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The Rasmus: Liebe, Tod und Herzschmerz

Mit dem Song "In the Shadows" vom Album "Dead Letters" gelang The Rasmus der Durchbruch in Europa. Nun steht das neue Album der finnischen Band in den Läden. Zielgruppe auch diesmal: deprimierte Teenager.

Von Thomas Krause

The Rasmus haben 2003 von ihrem Album "Dead Letters" über anderthalb Millionen CDs verkauft. Dass damals der Durchbruch kam, war nahezu unvermeidlich: Die elf Songs waren so stark auf Radiotauglichkeit hin geschrieben, dass jeder einzelne als Single hätte ausgekoppelt werden können. Diesen "Makel" hat die Band auf dem neuen Album abgelegt. "Dieses Mal gibt es mehr Gegensätze in der Musik", sagte Sänger Lauri Ylönen. Und tatsächlich entdeckt man auf "Hide from the Sun" beim ersten Hören musikalisch mehr Ecken und Kanten als beim Vorgänger.

Vermeintlich bedeutungsschwangere Metaphern

Die Musik ist weiterhin eingängig und besitzt auch Ohrwurm-Qualität, doch schon nach wenigen Durchläufen gibt es auf dieser CD nicht Neues mehr zu entdecken. "Shot" gibt als erster Song der CD textlich bereits das Thema des gesamten Albums vor: Liebe, Tod und Herzschmerz. Diese Themen werden manchmal balladesk ("Sail away"), meist aber eher rockig ("Immortal", "Night after Night"), verarbeitet. "Night after night" bildet die Fortsetzung des Hits "In the shadows" und enthält als einzige gute Idee zwei scheppernde Beckenschläge zum Gitarrenriff. Die erste Singleauskopplung heißt "No Fear" und beginnt mit der indiskutablen Textzeile "Girl, you lived your life like a sleeping swan" ("Mädchen, du lebtest dein Leben wie ein schlafender Schwan"). In den Texten finden sich noch mehr solcher vermeintlich bedeutungsschwangerer Metaphern: Engel, Teufel ("Lucifer's Angel"), Sonne und Dunkelheit ("Dead Promises").

Sowohl textlich als auch musikalisch beackern The Rasmus das düstere Feld, dass sich die ebenfalls finnischen Bands Him und Apocalyptica bereits aufgeteilt haben. Der Unterschied ist nur, dass The Rasmus auf der Welle, die diese Bands ausgelöst haben, lediglich mitschwimmen. Innovativ sind The Rasmus nicht, es sei denn, man lässt ein Übermaß an Pathos als Innovation durchgehen. Die Relevanz der Band ist auch mit diesem Album nicht unter Beweis gestellt worden. Aber anderthalb Millionen deprimierte, romantische Teenager, die die Platte kaufen, werden sich wohl finden lassen.

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