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"Dick & Doof": Wider die Erwachsenenlogik

Feinster Slapstick-Humor, schräge Grimassen und herrlich grantige Dialoge: Für Kinder ist "Dick & Doof" der ideale Gegenentwurf zur Erwachsenenwelt.

Von Carsten Heidböhmer

Stan Laurel und Oliver Hardy

Stan Laurel und Oliver Hardy

Der schönste Tag in der Woche war in meiner Kindheit der Freitag. Nicht etwa, weil das Wochenende bevorstand. Den wahren Wert zweier arbeitsfreier Tage konnte ich damals noch keinesfalls ermessen. Nein - Freitag war "Dick & Doof"-Tag.

Bis wir aber selig vor dem Fernseher saßen und uns an den Späßen von Laurel und Hardy ergötzen konnten, mussten wir jede Menge Widrigkeiten überstehen. Zunächst ein Grundschulvormittag, dann Hausaufgaben, und – das war das Schlimmste - Kinderturnen. Jeden Freitag mussten mein Bruder und ich zum Turnen. Als wäre das nicht lästig genug, war diese Veranstaltung so unglücklich terminiert, dass man im besten Fall (pünktliches Ende, schnell umziehen – duschen hätte nur unnötige Zeit gekostet) immer mindestens fünf Minuten zu spät kam.

Kochtopf statt Melone

Meine Mutter holte uns mit dem Auto ab, und daheim angekommen stürmte ich vor den Fernseher. Mein Bruder musste immer noch vorher in die Küche und einen Kochtopf herauskramen, den er sich dann – als Reminiszenz an Laurels Kopfbedeckung, die Melone – auf den Kopf setzte. Erst dann konnte es losgehen.

Ein Leben ohne Zwänge

Was wir dann sahen, stellte auf wundersame Weise alles auf den Kopf, was wir aus der Erwachsenenwelt kannten. Zunächst mal ging weder Dick noch Doof einem erkennbaren Beruf nach. Von verschiedenen Hilfsjobs und den immer wiederkehrenden Ungeschicklichkeiten abgesehen gab es keine äußerlichen Zwänge, die ihren Tag strukturierten. Ein Traum!

Pieksen bis zum Quieksen

Während meine Eltern gerade dabei waren, uns die gegenseitigen Raufereien abzugewöhnen, konnten wir im Fernsehen beobachten, wie sich Laurel und Hardy lustvoll aneinander vergriffen und sich mit Vergnügen gegenseitig in die Augen pieksten. Dabei entstanden dann auch immer so lustige Geräusche, die dem Quieksen meines Teddybärs gefährlich nahe kamen.

Aus dem Klavier wird ein Kasten mit Tasten

Dick & Doof schienen vor niemandem Respekt zu haben, weder vor ihren jeweiligen Arbeitgebern noch voreinander. Und schon gar nicht vor Gegenständen. Was da alles zu Bruch ging! In einer meiner Lieblingsfolgen mussten die beiden ein Klavier transportieren. Wie man sich denken kann, kam einiges dazwischen, und am Schluss war von dem Musikinstrument nur noch ein Kasten mit Tasten übrig. Herrje, warum konnten die beiden nicht auch unser Klavier anliefern? Dann wäre ich vielleicht meine zweite Marter neben dem Turnunterricht losgeworden – das tägliche Klavierüben.

Kurzum: Mehr Dick & Doof, weniger Mami & Papa, das hätte unserem kindlichen Leben sehr gut getan. Doch wenn die schrullige Abschlussmusik ertönte und mein Bruder den Topf korrekt zurück in den Küchenschrank stellte, war wieder alles beim Alten. Die Erwachsenenlogik regierte wieder über die Dick & Doof-Logik.

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