ROCK-LEGENDE Dee-Dee Ramone ist jetzt im Punk-Himmel


Dee Dee Ramone, Mitbegründer der legendären Punk-Band The Ramones, ist mit 49 Jahren in Hollywood gestorben. Als Todesursache wird eine Überdosis Heroin vermutet.

Schneller als er spielte keiner den Bass. Und lauter wohl auch nicht. »Hey! Ho! Let?s go!«, riefen die Ramones wie eine Warnung, dass jeden Moment die Wände zusammenkrachen könnten. Und Dee Dee ließ den Bass dröhnen, dass einem selbst in der letzten Ecke des Saals noch der Magen vibrierte. Alles vorbei, für immer. Dee Dee Ramone ist tot. Gegen die Sucht hat er gekämpft, doch er hat verloren wie so mancher Rocker vor ihm. Er starb in seinem Haus in Hollywood, allein auf dem Sofa. Die Spritze fand man in der Küche.

49 wurde er. Genau wie Joey Ramone, der Leadsänger, der im vergangen Jahr im April an Lymphoma zu Grunde gegangen war, einer bösartigen Vergrößerung der Lymphknoten. Was die beiden zusammen mit Johnny und Tommy Ramone beim ersten öffentlichen Auftritt ihrer Band im Frühjahr 1974 in New York angezettelt hatten, war eine musikalische Revolution. Man muss sich vorstellen, dass damals Elvis Presley noch lebte und sang. Der einstige Rock-'n'-Roll-Rebell war inzwischen in Amerikas Kleinbürger-Wohnstuben akzeptiert und galt als nett - vor allem im Vergleich zu den Rolling Stones. Doch gegen The Ramones wirkten selbst die wilden Stones wie schüchterne Kirchenchorknaben.

Der Bandname stammt von Paul McCartney

Mit ihren simplen drei Akkorden, die sie in einem wahnwitzigen Tempo in die Instrumente hauten, und mit wütenden Texten wurden die Ramones zu Prototypen des amerikanischen Punk. Auch was sie anzogen, wirkte - damals - schrill und setzte Maßstäbe: Die Jeans mussten völlig zerschlissen sein, die Lederjacken schäbig und schwarz, die Sonnenbrillen besonders dunkel. Die Haare sahen aus wie zu lang geratene und verfilzte Pilzköpfe der Beatles. Von Paul McCartney hatten sie den Namen ihrer Band. Der hatte sich in seinen Sauf- und Rüpeljahren mit den Silver Beatles Phil Ramone genannt.

Ende der 80er Jahre verblasste das Skandalimage der Punker, als Rapper den Protest der Unterschichten auf neue Weise musikalisch artikulierten. Ab 1989 versuchte sich Dee Dee selbst als Rapper unter dem Namen Dee Dee King, aber das kam nicht so gut an. 1995 nahm die Band ihr letztes Studioalbum auf und ein Jahr später ging sie auf Abschiedstournee.

Aufgewachsen in Berlin

Doch ihren Kultstatus behielten die Ramones bis heute, und eine treue Fangemeinde trauert aufrichtig um Dee Dee. Unter dem Namen Douglas Colvin war er am 18. September 1952 als Sohn eines Militärangehörigen in Fort Lee (US-Bundesstaat Virginia) geboren worden. Aufgewachsen war er in Deutschland, im vom Kalten Krieg zerrissenen Berlin. Als Teenager kehrte Douglas in die Staaten zurück, wo es für den jungen Wilden nach der Berliner Szene nur noch New York als lebenswerten Ort gab.

Im Stadtbezirk Queens fand er Gleichgesinnte, ebenfalls »zum Kotzen wütende Kleinbürgernachfahren«. Ihre erstes Album »The Ramones«, eingespielt für ganze 6000 Dollar, wurde mit seinen Zwei-Minuten-Titeln wie »Blitzkrieg Bop« und »Now I Wanna Sniff Some Glue« (Jetzt will ich Klebstoff schnüffeln) zum Punk-Klassiker. Ab 1977 wurden sie auch in Europa immer populärer. Allerdings waren sie dort nicht so berühmt wie die britischen Punk-Gruppen Sex Pistols oder Clash.

»Die Ramones sind für alle Zeiten die Daddys des Punk«, bekannte der späte Clash-Leadsänger Joe Strummer. Auch Rocker im Mainstream ließen sich von ihnen beeinflussen oder wenigstens inspirieren. The Who gehörten dazu und U2, ebenso wie Red Hot Chili Peppers und Pearl Jam.

Doch es dauerte bis zum Jahr 2002, ehe den Ramones auch die offizielle Segnung einer Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame zuteil wurde. Im stinkvornehmen Waldorf-Astoria-Hotel in New York erschien Dee Dee in abgeschabter Lederjacke. »Ich gratuliere mir selbst«, sagte er grinsend vor lauter Smokingträgern mit Ladies in Abendkleidern an der Seite. »Und ich danke mir auch selbst, und ich klopfe mir ordentlich auf die eigene Schulter.«


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