Pierce Brosnan über "Mamma mia!" "Worauf hast du dich da nur eingelassen?"


Griechenland, fast 40 Grad im Schatten. Auf der Terrasse eines Edelresorts mit eigenem Hubschrauberlandeplatz und Privatstrand geben die "Mamma Mia!"-Macher im Akkord Interviews. Pierce Brosnan trägt Dreitagebart, sein dunkles Hemd weit offen und sieht aus wie ein echter Kerl. Der jetzt leider singen muss statt schießen.

Tänzer und Sänger in einem Musical: Nicht unbedingt eine nahe liegende Rollenwahl für einen ehemaligen Geheimagenten. Musste man Sie lange überreden?

Überhaupt nicht. Ich war gerade bei meiner Mutter und plante die Beerdigung meines Stiefvaters, der kurz zuvor gestorben war. Ein großartiger Mann aus Glasgow namens Bill Carmichael, der den Dudelsack liebte. Da klingelte mein Telefon und mein Agent sagte nur: Wir haben einen Job für dich. Meryl Streep, Mamma Mia, Griechenland. Ich sagte: Ich bin dabei. Ohne überhaupt nach Einzelheiten oder der Bezahlung zu fragen. Am Abend nach der Beerdigung schaute ich mir dann zusammen mit meiner Mutter und meinen Stieftöchtern das Bühnenstück an und dachte mir die ganze Zeit: Oh Gott! Worauf hast du dich da bloß eingelassen? Ich wusste nicht mal, welche der drei Vaterfiguren ich genau spielen sollte. Also redete ich mir immer wieder selbst Mut zu: Meryl Streep macht auch mit, Meryl Streep macht auch mit... Im Film heißt meine Figur schließlich Sam Carmichael und Meryl hat einen Dudelsack mit dem Tartan des schottischen Clans meines Stiefvaters.

Aber Sie kannten und mochten die ABBA-Songs schon vorher?

Ich bin mit ABBA aufgewachsen. Als ich 1974 in der Schauspielschule war, sah ich ihren Sieg beim Eurovision Song Contest. Vier Schweden in den ungeheuerlichsten Klamotten, die einen Song singen, von dem bis heute nicht mal Benny weiß, wovon er handelt: "Waterloo, knowing my fate is to be with you!" Aber wir wurden alle sofort ABBA-Fans. Und natürlich waren wir alle verknallt in Agnetha und Frida, diese leckeren Ladys, verführerisch und sexy. Die zwei Männer wurden überhaupt nicht beachtet.

Wie schlimm waren die Dreharbeiten?

Ich hatte schreckliche Angst vor dem Singen. Colin Firth, Stellan Skarsgard und ich haben uns hintereinander versteckt. Ähm, nein schreiben Sie nicht hintereinander, das könnte im Kontext dieses Films falsch verstanden werden. Wir standen stolz nebeneinander! Ich hab mir die Songs wieder und wieder auf meinem iPod angehört, doch als ich dann für die Aufnahmen ins Studio ging und Benny und Björn da sitzen sah, kam ich mir trotzdem wie ein Schuljunge vor. Aber Colin und Stellan machten ebenfalls ein Gesicht, als hätte sie gerade ein Bus gestreift. Das hat mich sehr getröstet. Ich bin mir sicher, dass die Zuschauer etwas ins Schleudern geraten, wenn sie nun erleben, wie ein Ex-MI6-Mann plötzlich "S.O.S." singt.

Wie muss sich dann erst Ihr Auftritt im Spandex-Anzug und Plateauschuhen am Ende des Films angefühlt haben?

Das war der Tag der Abrechnung. Zuerst dachte ich, ich sehe doch echt groovy aus, aber dann kam ich mir vor, als hätte ich eine Klobrille um den Hals. Ich dachte, das könnte das Ende meiner Karriere sein, mein Waterloo. Aber dann hüpfte ich nach draußen, traf meine Kollegen, die genauso dämlich aussahen und wir schlitterten gemeinsam durch die Flure der Pinewood Studios, wo ja auch James Bond gedreht wird. Das wäre ein super Moment gewesen, um Daniel Craig in die Arme zu laufen. Na Danny, altes Haus, wie geht's? Freu dich schon mal auf später, wenn du auch in solchen Kostümen rumläufst!

Apropos Daniel Craig. Wie sehr vermissen Sie Bond?

Ganz und gar nicht. Die Welt hat mit Daniel den großartigsten Bond bekommen. Für mich war das lediglich ein weiterer Job. Ein wichtiger, bedeutsamer Job, eine lebensverändernde Erfahrung, für die ich ewig dankbar bin. Aber es gibt eben auch noch andere Arbeit, die einen als Schauspieler wachsen lässt. Und mit der man die Miete bezahlen kann. Als ich hörte, dass wir "Mamma Mia!" in Pinewood drehen, dachte ich zuerst, die Götter spielen mir einen Streich. Aber was für eine großartige Art zurückzukehren und die Geister meiner Vergangenheit zu verscheuchen. Ich bekam einen hübschen Umkleideraum im Stanley-Kubrick-Gebäude und als ich die Vorhänge zurückzog, schaute ich direkt auf ein riesiges 007-Logo. Das hatte ich immer im Blick, während ich vor dem Spiegel meine Tanzschritte übte.

Interview: Matthias Schmidt

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