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"Bauer sucht Frau" - die Hochzeit: Josef und Narumol sind jetzt "babaala"

Eine Traumhochzeit ganz ohne Prinzenpaar: Gibt's nicht? Gibt's doch! Bei der am Montagabend gezeigten Heirat von "Bauer sucht Frau"-Paar Narumol und Josef blieb kein Auge trocken. Einen Schönheitsfehler hatte die Traumhochzeit allerdings.

Von Jens Maier

Schatz, nach der WM machen wir uns aber einen gemeinsamen Fernsehabend. Und ich suche das Programm aus!" Männer, die sich mit diesen Worten am Montagabend vor den Fernseher locken ließen, wurden hinterhältig reingelegt. Die Zeit der Rache war gekommen. Rache für das laute Vuvuzela-Gedröhne, das wochenlang durchs Wohnzimmer hallte. Rache für die vielen getrunkenen Biere, die den Männerbauch weiter anschwellen ließen. Rache für den einsamen "Sex and the City"-Abend im Kino. Und Rache für die schlechte Laune, die sich nach dem Halbfinale in manchen Betten breit machte. Ein Griff zur Fernbedienung genügte, um es den Kerlen heimzuzahlen.

Keine 24 Stunden nach dem Abpfiff in Johannesburg flimmerte die größte Herzschmerz-Schnulze seit den Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen über den Bildschirm: RTL zeigte in einer "Bauer sucht Frau"-Sonderfolge die schönsten Momente der Hochzeit von Narumol und Josef. Die beiden hatten sich in der Kuppel-Sendung für einsame Landwirte kennengelernt und sind bereits das fünfte Paar, das sich vor den Altar traut. Aber das erste, dem der Sender eine Sondersendung widmet. Denn wie es sich für ein echtes Fernsehtraumpaar gehört, waren die TV-Kameras bei der Hochzeit dabei.

"Das sind keine Weinentränen"

Bereits am 5. Juli war der große Tag: Milchbauer Josef und Narumol, die Kielerin mit den thailändischen Wurzeln, gaben sich im kleinen Chiemgaudorf Pittenhart das Ja-Wort. Dass der Kölner Fernsehsender den Höhepunkt seiner erfolgreichen fünften "Bauer sucht Frau"-Staffel erst eine Woche später aussendet, ist wohl viel mehr der Sorge um die Einschatquote geschuldet, als der Rücksicht um den häuslichen Fernsehfrieden. Der erste gemeinsame Fernsehabend nach der WM, hinterhältiger hätten die RTL-Programmchefs den Ausstrahlungstermin nicht legen können.

Und für Schnulzen-Hasser kam es dann auch richtig dicke: Die nah am Wasser gebaute Narumol war praktisch immer den Tränen nahe. Egal ob ihre Haare vom Dorffriseur toupiert wurden, sie ihr Hochzeitskleid aussuchte oder die Nachbarn vor der Tür standen - sie schluchzte ebenso heftig wie am Flughafen, als sie ihren Vater zum ersten Mal seit Jahren wiedersah oder als sie vorm Traualtar stand. "Das sind keine Weinentränen, das sind Freudentränen", erklärte Josef allen besorgten Anwesenden, während er selbst feuchte Augen bekam.

Überdosis an Schmalz und Herzschmerz ist erträglich

Der streng katholischer Bayer und eine buddhistische Thailänderin aus Kiel - das klappt doch nie. Das dachten die meisten Fernsehzuschauer nachdem Narumol und Josef sich kennengelernt hatten. Vor allem, weil Narumol kein Wort von dem verstand, was Josef in seinem bayrischen Dialekt zu ihr sagte. Und der wiederum hatte seine liebe Mühe damit, das gebrochene Deutsch von Narumol zu entschlüsseln: Von Milch muss Narumol "ausbrechen" und nach einer Seilbahnfahrt war sie "fik und fertig". Doch ihre lustigen Wortverwechslungen, sie waren wohl der Weg zu Josefs Herz.

Mit ihrer großherzigen Art überwanden beide alle Sprachbarrieren und kulturellen Schranken und wurden ein echtes Liebespaar. Als sie gemeinsam in der Kutsche zur Pfarrkirche fahren, ist das fast so schön wie die Hochzeit von Schwedens Prinzessin Victoria mit ihrem Daniel. Das liegt vor allem daran, dass der Zuschauer keinen Moment das Gefühl hat, die Szenen könnten für die Kameras inszeniert sein. Josef und Narumol nimmt man jede Sekunde ab, dass sie total verliebt sind. Ihre echte Liebe - und nur die - macht die Überdosis an Schmalz und Herzschmerz erträglich.

Schönheitsfehler aus finanziellen Gründen

Und zum Glück kommen die Lacher dank Narumol auch nicht zu kurz: Als die anderen RTL-Bauern mit ihren Geschenken (eine Ziege und ein Kalb) für das Hochzeitspaar auftauchen, sagt sie trocken: "Ich glaube die denken, ich habe noch nicht genug zu tun. Die schenken mir Tiere!" Trotzdem war sie am Schluss "babaala" (Josef: "Was heißt das?" Narumol: "Überglücklich." Josef: "Auf thailändisch." Narumol: "Nein, auf deutsch."), auch wenn ihre Hochzeit einen kleinen Fehler hat: Das Paar hat nur kirchlich geheiratet, nicht standesamtlich. Der Grund ist die Witwenrente der 45-Jährigen.

2008 war ihr erster Mann, mit dem sie 15 Jahre lang verheiratet war und mit dem sie eine Tochter hat, an Lungenkrebs gestorben. "Er war die Liebe meines Lebens. Nachdem er nicht mehr da war, habe ich die schlimmsten Monate meines Lebens durchgemacht, war richtig vereinsamt", sagte sie der Zeitung "B.Z.". Und obwohl sie jetzt mit Josef eine neue Liebe gefunden hat, wollte sie auf ihre finanzielle Unabhängigkeit dank ihrer Witwenrente nicht verzichten. Bei einer standesamtlichen Heirat wäre ihr diese gestrichen worden.

RTL verschweigt den Schönheitsfehler der propagierten Traumhochzeit. Dafür kann man in Köln aber sicher sein, den Stoff für noch viele quotenträchtige Fortsetzungen gefunden zu haben. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, von ihm ein Kind zu bekommen, antwortete Narumol dem verdutzten Josef: "Wenn du das schaffst!" Genug Zeit zum Üben haben sie jetzt.