhöhnte den scheidenden britischen Premier Tony Blair als treuen Vasallen des als minderbemittelt dargestellten US-Präsidenten George Bush.

Kurz darauf gab es mit "Minimal" noch einen neuen Song, dessen Bühnenpräsentation mit altmodischen Digitalziffern gekonnt auf Kraftwerk anspielte, die verehrten Väter allen Electro-Pops. Das Stück "Dreaming Of The Queen" (Textzeile: "No more lovers left alive, no one had survived") hinterlegte die Band passend zum 10. Todesjahr der britischen Prinzessin Diana mit Ausschnitten des damaligen Trauerzugs.

Fallstricke der High-End-Produktion

Während der ganzen Show ist bis auf Lowes Keyboard und Computer sowie einer Bassgitarre am Ende kein «echtes» Instrument zu sehen. Der Vorteil ist ein guter Sound, die Fallstricke der High-End-Produktion offenbarten sich aber, als es dem schüchtern wirkenden Lowe an einer Stelle erst mit Hilfe eines Technikers gelang, den nächsten Song überhaupt einzuspielen. Im Verlauf des kurzweiligen Abends lieferten die etwas reserviert wirkenden Briten noch eine Kostprobe aus der Filmmusik für den Stummfilmklassiker "Panzerkreuzer Potemkin", die Hits "Opportunities", "Domino Dancing" sowie als unvermeidliche Zugabe den inzwischen zum Fußball-Fangesang mutierten Gassenhauer "Go West". Die Mehrzahl des Publikums dürfte mit dem Gegenwert der Tickets zum Preis von 45 Euro zufrieden gewesen sein. Die nächsten Gigs in Deutschland: 08.05. Frankfurt (Alte Oper), 09.05. Chemnitz (Stadthalle), 11.05. Düsseldorf (Philipshalle), 13.05. VW Show Wolfsburg, 14.05. München (Zenith), 17.05. Hamburg (Stadtpark), 20.05. Stuttgart (Liederhalle)

Torsten Holtz/AP / AP