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Produzent und DJ "Breaking Me" war ein Mega-Hit, Topic wollte die Welt erobern – dann kam Corona

Topic
Tobias Topic, 28, lebt immer noch in seiner Heimatstadt Solingen
© Mats Bohle
Zu "Breaking Me" hat 2020 jeder getanzt – solange das noch ging. DJ und Produzent Topic landete mit dem Song einen Welt-Hit, durfte dann aber nicht mehr auftreten. NEON hat ihn gefragt: Bedeutete Corona einen Knick auf seinem steilen Weg nach oben?

Als wir mit Topic zum NEON-Interview via Zoom verabredet sind, schaltet er sich aus seinem Tonstudio in Solingen zu. Dort arbeitet der DJ und Produzent immer noch im alten Fabrikhaus seiner Eltern, nebenan wohnt seine Mutter. Doch Tobias Topic, wie er mit vollem Namen heißt, ist seit diesem Jahr weit über seine Heimatstadt – und über Deutschland hinaus – bekannt.

Ende 2019 kam sein Song "Breaking Me" heraus, das Stück wurde zu einem der Mega-Hits des Jahres. In den deutschen Verkaufscharts 2020 steht "Breaking Me" auf Platz fünf, auch in vielen anderen Ländern weltweit schoss der Song an die Spitze. Überall tanzten Menschen zu dem Track – und doch war es ein bittersüßer Erfolg. Denn wegen der Corona-Einschränkungen konnte Topic, dessen nächste Single im Januar erscheint, kaum live auftreten. Hat Corona ihm seinen größten Erfolg vermiest? NEON hat mit Topic über sein verrücktes Jahr 2020 gesprochen. 

Topic im Interview: "Man merkt, dass alle noch so einen Hit wollen"

NEON: Topic, weißt du noch, was du vergangenes Jahr an Silvester gemacht hast?
Topic:
Ich habe in Luxemburg aufgelegt – und das war schon nicht so geil. Es gab kein Feuerwerk: Als wir zurück ins Hotel wollten, waren keine Taxis mehr da und ich bin dann auch noch in die falsche U-Bahn eingestiegen. Das war schon ein kleiner Teaser für das nächste Jahr.

Damals war gerade dein Song "Breaking Me" herausgekommen, der zu einem Riesenhit wurde. Hast du zum Jahreswechsel geglaubt, dass 2020 dein Jahr wird?
Der Song kam Ende Dezember raus, und man hat schon in den ersten Tagen gemerkt, dass da mehr geht als bei den Releases, die ich vorher hatte. Am ersten Tagen wurde "Breaking Me" gleich dreimal so oft auf Spotify gestreamt. Das ist auch konstant so geblieben. Auch die Reaktionen waren viel krasser als sonst. Deswegen war ich auf jeden Fall sehr gespannt.

Der Song wurde dann in den folgenden Monaten zu einem großen Hit, auch international. Dann kam der März, Corona, viele Veranstaltungen wurden abgesagt. War das für dich ein Schock? Du wolltest ja gerade auf der ganzen Welt durchstarten.
Auf jeden Fall. Ich hatte natürlich schon die ganzen Festivals für den Sommer geplant, hatte auch sonst viele Auftritte – das ist dann alles weggebrochen. Und ich weiß ja nicht, was noch gekommen wäre. Wenn Corona nicht gewesen wäre, wäre da sicherlich noch mehr gelaufen. Die Promo hat digital allerdings total viel Zeit gespart. Ich habe morgens in Australien angefangen und hatte um 23 Uhr das letzte Interview in den USA. Normalerweise hätte ich drei Monate für das gebraucht, was ich damit an einem Tag geschafft habe.

Was hast du mit der Zeit gemacht?
Ich habe zum ersten Mal seit Jahren im Sommer Urlaub gemacht – einen Monat lang auf Mallorca. Hab mein Studio eingepackt, und weg. Ich war die Jahre davor eben immer auf Festivals. Ansonsten habe ich versucht, so viele neue Songs zu machen wie möglich und kreativ zu sein. Ein paar Auftritte vor Kameras und Autos gab es auch noch.

Welche Bedeutung haben Live-Auftritte für dich – oder ist es wichtiger, dass deine Songs im Radio gespielt werden und in den Charts erfolgreich sind?
Ich bin nicht so sehr auf die Live-Sachen fixiert. Eigentlich war ich schon immer mehr Produzent als DJ und hatte dadurch sogar einen Vorteil, weil viel mehr Zeit dafür blieb. Andere Künstler haben einen riesigen Personenhype. Bei mir ist Musik das Allerwichtigste: Man muss einfach geile Songs machen. Aber natürlich wäre ich gern in den USA bei Jimmy Fallon aufgetreten oder so.

Wie fällt deine Gesamtbilanz für 2020 aus? War es trotz deines Erfolgs auch eine verpasste Chance?
Es ist ganz komisch. Einerseits war da der krasseste Erfolg, den ich je hatte – damit hätte ich niemals gerechnet. Aber wenn ich überlege, welche Möglichkeiten es in diesem Jahr gegeben hätte, noch mehr zu machen ... Dann nervt das schon. Aber eigentlich darf ich mich gar nicht darüber aufregen, wenn ich so ein Ding wie "Breaking Me" landen konnte. Und die Shows kann man im nächsten oder übernächsten Jahr nachholen.

Hast du keine Angst, dass du und der Song in Vergessenheit geraten seid, wenn es wieder losgeht?
Mir haben viele gesagt, dass es bei ihnen erst ein oder zwei Jahre nach dem Hit so richtig losging. Das sind die krassesten Jahre. Bei mir war es schon 2016 so, als ich mit Nico Santos zusammen in Deutschland einen Hit hatte ("Home", Anm. d. Red.). Da waren 2017 und 2018 meine besten Live-Jahre.

"Breaking Me" ist noch einmal eine ganz andere Nummer – der Song wurde mittlerweile mehr als eine Milliarde Mal online gestreamt. Kannst du dir so eine Zahl von Hörern überhaupt vorstellen?
Nein, das ist schon absolut verrückt. Ich habe schon gedacht, irgendwann hast du mal ein paar coole Hits. Aber so ein Ding? Das habe ich mir nicht erträumt. Andererseits ist es gerade unter DJs meist so, dass die Musik mehr wahrgenommen wird als die Person dahinter. Ich hatte zum Beispiel auf Instagram keinen großen Follower-Zuwachs, obwohl der Song so lange in den Charts war.

Also könnte das einer der Songs werden, die jeder aus dem Club kennt, bei dem aber alle sagen: Von wem war der noch mal?
(lacht.) Ja, das könnte gut sein.

Wie groß ist nach so einem Erfolg der Druck, dass auch das nächste Ding sitzen muss?
Man merkt schon, dass alle gern noch mal einen solchen Hit haben wollen. Meine nächste Single war dann nicht so erfolgreich wie "Breaking Me", da haben einige Leute gesagt: ‚Okay, das war jetzt nicht so krass.‘ Aber ich liebe es einfach, Musik zu machen und produziere auch viele Leute, die ganz weit weg sind von so einem Erfolg. Das macht einfach Spaß.

Neulich bist du auch in der TV-Show "Voice of Germany" als Gastcoach aufgetreten. Sehen wir dich bald öfter im Fernsehen?
Ja, im nächsten Jahr bin ich Musikpate bei "Dein Song". "Voice of Germany" war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung zusammen mit Nico Santos, den ich schon lange kenne. Wir haben zwei sehr talentierte Jungs gecoacht, das hat Spaß gemacht. Ich brauche vor der Kamera manchmal zwei Minuten, um warm zu werden, aber dann fühle ich mich wohl.


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