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Dschungelshow, Tag 5 Schmacht essen Seele auf – ohne Kippen kippt die Stimmung

Prüfung in der RTL-Dschungelshow
"Ich bin selten so beschissen navigiert worden", wird es Steuermann Lars Tönsfeuerborn nach der Dschungelshow-Prüfung entfahren
© Stefan Gregorowius / TVNow
Vergessen ist der zähe Auftakt, im Zwergenhaus kreist der Hammer. Lydia liebt den Doktor, Lars ist kurz davor, alles hinzuschmeißen, und Bea ist chronisch unternikotinisiert. Zur Auflockerung gibt es ein Wiedersehen mit der schönsten Dschungelprüfung ever, ever, EVER.
Von Ingo Scheel

Kennen Sie Mizaru, Kikazaru und Iwazaru? Das sind die drei Affen aus dem 12. Buch der Gespräche des Konfuzius, die das Sprichwort vom "Nichts  sehen, nichts hören, nichts sagen" geprägt haben. Manchmal gibt es noch einen vierten Affen, Shizaru, der sich den Unterleib bedeckt, und damit so etwas wie "Tu nichts Böses" oder "Habe keinen Spaß" bedeutet. In einem fast vergessenen Brauchtum ist zudem von Shōmen Kongō, einem grüngesichtigen Vajra, die Rede, aber das führt dann vielleicht doch etwas zu weit.

Bleiben wir lieber bei den drei weisen Affen von Köln-Hürth und die heißen Bea, Lars und Lydia. Auf das vorangestellte 'weise' sollte man nicht zuviel geben, auf die Affen schon eher. Das Triumvirat auf den Spuren von Thorsten Legat, Jürgen Milski und Menderes Bagci, das ist automobiler Autismus vom Feinsten. Kurzes Heads-up für diejenigen, die das Dschungelcamp 2016 vielleicht nicht mehr so ganz auf der Pfanne haben: Es geht bei dieser wohl schönsten aller Prüfungen auf eine Art Rennparcours, das Gefährt ein Jeep, eine Art Buggy, der von drei Kandidaten ins Ziel 'gesteuert' werden soll. Das Problem: Der Mann am Steuer, Lars, kann nichts sehen. Die Kandidatin vorn, Bea, hört nichts, und die Kandidatin im Heck, Lydia, darf nichts sagen.

Brackbraune Brühe, in der zuweilen etwas schwimmt

Wie schon vor fünf Jahren das Trio mit vier Fäusten, so wunderbar wuschig stellten sich diesmal auch die Drei von der Zankstelle an. Lydias Armbewegungen, als wollte ein somnambuler Pantomime eine Boeing 737 am Flughafen-Gate in die Parkbucht wedeln. Die Kommandos, die Bea aus diesen Gesten macht, ein stupendes Stakkato der Ungereimtheiten: Linke Ecke. Gerade. Links. Geradeaus. Rechts. Graaaaaadeaus. Die Aussichten für Lars hierbei, auch nur einen halben Meter Strecke zu machen, immer wieder vom Gniedeln und Gnurpsen auf die streckenbegrenzenden Altreifen unterbrochen. Versteuert, verlenkt, verarscht. "Ich bin selten so beschissen navigiert worden", entfährt es dem gestressten Steuermann. Zur Belohnung gibt es schließlich auch noch literweise Schlotze von oben, besonders mit Blick auf die zeitlich strikt limitierte Duschration ein morastfarbener Alptraum.

Stichwort Morast: Was ist das eigentlich, was Bea da aus dem Weinglas trinkt? Brackbraune Brühe, in der zuweilen noch etwas schwimmt, wer am Morgen nach einer Feier mal an einer Jack Daniel’s-Cola-Dose genippt hat, in der ein paar Kippen treiben, weiß ungefähr, wovon die Rede ist. Wobei – um eines kann es sich Bea nicht handeln, um Zigarettenreste nämlich, denn die hätte die chronisch Unterrauchte nicht dem Nass anheimgegeben, sondern bis zur letzten Tabakfluse inhaliert. Genau da nämlich liegt der Hund begraben, einer der Gründe, warum Bea so auf Zinne ist, Fiedler on the Roof, weil es einfach nicht genug Schmok gibt. Und wenn denn doch mal die Stopfmaschine mitsamt Halfzware durch den Schacht ins Häuschen geschoben wird, dann zittern der Weisen aus Witten dermaßen die Finger, dass sie am Ende nur drei Aktive zustande bringt. 

Lydia liebt den Doktooooor. Kein Scherz

Entsprechend hoch her geht es also im Tiny House. "Ein bisschen Contenance" fordert Lars, der Mann, dessen Nachname immer ein wenig klingt wie der verworfene Titel eines Albums von Turbostaat. Jetzt neu im Handel: "Tönsfeuerborn". Und Punk gibt es ja auch reichlich. Zwischendurch federt ein Fläschchen von der guten Rebe die Stimmung etwas ab. Lydia, in Erwartung eines Schoppens Wein dem Schreikrampf zugeneigt, kann ihr Glück kaum fassen. Derart beseelt gibt es denn umgehend auch ein Stückchen Liebesbeichte. Der Mann ihres Herzens kein geringerer als der Arzt, dem die Frauen vertrauen, denn: Sie liebt den Doktooooor. Kein Scherz: Dr. Bob hat es ihr angetan. Warum auch nicht, Liebe kennt keine Krankenkassen.

Und so verrinnt die Zeit ungleich unterhaltsamer, und damit deutlich schneller, als noch beim ersten Trio Infernale, mit Augen-Frank, Zoe und dem heiteren Mike. Von Lars gibt es zwischendrin noch eine kleine Anekdoten-Dosis vom Freitod der Mutter, später macht er Bea zum "Schabrackentapier". Die wiederum bringt Steine – und sich selbst – zum Weinen und hofft, wie so viele Fehlgeleitete vor ihr, auf ein paar Anschlussjobs. Nur bezahlt müssen sie sein, denn umsonst arbeitet Frau Fiedler natürlich nicht, wer wollte es ihr verdenken? Immerhin liegt sie damit im Zwischenstand auf Platz 2, hinter "Larsch" (Beas Kombi aus 'Lars' und 'Arsch'), und vor Lovin’ Lydia. "Mein Leben war perfekt. Perfekter geht’s nicht", so resümiert Bea zwischendrin, und so ein bisschen gilt das auch für Tag 5 im Camp unseres Vertrauens.

Dass mit Schwanz und Bond zwei Gaststars aus den Annalen noch kurz in die Studiokulisse irrlichtern, erscheint fast obsolet, das Hier und Jetzt im Ersatz-Camp ist schillernd genug. Auch weil Bea Fiedler uns zwischendurch immer wieder einen Blick in ihr Blatt gewährt: "Blamieren bis auf die Knochen? Nicht mehr mit mir." Das ist dann wohl jener Spirit, mit dem man möglicherweise sogar bis nach Australien kommt.


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