VG-Wort Pixel

Sarah Lombardi "Ich habe früh gelernt, dass man selbst Verantwortung übernehmen muss"

Sarah Lombardi
Sarah Lombardi, 28, wurde 2011 als Teilnehmerin der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" bekannt, bei der sie den zweiten Platz belegte hinter ihrem späteren Ehemann Pietro Lombardi. Das Paar bekam den gemeinsamen Sohn Alessio, trennte sich jedoch 2016. Zuletzt hat Lombardi ihre neue Single "Ich" veröffentlicht.
© Mandoga Media/ / Picture Alliance
In ihrem neuen Song zeigt sich Sarah Lombardi als fehlerhaft und unperfekt. Im stern-Interview spricht die Sängerin über ihren Reifeprozess, die Bedeutung von Disziplin – und hat einen Rat an Menschen, die Opfer von Hass werden.

Frau Lombardi, wie geht es Ihnen gerade: Sind Sie genervt von Corona und Lockdown oder kommen Sie mit der Situation einigermaßen klar?
Man gewöhnt sich dran. Jeder sehnt sich nach mehr Normalität und wünscht sich das alte Leben zurück. Aber ich kann mich am wenigsten beklagen, weil ich trotzdem noch viel machen kann und arbeite – da geht es anderen sicher viel schlechter.

Gerade haben Sie Ihre neue Single veröffentlicht. "Ich" ist ein sehr persönlicher Song, Sie zeigen sich darin als Menschen, der Fehler macht. Wie kam es dazu?
Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich reifer geworden bin und einiges über mich selbst gelernt habe. Und wo ich sagen kann: Alles, was ich erlebt habe, ob Sieg oder Niederlage, hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Gerade weil in den sozialen Medien immer alles so perfekt scheint, war es mir wichtig zu sagen: Ich bin kein perfekter Mensch. Das ist niemand von uns. Aber wir vergessen das oft. Wir sind schlecht darin, uns Fehler einzugestehen.

Hat es Sie Überwindung gekostet, öffentlich einzugestehen, nicht perfekt zu sein?
Der Weg dahin war schwierig: Weil man so oft an sich selbst zweifelt. Gerade als Mama ist das ein großes Thema. Es war für mich persönlich wichtig sagen zu können: Man muss nicht perfekt sein.

In einer Zeile singen Sie: "Nicht jede Entscheidung war gut, die ich traf". Spielen Sie damit auf eine konkrete Entscheidung an?
Es gibt viele Entscheidungen, die wichtig waren für mein Leben. Dass man fällt und dann wieder aufstehen kann. Ich spiele da aber nicht auf ein bestimmtes Beispiel an.

In der "Bild am Sonntag" haben Sie auch die Doku-Soap mit ihrem damaligen Mann Pietro auf RTL2 als Fehler bezeichnet. Warum?
Gerade so etwas Sensibles wie die eigene Familie – das würde ich nicht noch mal im Fernsehen zeigen. Ich poste zwar auf Instagram auch viel, aber da kann ich mir die Schnipsel selbst aussuchen.

Zuletzt sorgte der Fall von Kasia Lenhardt für Schlagzeilen, der Ex-Freundin von Jérôme Boateng, die im Netz heftig angefeindet wurde und sich das Leben nahm. Hat Sie das an Ihre eigene Geschichte erinnert?
Ja, auch ich musste schon Anfeindungen und Beleidigungen im Netz über mich ergehen lassen. Dass der Hass gegenüber Kasia so ein Ausmaß angenommen hat, ist erschreckend. Ich hoffe und wünsche mir auch, dass der Fall viele Menschen aufweckt und sie sich klar werden, was so etwas mit einem Menschen anrichten kann.

Was raten Sie Menschen, die Opfer von Hass im Netz werden?
Man sollte sich auf jeden Fall Hilfe holen – ob man zur Polizei geht oder zum Psychologen. Man sollte damit nicht allein zuhause sitzen. Wichtig sind Menschen, die einen unterstützen und aufbauen.

Nur wenige DSDS-Gewinner sind heute noch als Musiker erfolgreich. Sie sind damals nur Zweite geworden – und immer noch da. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich bin sehr dankbar für meine Karriere und hätte niemals damit gerechnet. Ich habe immer gedacht: Noch ein Jahr und wer weiß was dann kommt. Und wenn man mich heute fragt, würde ich noch immer dieselbe Antwort geben. Das ist vielleicht das Geheimnis: dass man sich nicht zurücklehnt und seinen Erfolg als selbstverständlich ansieht. Sondern sich bewusst ist, dass dahinter viel Arbeit steckt. Man muss dranbleiben und sich weiterentwickeln.

Neben der Musik nehmen Sie an TV-Shows teil, haben im "Traumschiff" mitgespielt und sind sehr aktiv auf Instagram. Dazu sind Sie noch Mutter. Das lässt sich nur mit viel Disziplin bewältigen. Woher haben Sie die?
Ich habe früh gelernt, dass man selbst Verantwortung übernehmen muss. Dass man ohne Fleiß zu nichts kommt. Ich hatte mit 16 neben der Schule schon zwei Nebenjobs, war von morgens 7 Uhr bis abends halb zehn unterwegs, um mir ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Ich komme aus keinem reichen Elternhaus. Ich habe nicht alles bekommen, was ich wollte.

Wie ist das heute?
Es ist immer noch so, dass ich kein Geld aus dem Fenster schmeiße. Ich investiere in langlebige Dinge. Ich fahre lieber ein günstiges Auto und kaufe mir eine Immobilie. Denn da weiß ich: Davon hat auch Alessio später etwas. Wobei auch er lernen muss, dass ich ihm nicht alles kaufe. Er hat auch schon ein eigenes Portemonnaie.

In dem Video zu Ihrem neuen Song ist auch Ihr Freund Julian Büscher zu sehen. Mussten Sie ihn dazu überreden oder war er von Anfang an einverstanden?
Wenn er das nicht gewollt hätte, hätte ich ihn auch nicht überreden wollen. Mir war es wichtig zu zeigen, dass ich im Leben angekommen bin. Und da gehört er natürlich dazu.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker