The Coral Zeitlos schöne Sixties-Reminiszenzen


Auch auf ihrem vierten Album beschwören The Coral die goldenen Ära der Popmusik - und das noch reifer und entspannter als auf ihren vorherigen Platten.

Im Getöse um das aktuelle britische Rockwunder (Maximo Park, Futureheads, Bloc Party), das schon deutsche Musikmagazine erreicht hat, kann man The Coral natürlich ganz leicht überhören. Diese jungen, aber nicht ganz so wilden Kerle aus der einstigen Popmetropole Liverpool wollen sich partout nicht am Neo-New-Wave-Spektakel für die Jungs in den knapp sitzenden Anzügen beteiligen. Auf Album numero vier haben The Coral aber auch alles andere als eine Kopie ihres Vorgängers in Angriff genommen, die sie zu großen Langeweilern und Verlierern der Saison stempeln würde.

Große Vorbilder

Die Songs dieser Sieben von der Merseyside (der Jüngste 22, der Älteste 24) sind mehrheitlich auf Harmonien und elementaren Soundteilchen aus der goldenen Ära der Popmusik gebaut, man mag die Byrds, die Doors oder die Beau Brummels (lauter Amerikaner!) an der einen oder anderen Stelle hören. Wenn man solche Momente als Links und weiterführende Tipps in die Pop-Historie begreift, löst sich der stille Epigonenvorwurf gegenüber The Coral wie von selbst auf. Wer Prachtpopsongs wie "She Sings In The Morning" und "So Long Ago" schreiben kann, wird den Vergleich mit den Heroen verkraften können.

The Coral blühen im zeitlos schönen, spacigen, manchmal melancholischen Lied zu voller Größe auf. Das tun sie so unaufgeregt, als wollten sie die hysterischen neuen Rockbands mit einem breiten Grinsen zur Seite nehmen. Ach Jungs, macht doch erstmal eine gute zweite Platte. Das ist die vierte von The Coral, und sie gefällt von Hördurchlauf zu Hördurchlauf mehr.

Frank Sawatzki/AP


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