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Die besten Alben: The Beach Boys: "Pet Sounds"

Neben herausragenden Vokalarrangements besticht "Pet Sounds" von den Beach Boys durch eine klangliche Perfektion und nie zuvor gehörten Sounds.

Von Carsten Heidböhmer

Ein Meilenstein der Musikgeschichte: "Pet Sounds von den Beach Boys"

Ein Meilenstein der Musikgeschichte: "Pet Sounds von den Beach Boys"

Bis weit in die 60er Jahre hinein bestand der einzige Sinn einer Langspielplatte darin, die zuvor ausgekoppelten Singles zu bündeln und, mit einigen weniger hitverdächtigen Stücken aufgestockt, als Zweitverwertung noch einmal auf den Markt zu bringen.

Als eines der ersten Alben, das sich nicht mehr in einer bloßen Zusammenstellung von Hits und Lückenfüllern erschöpft, sondern darüber hinaus als einheitliches Werk zu verstehen ist, geht "Pet Sounds" von den Beach Boys in die Geschichte ein. Neben diesem historischen Verdienst gehört die Platte vor allem wegen ihrer frisch gebliebenen Musik zu den noch immer hörenswerten Platten.

Angestachelt von den Beatles

Der Weg zu diesem Werk war allerdings alles andere als einfach. Die Beach Boys hatten sich ursprünglich mit Surf-Songs beim Publikum einen Namen gemacht und mit Hits wie "Surfin' USA", "I get around" oder "California Girls" die Charts gestürmt. Einmal in den Mühlen der Musikindustrie, forderte die Plattenfirma von Brian Wilson, dem Songschreiber der Gruppe, immer neue Hits. Dieser hatte sich jedoch ganz andere Ziele gesteckt: Er wollte Bleibendes schaffen. Im Sommer 1965 hatte er das neue Album der Beatles, "Rubber Soul" gehört. Schwer beeindruckt von der homogenen Stimmung dieser Platte, beschloss er, ebenfalls an einem richtigen Album zu arbeiten. Auslöser eines der fruchtbarsten Bande-Spiele der Musikgeschichte: Als den Beatles ein Jahr später "Pet Sounds" zu Ohren kam, ließen sie sich wiederum zu ihrem Meisterwerk "Sgt. Peppers" beeinflussen. Doch was war es, was die Beatles und Generationen von Musiker nach ihnen so beeindruckte?

Keine Fließbandarbeit mehr

Zunächst einmal großartige Kompositionen. Hatte Brian Wilson in den frühen sechziger Jahren Gute-Laune-Hits am laufenden Band geschrieben, mischten sich auf einmal wehmütige Töne in die Stücke, die dadurch eine bittersüße Note bekamen. Dies spiegelte sich vor allem in den von Brians Freund Tony Asher geschriebenen Texten wider. Selten davor oder danach konnte man dem Verlust jugendlicher Unschuld so nahe beiwohnen.

Unerhörtes und Ungehörtes

Bahn brechend war aber vor allem die für die damalige Zeit revolutionäre Produktion. Brian Wilson gehört zu den ersten Musikern überhaupt, die nach und nach volle künstlerische Kontrolle über ihr Material erlangen wollten. Schon seit den frühen sechziger Jahren zeichnete er auch für die Produktion der Beach-Boys-Alben verantwortlich, "Pet Sounds" war sein Meisterstück. Mit den besten Studiomusikern der damaligen Zeit und einem ständig verfügbaren Orchester schuf der älteste der drei Wilson-Brüder zuvor ungehörte Sounds, indem er verschiedene Instrumente übereinander legte und so zu ganz neuartigen Klangfarben kombinierte. Oftmals verbrachte er ganze Tage im Studio, um nur einen einzigen Sound zu generieren.

Ausgefeilte Vokalarrangements

Die Instrumental-Stücke allein hätten eines der besten Alben der 60er Jahre ergeben. Doch Brian Wilson war noch nicht fertig. Erst als er alle Tracks im Kasten hatte, durfte der Rest der Beach Boys ins Studio. Die Vokalarrangements waren ausgefeilt wie nie zuvor bei der Gruppe. Mit seinem Perfektionismus trieb Brian Wilson seine Kollegen zu stimmlichen Höchstleistungen an. Ein Song wie "God only knows" hat die Jahrzehnte mühelos überdauert und zählt noch heute zu Paul McCartneys Lieblingsstücken.

Das Resultat der Mühen war eine Kombination aus kalifornischer Sonne, jugendlichen Sehnsüchten und unendlicher Harmonie. Diese wohlabgestimmte Mischung ist bis heute nie wieder erreicht worden.

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