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ROCK: RIVAL SCHOOLS: United By Fate

Man mag ihn schon gar nicht mehr bemühen, den Begriff »Emocore«. Wie Kaugummi heftet er sich an die Fersen jeder neuen Rockband, die sich ein Faible für Melodie bewahrt hat.

Man mag ihn schon gar nicht mehr bemühen, den Begriff »Emocore«. Wie Kaugummi heftet er sich an die Fersen jeder mit neuem Material antretenden Rockband, die sich noch ein Faible für Melodie bewahrt hat. Jimmy Eat World, Hot Water Music, At The Drive-In: Nur einige Vertreter, die im letzten Jahr Euphorie in der Gitarrenecke auslösten.

Das neue Album der Rival Schools »United By Fate« wird von Kritikern nun munter in die gleiche Schublade gepfeffert. Dabei sind hier nicht etwa junge, aufstrebende Trittbrettfahrer auf der Emo-Trendwelle am Werk, sondern alte Bekannte.

Schließlich gibt es ein Wiederhören mit Sänger und Gitarrist Walter Schreifels, der im New York der ausgehenden 80er mit den Gorilla Biscuits und Quicksand schon den Hardcore-Motor anschmiss, als manch Emo-Grünschnabel noch brav zur Schule ging. Beim ehemaligen Subkultur-Aktivisten hat sich seitdem viel getan: Schreifels neuester Wurf trifft kommerziell mitten ins Schwarze - man wird eben auch nicht jünger.

»Ein Album, das - und daran kann eigentlich niemand ernsthaft zweifeln - in Kürze Edelmetall-veredelt an der Wand hängen wird«, verkündet die Homepage der Rival Schools vollmundig. Diese Prognose mag man dahingestellt lassen, allerdings sind auf dem vielschichtigen »United By Fate« tatsächlich viele Songs zu finden, die Indie-Fans ein Lächeln ins Gesicht zaubern könnten.

Das ruhige »Undercovers On« hätte Kurt Cobain nicht besser hinbekommen, »The Switch« zieht locker rockend an den Szenelieblingen Jimmy Eat World vorbei und in »My Echo« kann man den heimlichen Sommerhit der Alternative-Szene vermuten. Als erste Single ausgekoppelt wurde jedoch das wütende »Used For Glue«. Dass Schreifels und Drummer Sam Siegler eine Vergangenheit als Hardcore-Rocker hinter sich haben, ist hier kaum zu überhören: Die Drums treiben nach vorne, der Gesang findet ein angenehmes Maß an Pathos.

Solides Songwriting und ehrlicher Gitarren-Sound ohne gewollt trendige Elektronik-Einsprengsel - sollte der Stil der Rival Schools etwa wegweisend für 2002 sein? Absolut nichts dagegen einzuwenden!

Antje Scholz

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