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"Der Metzger und der Tote im Haifischbecken" Ein Feuerwerk schlechter Schenkelklopfer


"Der Metzger und der Tote im Haifischbecken" ist die Verfilmung von Thomas Raabs schwarzer Krimikomödie. Herausgekommen ist Brachialhumor in einer wild zusammengezimmerten Geschichte.
Von Christian Ewers

Ächz. Stöhn. Puh, lass mal lieber. Ist das anstrengend. Ist das zäh. Komik, die nicht funktioniert, kann aus Fernsehen eine Streckbank machen. Eine der ersten Szenen in der Krimikomödie "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken": Fährt ein beleibter Mann mit dem Fahrrad einen Berg hoch und seufzt und schwitzt. Lustig. Hat man so noch nie gesehen im Fernsehen. Es kommt aber noch besser: Der Mann, der im Film Willibald Adrian Metzger heißt, fährt den Berg auch wieder runter. Weil er eine nackte Frau im See sieht, verliert er die Kontrolle über sein Rad und fliegt in hohem Bogen über den Lenker. Auch sehr lustig. Stan Laurel und Oliver Hardy lassen grüßen.

Willibald Adrian Metzger landet neben einer Felsplatte, auf der zufällig ein abgerissener Finger liegt. Die schöne Frau aus dem See kommt hinzu, hält den Finger hin die Höhe - und dann rauscht ein Raubvogel heran schnappt sich den Fingerstumpf und fliegt weg. Und Willibald Adrian Metzger sagt: "Da ist jetzt ein Vogel mit dem Finger weggeflogen."

So geht das 90 Minuten lang. Brachialhumor in einer wild zusammengezimmerten Geschichte. Ein billiger Gag jagt den nächsten, aber diese Atemlosigkeit kann nicht kaschieren, dass Autor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Andreas Herzog wenig zu erzählen haben. Es fehlt ein Anker in der Geschichte, ein erzählerischer Kern. Stattdessen: ein Feuerwerk schlechter Schenkelklopfer; Schmidt und Herzog stolpern von eine Szene in die nächste und kommen doch nirgendwo an.

Ein verlorenes Spiel

Komik ist die vielleicht schwierigste Disziplin überhaupt, in der Literatur wie im Film. Man muss sie vorsichtig dosieren, und man muss dem Zuschauer etwas zutrauen: Dass er Humor auch mag, wenn er subtil und leise daherkommt; dass der Zuschauer einem Film Kredit gibt und dranbleibt, dass er nicht gleich wegzappt, wenn eine Szene nicht so simpel konstruiert ist wie ein Mario-Barth-Witz.

Schmidt und Herzog haben in "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken" versucht, den gleichnamigen Bestseller von Thomas Raab fürs Fernsehen zu adaptieren. Der österreichische Komödiant Robert Palfrader, 46, spielt die Hauptfigur Willibald Adrian Metzger. Palfrader ist in der Heimat ein gefeierter Mann, ein Meister des schwarzen Humors und des Wiener Schmähs. Mit dem hervorragenden Programm "Wir Staatskünstler" tourte er auch durch Deutschland, doch Palfraders Schauspielkunst kann diesen Film nicht retten. "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken" ist ein verlorenes Spiel, und das merkt man schon wenige Minuten nach Anpfiff.

"Der Metzger und der Tote im Haifischbecken"; ARD, 12. Februar, 20.15 Uhr


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