HOME

Michael Jackson: Ruhe sanft zwischen kreischenden Fans

Sein Grab könnte bald zur Pilgerstätte werden: Michael Jackson wird auf einem Friedhof in Hollywood beigesetzt, der nicht für einen Besucheransturm gerüstet ist. Jetzt steht auch der genaue Bestattungstermin fest. Jackson wird noch vor der offiziellen Trauerfeier beerdigt.

Von Jens Maier

Die Bestattungen haben Namen wie "Harmonie", "Tradition" oder "Eleganz". Angehörige können wählen: zwischen einer einfachen Urne, die schlicht "Der Plastikbehälter" heißt, für nur 34 US-Dollar, bis hin zum Luxus-Sarg "Das Meisterwerk" für 20.000 Dollar. Das billigste Begräbnis ist ab 813 Dollar zu haben, das teuerste kostet über 15.000 und beinhaltet Grabstein, Einbalsamierung, Leichenschau, Grabrede, Limousinen-Service für die Angehörigen, Blumenschmuck, einen Rabatt auf einen Sarg und die Aufzeichnung der Zeremonie auf DVD. Seit mehr als hundert Jahren treten Tote vom Forest Lawn Memorial Park ihre letzte Reise an. Am Dienstag auch Michael Jackson.

Der Friedhof in Los Angeles ist eine der exklusivsten Begräbnisstätten der Stadt. Er liegt idyllisch am Ende der Santa Monica Mountains und eingebettet von den Hollywood Hills. Von hier aus hat man einen fantastischen Ausblick auf Nord-Hollywood und das Tal von San Fernando. In unmittelbarer Nähe liegen die Studios von Walt Disney und Warner Brothers. Persönlichkeiten wie Bette Davis, Buster Keaton, Stan Laurel, Charles Laughton oder Liberace haben hier ihre letzte Ruhe gefunden - zu ihnen gesellt sich jetzt der größte Popstar aller Zeiten.

Noch bevor am Dienstag im Stadtzentrum Fans bei der offiziellen Zeremonie Abschied nehmen können, plant die Familie von Michael Jackson auf Forest Lawn eine private Trauerfeier mit anschließender Beerdigung. Stadträtin Jan Perry sagte dem US-Sender NBC am Montag, die private Zeremonie finde zwei Stunden vor Beginn der offiziellen Trauerfeier in der Staples Arena von Los Angeles statt, die für 10 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) angesetzt ist.

Mehr als 1,6 Millionen Menschen hatten sich im Internet um Karten für die Staples Arena beworben, nur 17.000 wurden bedacht. Die Polizei rechnet deshalb mit bis zu 700.000 Besuchern, die im Umfeld der Mehrzweckhalle, sonst Heimat der Basketballmannschaft L.A. Lakers, ein Chaos anrichten könnten. Das Gebiet soll weiträumig abgesperrt werden, was unweigerlich dazu führen könnte, dass trauernde Fans in Scharen zum sonst so idyllischen Forest-Lawn-Friedhof ausweichen.

Medienvertreter und Fernsehanstalten haben sich dort bereits in Stellung gebracht. Dutzende von Übertragungswagen stehen in den Zufahrten, die größten TV-Sender sichern sich die besten Plätze für ihre Live-Übertragungen. Dabei sind weitere Einzelheiten der Bestattung - insbesondere ob Kameras zugelassen sind oder nicht - bislang nicht bekannt. Schon jetzt hat sich der Friedhof zu einer wahren Pilgerstätte für Jackson-Fans entwickelt.

Dabei ist er alles andere als für einen Ansturm gerüstet. Forest Lawn ist als Parkanlage gestaltet. Den Besucher erwarten riesige Rasenflächen, dazwischen Bäume, Springbrunnen, Marmor-Statuen, drei kleine Kirchen und ein Stein-Mosaik zu Ehren von Abraham Lincoln. Forest Lawn gehört zu einer Kette von insgesamt sechs Friedhöfen in Südkalifornien, die von der Forest Lawn Memorial Park Association betrieben werden. Der Gründer der Anlage, Dr. Hubert Eaton, war überzeugt davon, dass die meisten Friedhöfe "hässliche, deprimierende Steinwüsten" seien und hat deshalb aufrecht stehende Grabsteine untersagt. Es gibt deshalb auch nur wenige Gruften.

Ein Umstand, der Jackson-Fans nicht gerade entgegen kommen dürfte. Außerdem sind laut Friedhofsregeln nicht mehr als drei Gegenstände auf einem Grab erlaubt - seien es Blumen, Vasen oder Kerzen. Fotos und Devotionalien von tausenden von Fans sind nicht vorgesehen. Es ist kaum vorstellbar, dass die letzte Ruhestätte des legendären King of Pop nur aus einer kleinen, in den Rasen eingelassenen, Marmorplatte besteht.

Die beste Lösung für Fans und Familie hat das kalifornische Gesetz verhindert. Die Jacksons wollten Michael auf Neverland beisetzen. Die Ranch hätte zur Pilgerstätte mit ausreichend Platz für tausende von Besuchern täglich ausgebaut werden können und hätte sich durch Ticketeinnahmen selbst getragen. Leider verbietet Artikel drei, Abschnitt 7100-1003, des kalifornischen Gesetzes die Beisetzung außerhalb von öffentlichen Friedhöfen. Nur mit einer Sondergenehmigung, die allerdings an zahlreiche Auflagen geknüpft ist, sind Bestattungen auf Privatgrundstücken erlaubt. Doch für das langwierige Verfahren durch die Instanzen hatte die Familie offenbar weder Kraft, noch Zeit.

Deshalb wird Michael Jackson am Dienstag nicht nach Neverland heimkehren, sondern seine letzte Ruhe auf Forest Lawn finden, wo bereits seine Großmutter beigesetzt wurde.