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stern-DISKUTHEK: Selbstbestimmung oder Unterdrückung? Muslima und Atheistin streiten über das Kopftuch

Wer ein Kopftuch trägt, kämpft mit Vorurteilen – eines davon ist die mutmaßliche Unterdrückung durch das männliche Geschlecht. Aber steht das Kopftuch wirklich im Widerspruch zu weiblicher Selbstbestimmung und Feminismus? In der DISKUTHEK debattieren eine Muslima und eine Atheistin. 

DISKUTHEK: Kopftuch und Feminismus – ist das ein Widerspruch?

Kopftuch und Feminismus – ist das ein Widerspruch? Merve Kayikci und Pola Sarah Nathusius streiten in der DISKUTHEK.

Im vergangenen Juli schrieb Alice Schwarzer für "Die Zeit" über das Kopftuch als "identitätsstiftendes Symbol des Islamismus" und brach damit eine Welle der Empörung los. Erst im Mai hatte die Feministin und Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" an einer Konferenz mit dem Namen "Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" teilgenommen. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern kam sie zu dem Schluss, dass das Kopftuch vor allem Letzteres sei. 

Die neue DISKUTHEK-Folge führt den Diskurs weiter und stellt die Frage, ob Kopftuch und Feminismus wirklich so unvereinbar sind. Auf den Stühlen sitzen diesmal Merve Kayikci und Pola Sarah Nathusius. Merve ist Journalistin, praktizierende Muslima und trägt seit vielen Jahren Kopftuch, Pola spricht in ihrem Podcast "Das F-Wort" mit verschiedensten Gästen über Feminismus.

Feministin spricht sich für Kopftuchverbote aus

In der DISKUTHEK nehmen sie das Kopftuch nicht nur als  vermeintliches Unterdrückungsmoment in den Blick, sondern auch als religiöses Symbol mit großem Deutungsspielraum.

Pola, die auf eine katholische Mädchenschule gegangen ist und sich vom Glauben vollkommen entfernt hat, will Staat und Religion strikt trennen und deshalb keine Kopftücher in Gerichtssälen oder Klassenzimmern sehen. "Meine Haltung dazu ist: Wenn du Kopftuch trägst, dann kannst du mit diesem Kopftuch keine Richterin sein, [...] weil das nun mal eine Möglichkeit ist, um eine gewisse Grundneutralität in den Rechtsstaat reinzubringen", sagt sie. Merve widerspricht dem entschieden: "Das ist für mich als gläubiger Mensch ein neutrales Kleidungsstück." 

Können Frauen mit Kopftuch Feministinnen sein?

Das Kopftuchverbot innerhalb des öffentlichen Dienstes zählt für Merve zu den Faktoren, die weibliche Selbstbestimmung verhindern: "Der erste Schritt zur Emanzipation oder Selbstbewusstsein zu gewinnen oder nicht unterdrückt zu werden, ist doch nun mal Bildung oder Arbeit – also selbst für sich sorgen zu können. Und genau das wird den Frauen eben nicht ermöglicht, die Kopftuch tragen."

Ob die beiden bei allen Gegensätzen am Ende doch einen gemeinsamen Konsens finden, erfahren Sie in der neuen DISKUTHEK-Folge am Donnerstag, 12. September, ab 17 Uhr auf youtube.com/stern und stern.de.