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Reportage: Goodwood Revival: Zeitreise

Schon Obelix hat gewusst: »Die spinnen, die Briten«. In Goodwood spinnen die Briten alle Jahre wieder auf sympathische Art: Beim bekanntesten Oldtimer-Rennen der Welt und ganz im Stil der goldenen Jahre des Motorsports.

Seit zehn Jahren lädt der motorsportbegeisterte Earl of March and Kinrara, besser bekannt als "Lord March", immer Mitte September auf seinem riesigen Anwesen im Süden Englands zum Goodwood Revival. Das ist mittlerweile das wohl beliebteste historische Motorsport-Event der Welt.

Wer einmal dort war, der weiß warum: Er erlebt ein riesiges Freiluft-Spektakel. Drei Tage lang eine Mischung aus Motorsport und Oldtimertreffen, aus Antiquitätenhandel, Kirmes und Karneval. Das Revival will an die goldenen Zeiten des Motorsports in den 40er bis 60er Jahren erinnern - und rund 150.000 Besucher aus ganz Großbritannien reisen an. Viele von ihnen im eigenen Old- oder Youngtimer, die meisten aber zumindest angezogen und gestylt im Look der damaligen Zeit. In Goodwood sind es eben nicht nur die historischen Rennautos, die den Reiz ausmachen - es sind im mindestens gleichen Maße auch die Zuschauer selbst.

Für die meisten ist es einfach nur ein Spaß, in Knickerbocker und Tweed Jacket, in Cocktailkleid, Fliegeruniform oder Rennoverall zu schlüpfen und über das weitläufige Gelände zu flanieren. Einige allerdings gehen in ihren Rollen erkennbar auf. So kann es einem durchaus passieren, dass man plötzlich vor einer wasserstoffblondierten Marylin Monroe steht, die sich im knappen Schwarzen auf den Motorrollern aus den 60er Jahren räkelt. Ein paar Meter weiter sorgen Stan Laurel und Oliver Hardy vor allem bei den jungen Besuchern für viel Spaß. Aus einer Tür taucht ein Mädchen auf, das mit Pferdeschwant, Halstuch, Petticoat und Stöckelschuhen wie frisch aus einem Peter Kraus-Film scheint.

Soviel Stil muss sein

Mit Ledermontur und -kappe, eine Ukulele auf dem Rücken und einem altertümlichen Motorrad mit Karo-Anstrich unter sich knattert der leibhaftige "Speed Demon" durch das Gelände. Neben dem ganzen Gewusel ruht sich ein Brite in Großwildjäger-Kluft mit Tropenhelm breitbeinig hingefläzt zwischen den Frontscheinwerfern seines Safariwagens aus. Und weil die Briten zudem ein, nennen wir es mal: "entspanntes", Verhältnis zum Zweiten Weltkrieg haben, marschiert nur wenig weiter ein kleiner Trupp ziemlich betagter Freizeitsoldaten in Original-Uniform und mit geschulterten Gewehren im Gleichschritt auf.

Die durchweg renomierten Sponsoren machen bei dem Spektakel nur zu gerne mit. BMW etwa hat nicht nur eine kleine Restaurierungswerkstatt aus Wellblech aufgebaut mit ein paar stilecht rostigen Oldtimern darin, sondern auch gleich einen Hauch Oktoberfest mitgebracht: An den Brauereitischen servieren Kellnerinnen im Dirndl Paulaner Bier und frischen Leberkäs mit süßem Senf.

Und über allem liegt das ständige Dröhnen der Motoren auf der Rennstrecke und im Fahrerlager. Im Paddock stehen - säuberlich nach Marken und Baujahr aufgereiht - so ziemlich alle Rennwagenmodelle, die es zwischen 1948 und 1966 gegeben hat. An die 300 Millionen Euro Wert sind hier beisammen, schätzt ein Offizieller. Und jeder kann ganz nah ran, kann anfassen und riechen, kann das Material fühlen und den Schweiß rinnen sehen, wenn die Mechaniker (natürlich auch in historischen Overalls) versuchen, mit diffiziler Schraubarbeit fürs Rennen das letzte aus den Motoren heraus zu kitzeln. Wer allerdings in Jeans kommt und nicht mindestens Schlips oder Fliege trägt, der wird von den höflichen aber gestrengen Torwächtern gar nicht erst ins Fahrerlager eingelassen - so viel Stil muss sein.

Vom Flugfeld zur Rennstrecke

Goodwood, so seine Fans, "ist die spirituelle Heimat des britischen Motorsports". Der hat hier eine lange Tradition. Ende der 30er Jahre hatte der Großvater des jetzigen Lord March, ebenfalls ein begeisterter Rennfahrer, der britischen Luftwaffe Land für einen Ausweichflugplatz der Royal Air Force (RAF) zur Verfügung gestellt. Wegen des nassen Bodens wurde eine Ringstraße zunächst aus Beton und dann aus Asphalt angelegt. Schon damals nutzten ein paar RAF-Offiziere die Strecke immer wieder für private Autorennen.

Als nach dem Weltkrieg die Flugzeuge wieder abgezogen wurden, hörte der Earl auf die Offiziere und ließ den Rundkurs zur Rennstrecke umbauen - zum Goodwood Circuit. Das erste Rennen, das Stirling Moss gewann, fand am 18. September 1948 statt. In den folgenden Jahren wurden hier bis 1966 zahlreiche offizielle Rennen ausgetragen bis hin zur Formel 1. Die Rennstrecke ist auch heute noch originalgetreu - und somit alles andere als ungefährlich. Stirling Moss etwa beendete seine aktive Karriere hier mit einem Unfall, McLaren-Gründer Bruce McLaren kam hier 1970 bei einem Rennunfall ums Leben.

Viele Fahrer, die nun beim Goodwood Revival unterwegs sind, kennen den buckeligen Rundkurs denn auch noch aus ihrer aktiven Zeit. Jochen Mass gehört ebenso dazu wie (wieder) Stirling Moss oder - in diesem Jahr auf einem 1962 von Colin Chapman entwickelten Lotus 23 mit BMW-Motor unterwegs - der Schweizer Ex-Formel 1-Fahrer Marc Surer.

Wer in Goodwood an den Start will, der braucht aber nicht notwendigerweise eine Rennfahrerkarriere. Leidenschaft und Können reichen - und ein passendes Auto. Entsprechend gemischt ist das Starterfeld. In ein und dem selben Rennen kämpfen so nicht nur Altmeister wie Jochen Maas, Richard Attwood, Henri Pescarolo, Jackie Oliver, Marc Surer oder Rauon Aaltonen verbissen und ohne Rücksicht auf ihre fahrbaren Vermögensanlagen um die Plätze. In seinem 1952er Jaguar Mk VII jagt auch der eingefleischte Rennfan "Mr. Bean" Rowan Atkinson ums Feld - mit deutlich mehr fahrerischem Können als in seinem Film-Mini. Und mit Stirling Moss als Co-Pilot.

Der ist am Tag zuvor gerade 79 geworden.

Jürgen Wolff, Goodwood / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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