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Neues Album "Rich Rich" Ufo361 – das Beste, was Deutschrap momentan zu bieten hat

Der deutsche Rapper Ufo361 bei einem Konzert im Huxleys in Berlin
Der deutsche Rapper Ufo361 bei einem Konzert im Huxleys in Berlin
© Eventpress Hoensch / Picture Alliance
Vor zwei Jahren hatte der Rapper Ufo361 angekündigt, seine Karriere zu beenden. Er inszenierte sein künstlerisches Abtreten mit einem R.I.P.-Konzert. Doch er machte weiter – und hat nun ein Album veröffentlicht, das in ein paar Jahren ein Klassiker sein könnte.

Es war der 25. Juli 2018, als Ufo361 auf Instagram sein Karriereende bekanntgab. "Brauche jetzt Zeit für mich und meine Familie", ließ er seine Fans damals wissen. Drei Monate später feierte er dann seinen großen Abschied bei einem R.I.P.-Konzert in der Columbia-Halle in Berlin. Es hatte fast schon etwas Staatsmännisches, wie der Rapper sein künstlerisches Abtreten inszenierte.

Doch kaum hatte er sich verabschiedet, war er wieder da – wie Jesus von den Toten auferstanden. Dass BWL-Studenten dazu vermutlich sagen würden, sie haben diesen PR-Stunt im dritten Semester im Marketing-Kurs gelernt, sei mal dahingestellt. Zumal es vollkommen irrelevant ist. Es hat funktioniert. Der Berliner Rapper, der den Trap-Sound aus Atlanta in Deutschland massentauglich gemacht hat, war zurück.

Und machte so weiter, als sei er nie weg gewesen. Er "ackerte hart – jeden Tag", brachte im vergangenen Jahr zwei weitere Alben heraus – eines mit dem türkischen Musiker Ezhel. Nun kommt mit "Rich Rich" sein dritter "posthumer" Longplayer. Es ist die Krönung seines Aufstiegs. Der Junge mit türkischen Wurzeln, der in Berlin-Kreuzberg in den 90er-Jahren aufwuchs und zunächst auf klassischen Rap-Beats mit Kick, Drum und Snare 16-Bars (Strophen mit 16 Zeilen) kickte, ist mit diesem Album endgültig dort angekommen, wo er immer hinwollte: an der Spitze der Deutschrap-Szene.

Ufo361 hat Trap auf Deutsch massentauglich gemacht

Einen großen Anteil daran haben auch die Broke Boys. 2015 lernt er das Produzenten-Duo kennen. Ufo361 orientiert sich daraufhin musikalisch um. Er macht von nun an keinen Straßenrap mehr, sondern Trap. Seine drei Mixtapes "Ich bin ein Berliner", "Ich bin ein Berliner 2" und "Ich bin ein Berliner 3" sind sein "Blueprint". Sie legen den Grundstein für seinen heutigen Erfolg. Seine Karriere nimmt plötzlich Fahrt auf. Da ist auf einmal jener Sound, den amerikanische Künstler wie Future oder die Hip-Hop-Gruppe Migos prägen, endlich auf Deutsch. 

Auf seinem neuen Album krönt er sein künstlerisches Dasein mit einem Feature mit jenem Future, dem Godfahter of Trap – der bekannt ist für seine rauchige Stimme, die immer so klingt, als habe er eine Zigaretten-Packung aufgegessen. Ihr gemeinsamer Song "Big Drip" ist ein Novum. Deutsch und Englisch zwei Sprachen, die von ihrer Phonetik so uneins sind wie der Wendler und Goethe, bilden plötzlich eine perfekte Symbiose.

Und wer da anderer Meinung ist, den fragt Ufo361 im gleichnamigen Albumtrack "Rich Rich" einfach: "Warum redest du, wenn du kein Cash hast?" Diese für Deutschrap charakteristische Me-against-the-world-Attitüde wiederholt sich auf dem Album wie Bill Murrays Tag in "Und täglich grüßt das Murmeltier …". Der Berliner wird nicht müde zu betonen, er habe es geschafft: "Ja, wir sind rich-rich / Chanel-Bag Vintage."

"Rich Rich" könnte bald ein Klassiker sein

Die fehlende Themenvielfalt ist vielleicht das einzige Manko von "Rich Rich". Marken- und Namedroppings sind die größte Konstante neben Neid, Erfolg, Geld, harter Arbeit und seinem Ehrgeiz: Er wolle "Kein Stück vom Kuchen / ich will eine Konditorei" rappt erin "Finale Fantasy". Auch seine Ex-Freundin bekommt in "Nur zur Info" noch einen mit: "Meine Ex hat mich verlassen / Meinte: Nein, ich werd's nicht schaffen – nur zur Info / Ich geb' ihr jeden Tag, mach' die Bitch zu 'ner Nympho."

Aber es braucht kein "Diamonds From Sierra Leone" à la Kanye West oder Kendrick Lamars "Alright", die gesellschaftliche Probleme zu Kopfnicker-Hits machen. Es reicht die Attitüde, mit der Ufo361 über die Beats fliegt. Er trifft Zeitgeist und ist fast all seinen Deutschrapkollegen – bis auf wenige Ausnahmen – mit seinem Sound meilenweit voraus. Das liegt auch am kongenialen Produzenten-Duo The Cratez. Die Göttinger sind inzwischen die Neptunes der Deutschrap-Szene. Sie haben unzählige Hits für Capital Bra, Bausa oder Raf Camora und Bonez MC produziert. Bei "Rich Rich" hatten sie ebenfalls ihre Finger im Spiel.

Diskuthek-Teaser Folge 3: Rap und Rassismus

Über das Album wird man in ein paar Jahr vermutlich sagen: Es ist ein Klassiker. Und falls nicht, hatte Ufo361 damit zumindest Erfolg. Wie er in einer Instagram-Story berichtet, seien bereits alle Boxen und Bundles ausverkauft. Wie war das doch gleich? Totgesagte leben länger.


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