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Lawinenunglück am Mount Manaslu: Der Tod kam mit lautem Getöse

Erst war es unglaublich laut, kurz darauf wurde Andreas Reiter von den Schneemassen fortgerissen: Der Deutsche überlebte das Lawinenunglück in Nepal schwer verletzt - und erzählt jetzt erste Details.

Die Lawine kam schnell und überraschte die Bergsteiger im Schlaf. "Plötzlich war alles dunkel. Wir waren unter einer Lawine begraben", berichtete der Deutsche Andreas Reiter der "Himalayan Times". Er ist einer der Überlebenden des Lawinenunglücks am nepalesischen Mount Manaslu, das am Sonntag mindestens neun Menschenleben forderte. Er sei von einem enormen Getöse aufgewacht, dann habe ihn die Lawine mitsamt Zelt fortgerissen. "Andere wurden 300 Meter weit getragen", sagte der 26-Jährige, der im Krankenhaus in Kathmandu wegen Rückenmarksverletzungen behandelt wird. Er sei nicht verschüttet worden, habe sich aber dennoch nicht bewegen und daher niemandem helfen können, sagte Reiter im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Geringe Hoffnung auf Überlebende

Noch immer suchen die Einsatzkräfte nach möglichen Überlebenden. Doch mit jeder weiteren Stunde sinken die Chancen, einige Helfer haben die Hoffnung praktisch aufgegeben. Genaue Zahlen zu Todesopfern, Vermissten und Verletzten sind weiterhin unklar: Die nepalesische Bergsteigervereinigung ging am Tag nach dem Unglück noch von fünf Vermissten aus, die Tourismuspolizei von drei. Er sei "traurig", dass es so gut wie keine Hoffnung auf Überlebende mehr gebe, sagte der Sprecher des Tourismusministeriums, Balkrishna Ghimire, AFP. Die Einsatzkräfte hätten an der gletscherreichen Unglücksstelle "getan, was sie konnten", sagte auch der Vize-Präsident der französischen Bergführer-Gewerkschaft SNGM, Christian Trommsdorff. Die Suche aus der Luft nach den Vermissten - zwei Franzosen und ein Kanadier - wurde eingestellt, die Suche am Boden ging jedoch weiter.

Unterschiedliche Angaben machten beide Stellen am Montag auch zur Zahl der Todesopfer: Die Bergsteigervereinigung berichtete, zwölf Menschen seien bei dem Lawinenunglück am Sonntag gestorben. Die Tourismuspolizei meldete dagegen acht Tote: einen Deutschen, vier Franzosen, einen Spanier, einen Italiener und einen Nepalesen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Montag den Tod des deutschen Staatsbürgers bei dem Lawinenunglück. Zwei weitere Deutsche seien bei dem Unglück verletzt worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die deutsche Botschaft in Kathmandu stehe mit den zuständigen nepalesischen Stellen in Kontakt und sei "um Aufklärung bemüht, ob noch weitere deutsche Staatsbürger betroffen sind". Der Reiseveranstalter Amical alpin erklärte in München, bei dem deutschen Todesopfer handele es sich um einen Expeditionsteilnehmer aus Bayern.

Drama am "Todesberg"

Plötzlicher Sonnenschein nach Tagen mit kaltem Wetter hatte die Lawine auf dem achthöchsten Berg der Welt am Sonntag ausgelöst. Die Schneemassen begruben zwei Camps in etwa 7000 Metern Höhe. Wegen seiner Steilwände und plötzlicher Wetterumschwünge wird der Mount Manaslu auch "Todesberg" genannt.

Noch am Sonntag waren 13 Bergsteiger vom Manaslu gerettet worden, fünf von ihnen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus geflogen. Am Montag teilte der örtliche Polizeichef Basanta Bahadur Kunwar mit, dass fünf weitere Bergsteiger gerettet worden seien. Zu ihrer Nationalität lagen ihm keine Angaben vor. Sollte die Zahl der Todesopfer von bislang neun auf zwölf steigen, wäre es das schlimmste Unglück im Himalaya, seit 2005 durch eine Lawine in einem französischen Basislager 18 Menschen ums Leben kamen.

cf/DPA/Reuters / DPA / Reuters