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Wahlkampf: Getöse hier wie dort

Warum Paul Kirchhof brutto vier Töchter hat, wie Edmund Stoiber zum Rapper avancierte, was das Wetter mit der Wahl zu tun hat und warum die Stimmabgabe per Autohupe untersagt wurde. stern.de zeigt Szenen eines Wahlkampfs.

Kirchhofs Brutto-Töchter

Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel ist über die Familie ihres Steuerexperten Paul Kirchhof ganz offensichtlich nicht voll im Bilde. Bei einer Wahlkundgebung im bayerischen Rosenheim hatte Kanzler Gerhard Schröder jedenfalls die Lacher auf seiner Seite, als er sagte, Kirchhof habe brutto zwar vier Töchter, netto aber nur zwei. "Zwei seiner angeblich vier Töchter sind nämlich Söhne", erklärte Schröder. Merkel hatte beim Fernsehduell behauptet, Kirchhof habe vier Töchter, die alle berufstätig seien und Familie und Beruf unter einen Hut brächten. "Wir haben das überprüft", sagte der Kanzler in Rosenheim vor mehr als 3000 Zuhörern. "Frau Merkel sollte über brutto/netto noch einmal nachdenken", scherzte der gut gelaunte Kanzler bei seinem ersten Wahlkampfauftritt nach der viel beachteten TV-Sendung. Er spielte damit auf einen früheren Schnitzer Merkels an. Sie hatte bei der von der Union geplanten Steuerreform brutto und netto verwechselt.

Stimmabgabe per Autohupe

Das Innenministerium Baden-Württembergs hat einen von einem Privatradio initiierten Wahl-Hup-Wettbewerb gestoppt. Hitradio Antenne 1 hatte Autofahrer aufgefordert, mittels Hupe ihre Stimme für Schröder oder Merkel abzugeben - lang für Schröder, kurz für Merkel. Dies hat das Ministerium aus Sicherheitsgründen untersagt.

Stoiber als Rapper

Der Radiosender "Antenne Bayern" hat die Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) über frustrierte Ostdeutsche zum Rap gemacht. Aus Originalzitaten der Wahlkampfrede Stoibers im oberpfälzischen Schwandorf Anfang August bastelte der Sender einen zünftig bayerischen Song. Beim "Stoiber-Landler-Rap" werden die Worte Stoibers zum Teil neu kombiniert und ironisch betont. Die O-Töne in dem rund 40 Sekunden langen Musikstück sind mit einem bayerischen Landler, einem Folklore-Walzer, unterlegt.

Wahlbeteiligung ist nicht wetterabhängig

Wähler sind entgegen allen Vermutungen nicht wetterfühlig. Zu dem Ergebnis kommt der Bonner Wetterservice Donnerwetter.de in einer Studie zu Wetter und Wahlbeteiligung. "Das Wetter hat keinen Einfluss auf den Gang zur Urne", erklärte Autor Karsten Brandt. Wenn die Wahlbeteiligung vom Wetter abhängig wäre, dann müsste sich dies bei der gleichen Wahl am gleichen Tag besonders bei Wahlkreisen mit stark unterschiedlichem Wetter zeigen, meint Brandt. Trotz akribischer Suche seien solche Auffälligkeiten aber bisher nicht gefunden worden. Das Bonner Unternehmen analysierte nach eigenen Angaben nicht nur Ergebnisse von Bundestags-, Landtags-, Europa- und Kommunalwahlen. Zudem sei auch das Wahlverhalten bei Bundestagswahlen in mehr als 100 Wahlkreisen untersucht worden. Das Ergebnis entspreche der bisher einzigen Studie zu diesem Thema, die aber nur die Wahlbeteiligung in der Stadt Wiesbaden von 1946 bis 1991 unter die Lupe genommen habe.

"Ihrer Exzellenz der Bundeskanzlerin"

Sollte CDU-Chefin Angela Merkel tatsächlich Deutschlands erste Bundeskanzlerin werden, stellt sich natürlich die Frage, wie man sie korrekterweise anspricht. Ihr offizieller Titel lautet dann dem Ratgeber für Anschriften und Anreden der Abteilung "Protokoll-Inland" des Bundesinnenministeriums zufolge Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Bei der mündlichen Anrede reiche "Frau Bundeskanzler". In der schriftlichen Anrede rät das Protokoll jedoch zu: "Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin" oder "Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin" gefolgt vom akademischen Grad sowie dem Vor- und Zunamen. Im internationalen Schriftverkehr legt das Protokoll als korrekte Anrede fest: "Ihrer Exzellenz der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland."

Abgeordnete für einen Tag

Für zwei Abgeordnete war die letzte Bundestagssitzung vor dem 18. September die einzige in dieser Wahlperiode. Noch kurz vor der Neuwahl rückten Barbara Imhof (SPD) aus Hessen und Dorothea Störr-Ritter (CDU) aus Baden-Württemberg ins Parlament nach. Ihre Vorgänger hatten die Sitze geräumt, um kommunale Ämter zu übernehmen: Walter Hoffmann (SPD) wurde zum Oberbürgermeister von Darmstadt gewählt, Heinz Seiffert (CDU) ist neuer Landrat des Alb-Donau-Kreises. Die beiden Neulinge saßen allerdings schon früher mal im Bundestag.

Gysi will "chefig" bleiben

Das heftig kritisierte Wahlplakat der Linkspartei mit ihrer Doppelspitze Oskar Lafontaine und Gregor Gysi gehört der Vergangenheit an. Es werde bundesweit mit neuen Plakaten überklebt, die im Westen nur Lafontaine und im Osten Deutschlands nur Gysi zeigen, sagte Parteisprecher Hendrik Thalheim: "Das hat nichts mit der Kritik an dem Plakat zu tun. Das ist unsere dritte Werbungswelle, das war lange geplant." Das Vorgängerplakat hatte auch parteiintern für Zündstoff gesorgt. Es zeigte einen von unten, nahezu verliebt lächelnden Gysi in fast unterwürfiger Haltung vor Lafontaine. Thalheim verteidigte das Motiv. "Es war das beste Wahlplakat von allen Parteien in diesem Wahlkampf, weil es das einzige war, über das überhaupt geredet wurde." Es habe seinen Zweck, neugierig auf die Linkspartei zu machen, voll erfüllt. Er habe das Plakat vorher nicht gekannt, weil er nie Fotos für die Wahlwerbung anschaue und aussuche, sagte Gysi. Aber eine demütige Haltung gegenüber Lafontaine müsse niemand von ihm befürchten. "Ein bisschen chefig bleibe ich schon", sagte Gysi in Anspielung auf die künftige Rollenverteilung zwischen den Spitzenkandidaten. "Wir beide gehen in Augenhöhe miteinander um." Zudem könne man bei aller Aufregung dem Plakat eins nicht nachsagen: "Dass wir beide der Ausdruck der Frustrierten sind, ist daraus nicht ersichtlich", sagte Gysi in Richtung des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU).

Stoiber und die Kälber

Edmund Stoiber hat bei seinen umstrittenen Äußerungen zum Wahlverhalten in Ostdeutschland auch den Satz "Nur die größten Kälber wählen ihre Metzger selber" gebraucht. Stoibers Sprecher erklärte, dies sei kein Angriff auf die Wähler gewesen und auch der frühere bayerische Regierungschef Franz Josef Strauß habe früher in Wahlkämpfen immer wieder das Kälber-Zitat verwendet. Tatsächlich dürfte das Zitat schon aus dem 19. Jahrhundert stammen. In Band 12 des Dudens "Zitate und Aussprüche" heißt es zu dem Spruch: "Er könnte auf einer Wahlveranstaltung in Niederschlesien am 1. Oktober 1876 geprägt worden sein, die sich gegen die Wahl liberaler Abgeordneter richtete und von einem Pfarrer mit eben diesen Worten abgeschlossen worden sein soll."

Gebimmel nervt Lafontaine

Oskar Lafontaine, im Wahlkampf viel unterwegs, verzichtet auch künftig auf ein Mobiltelefon. Auf die Frage, ob er sich nach wie vor kein Handy zulegen wolle, sagte Lafontaine der "Saarbrücker Zeitung": "Es wird dabei bleiben. Das ständige Gebimmel nervt mich maßlos. Ich brauche Zeiten, in denen ich zum Nachdenken komme".

Wahlprogramm in Plakatform

Die CSU macht mit einem ungewöhnlichen Plakat Werbung für ihre Wahlkampfbotschaften: Auf dem riesigen Poster ist das 39 Seiten starke Wahlprogramm der Union von A bis Z abgedruckt. Von der Ferne sieht das Plakat aus wie eine große graue Zeitungsseite mit drei Spalten, in der Mitte ist nur das Wort "Wechsel" weiß ausgespart. "Wir haben ein Wahlprogramm, mit dem wir uns trauen, Werbung zu machen", sagte Generalsekretär Markus Söder bei der Vorstellung in München. "Bei der CSU kann man auch das Kleingedruckte lesen." Ganz einfach ist das allerdings nicht, denn zumindest für die oberen Zeilen müssen sich die Bürger ganz schön auf die Zehenspitzen stellen. Das Plakat wurde zunächst mit einer Auflage von 5000 Stück gedruckt.

Merkel und die Männer

Angela Merkel kann vor allem Männer mit Stil und Witz gut leiden. "Ich mag Männer, die ein bisschen auf Höflichkeit und Form achten und vor allem Humor und Selbstbewusstsein haben", sagte Merkel der Frauen-Zeitschrift "Cosmopolitan". Auf die Frage, welchen berühmten Mann sie für besonders charmant hält, antwortete sie: "Ob Mann oder Frau, ich mag Menschen, die authentisch sind. Bei denen man merkt, da ist nichts Gespieltes, sondern die ihre Persönlichkeit mit allen Ecken und Kanten zeigen. Und die dabei nicht auf die Pauke hauen, sondern ganz bei sich sind." Als Vorbild sieht die CDU-Vorsitzende die Physikerin Marie Curie an. "Im politischen Bereich habe ich eigentlich kein Vorbild", sagte sie weiter. "Aber als ich mich vor einiger Zeit auf eine Laudatio für Hillary Clinton (der Ehefrau des früheren US-Präsidenten) vorbereitete und in ihrem Buch geblättert habe, finden sich lustige Analogien" - darunter die Storys mit ihren Haaren. "Es hat mich sehr an die aufgeregte Diskussion um mein Aussehen erinnert."

Zusammengestellt von: Dusko Vukovic (mit Material von DPA)