Tom Jones Bitte keine Slips mehr werfen


Wenn er die Bühne betritt, flippt das weibliche Publikum aus. Auch zu seinem 65. Geburtstag wird Tom Jones sein Image nicht los: Er ist und bleibt die "Sex Bomb".

Vierzig Jahre hat sich Tom Jones die Brusthaare rausgekämmt, doch in letzter Zeit gibt er sich zugeknöpft oder trägt Rollenkragenpullis. Seine weiblichen Fans ließ er wissen, es sei "beleidigend", wenn er während seiner Auftritte mit Unterwäsche beworfen werde. Die neue Scheu hat wohl damit zu tun, dass er am 7. Juni 65 Jahre alt wird. Er weiß eben auch: Das ist nicht mehr das Alter, in dem man zu sexy ist, um sein Hemd anzubehalten.

Er spricht jetzt viel davon, wie wichtig es ihm ist, als Sänger ernst genommen zu werden. Vielleicht hat es ihn ja doch gestört, dass ihn die anderen britischen Popgrößen seiner Generation immer belächelt haben. Der Kunststudent John Lennon hat Witze über ihn gemacht, Mick Jagger, der Rebell vom Privatinternat, ignorierte ihn. "Die waren aus der Mittelklasse", lautete seine Erklärung. Er dagegen war der Arbeitersohn aus Wales, der nie richtig Schreiben gelernt hatte.

"Jones, die Stimme"

Tom Jones hat kein einziges Lied selbst geschrieben oder komponiert. Doch dafür hat ihn Elvis Presley als den größten Sänger überhaupt bezeichnet. Auf Hawaii erschien Elvis einmal in einem Gitarrenladen und sagte: "Ich bekomme heute Besuch von Tom Jones. Ich brauche schnell zwei Gitarren." Auf seinem Grabstein soll einmal stehen: "Jones, die Stimme".

Der "Tiger", wie er auch genannt wird, hat noch immer das Arbeitsethos seiner Bergmannsfamilie. Als er in den 70er und 80er Jahren eine Durststrecke hatte, kam es ihm nicht in den Sinn, sich auf seinen Millionen auszuruhen. Er tingelte weiter durch die Hallen, gehörte zeitweise zum Inventar von Las Vegas. Damals pflegte er sich mit der ihm zugeworfenen Unterwäsche den Schweiß abzuwischen. Es muss heute noch Tausende in Tom-Jones-DNA getränkte Damenslips geben, die von ihren Besitzerinnen als Reliquien des Sexgotts verehrt werden.

Von der Witzfigur zum coolen Typ

Irgendwann hat er dann gemerkt, dass er zur Witzfigur geworden war - sagt er selbst. Von da an hat er die Wäsche liegen lassen, und seine PR-Leute haben allen Interviewern eingeschärft, das Thema zu meiden. Er sang "Kiss", ein Stück des ganz und gar nicht machohaften Prince, und nahm eine Reihe von Duetten mit jüngeren Sängern auf. Dieses Album mit dem Titel "Reload" verkaufte sich fünf Millionen Mal. Inmitten von jungem Britpop-Gemüse wurde er dafür zum besten britischen Solokünstler gekürt. Sein Sohn, der seit langem sein Manager ist, seufzte erschöpft, aber glücklich: "Es hat mich 14 Jahre gekostet, Tom Jones cool zu machen."

Nicht alle sind davon überzeugt, dass dies wirklich gelungen ist. Nach Ansicht eines "Guardian"-Kritikers sieht er langsam so unecht aus wie ein "Saddam Hussein mit den Augen von Kohl". Eine andere Kritikerin schrieb nach einem Konzert: "Tom Jones ohne Sexsoße ergibt keinen Sinn." Doch man kann jetzt manchmal erahnen, dass er auch das Zeug zu einem großen Soul-Sänger gehabt hätte, wenn er sich nicht irgendwann entschieden hätte, Tom The Sex Bomb zu werden.

Christoph Driessen/DPA DPA

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