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"Big Brother": Jürgen kehrt zurück in den Container

Ein Jahr Pause - jetzt geht es wieder los mit der Mutter aller Reality-TV-Formate: "Big Brother". Statt Container gibt's ein schickes Haus, die Kandidaten schmachten darin nicht mehr ein Jahr, sondern nur noch 150 Tage. Zurück ist ein alter Bekannter: Jürgen.

Von Kathrin Buchner

Man schreibt das Jahr 2000. Durchschnittlich fünf Millionen Deutsche sitzen vor der Glotze, um stinknormalen Menschen beim Essen, Streiten, Schlafen oder Faulenzen zuzusehen. Und selbst im Jahr 2007 kennt man sie immer noch, die ersten Container-Bewohner des Reality-Formats "Big Brother": Zlatko, den Autoschlosser, der Shakespeare für ein Bier hielt, Sabrina, die Dachdeckerin, die nackt vor laufenden Kamera duschte, Alex, der unter der Bettdecke Sex mit Kerstin hatte und danach Schauspieler-Blondine Jenny Elvers schwängerte. John, der tätowierte Berliner, verdankte seinem Sieg vor allem der Tatsache, dass er so unauffällig war, und man ihn einfach im Container vergessen hatte. Dann war da natürlich noch Jürgen, der lustige Berufskölner und Prototypenbauer bei Ford, immer mit einem flotten Spruch auf der Lippe hatte. Seine grotesk sinnentleerten Dialoge mit "best Buddy" Sladdi machten ihn zum Publikumsliebling.

Jürgen, er war der Entspannteste im Container-Zirkus. Zu Hause in Köln warteten Lebensgefährtin Marion und Tochter Nadine auf ihn, bei Ford hatte er lediglich drei Monate Urlaub genommen, seine Rückkehr ins normale Leben war von Anfang an geplant. "Ich hätte dafür nie meinen Job aufgegeben", sagt Jürgen Milski heute. "Als ich damals einzog, las ich im Kölner Express die Überschrift 'TV-Knast'' und wusste in dem Augenblick nicht, ob ich den größten Fehler meines Lebens begehe", sagt er.

Genau das Gegenteil trat ein: Obwohl Alex, Sabrina und Sladdi schnurstracks ins Studio eilten, blieben ihre Songs "One Hit Wonder", wenn sie es überhaupt in die Charts schafften, die Karrieren im Rampenlicht scheiterten. Nur Jürgen, der erst mal zu Ford zurück kehrte und sich ein halbes Jahr ansah, wie alle anderen auf die Nase fielen, wurde zum gefeierten Entertainer. Jettet donnerstags von Köln nach Mallorca, um dort den Ballermann zum Kochen zu bringen, steht montags und dienstags in München als Moderator von Quizshows bei "Neun Live" vor der Kamera, beschallt jedes Wochenende die Discos in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Seine Lieder wie "Der Schunkelsong" oder "Geile Zeiten" gehören im Ballermann und beim Karneval mittlerweile zum Standardrepertoire. Die Haare trägt er kurz, einige Falten kräuseln sich um die Augen, wenn er lacht - und das tut er oft -, ansonsten hat sich Jürgen, 42, erstaunlich gut gehalten.

Zurück auf los in besserer Position

Und jetzt wird kehrt Jürgen dorthin zurück, wo alles begonnen hat. In Köln-Hürth, in den Container, der mittlerweile ein durchgestyltes Wohnhaus ist, um die Außenmoderation der siebten Staffel von "Big Brother" zu übernehmen. An der Seite von Studiomoderatorin Charlotte Karlinder, eine fidele Blondine mit nicht ganz perfekten Vorderzähnen, die, müsste sie selbst einziehen, ein Billy-Regal und eine Flasche Wodka mitnehmen würde. Nach Quoten-Flops und Chaos-Konzepten kehren die Macher von RTL 2, wo "Big Brother" ausgestrahlt wird, wieder zur Ursprungs-Idee zurück: Zwölf Kandidaten, 40 Kameras, 150 Tage Maximal-Aufenthalt, eine tägliche Zusammenfassung zur besten Sendezeit um 19 Uhr.

Es ist ein Triumph für Jürgen, und ein bisschen so, als ob der Affe zum Zoodirektor werden würde. Aber dazu lacht er noch verschmitzt. "Die mögen meine freche Schnauze", sagt er in breitem Kölsch und lacht schon wieder. Wenn man mit ihm spricht, merkt man schnell, worin sein Erfolgsrezept liegt. Er hat nie die Bodenhaftung verloren, selbst ein Star zu sein, war nie sein Ziel. Ihm ging es immer nur um eins: "Ich will genug Geld verdienen, damit meine 16-jährige Tochter sorgenfrei lebt und studieren kann".

Parties werfen für die Ausbildung der Tochter

Sladdi schraubt wieder an Autos, Sabrina betreibt einen Laden für Druckerpatronen, Alex ist Präsident eines Suzuki-Fahrer-Clubs, John lebt in einer Land-Kommune und legt in kleinen Clubs auf, nur Jürgen, der lacht aus allen Kanälen. Arbeitet die ganze Woche, jetzt auch noch mittwochs bei "Big Brother", aber das liegt immerhin gleich um die Ecke von seiner Wohnung, so dass er wenigstens von Mittwoch auf Donnerstag im eigenen Bett schlafen kann. Freundin Marion, mit der er seit 28 Jahren zusammen ist, kommt damit klar. "So wenig wie jetzt haben wir uns noch nie gestritten", sagt Jürgen. Und fügt noch hinzu: "Wir wissen genau, was wir aneinander haben und warum wir uns jetzt mal nicht so oft sehen."

Er hätte das Geld auch leichter haben können. 120.000 D-Mark hatte eine Illustrierte nach "Big Brother" für eine Homestory geboten. Doch so sehr Jürgen auf jeder Party tanzt, Frau und Kind sind für die Medien tabu. "Wenn sie den gleichen Medienrummel mitgemacht hätte, den ich mitgemacht habe, wäre diese Frau daran zerbrochen. Deswegen habe ich sie rausgehalten. Und es ist alles wunderbar." Hört sich so an. Konsequenterweise wird im Hause Milski auch nicht "Big Brother" geguckt, sondern die Mathematik-Hausaufgaben der Tochter diskutiert und das neueste Schnäppchen, das Marion bei Aldi gemacht hat, bewundert.