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"Die Michael Schumacher Story": 25 Jahre nach dem ersten WM-Titel – wie Schumi zum größten deutschen Rennfahrer wurde

Am 13. November jährte sich Michael Schumachers erste Formel-1-Weltmeisterschaft zum 25. Mal. RTL widmet einer der denkwürdigsten Saisons der Renngeschichte eine Dokumentation – und die kann einem die Tränen in die Augen treiben. 

Michael Schumacher

Michael Schumacher während der Saison 1994 – später wird er seinen ersten Formel-1-Weltmeistertitel gewinnen

Seit etwas über einer Woche ist klar: Lewis Hamilton ist noch vor Ende der Saison 2019 Weltmeister – zum sechsten Mal. Der Brite hat bereits zahlreiche Rekorde gebrochen, doch einer hat bislang noch immer die charakteristische Nase vorn: Michael Schumacher. Der deutsche Nationalheld aus Kerpen hat nicht nur mehr Siegertreppchen und schnellste Runden auf dem Kerbholz, sondern hält vor allem den Rekord der meisten Weltmeistertitel - sieben. 

Den ersten dieser Titel fuhr Schumacher, der international als einer der besten Rennfahrer aller Zeiten anerkannt wird, bereits 1994 ein. Genauer: Am 13. November 1994, also heute vor 25 Jahren. Die Umstände unter denen "Schumi" sich den Titel holte und die Saison, die dem riesigen Erfolg des Benetton-Teams unter Flavio Briatore voranging, waren so denkwürdig, dass RTL, der Haus- und Hof-Sender der Formel 1 in Deutschland, ihnen eine eigene Dokumentation widmet – "Die Michael Schumacher Story". Und ohne jetzt unnötig zu übertreiben, aber die Autorin dieser Zeilen hat am Ende geweint.

Kerpen wird Weltmeister

Sie alle seien an diesem Tag Weltmeister geworden, erzählt Reiner Ferling, Vorsitzender des Schumi-Fanclubs in Kerpen, während er auf einem etwas in die Jahre gekommenen Sofa inmitten von Schumacher-Memorabilia sitzt. "Michael hat ihn gefahren, aber wir haben uns alle als Weltmeister gefühlt." Die Meisterfeier in Kerpen, zu der gefühlt die ganze Gemeinde anreiste, war der Höhepunkt einer Saison, die dramatischer, spannender, aber auch tragischer nicht hätte sein können. 

"Die Wahrheit ist, wir hatten damals kein Geld, um einen guten Fahrer anzuheuern. Einen Weltmeister, einen Star. Die haben uns doch alle ausgelacht. Deshalb mussten wir uns nach einem Talent umschauen", erzählt Flavio Briatore über die Entscheidung, Michael Schumacher in seinen Wagen zu setzen. Doch wenn sie den jungen Kerpener im Auto gesehen hätten, sei ihnen das Lachen schnell im Halse stecken geblieben. Denn Schumi zeigte sofort, dass Rennen fahren für ihn mehr war, als nur ein Job. Es war sein Leben, seine Obsession: "Ich konnte ihn jederzeit anrufen und fragen, ob er das Auto testen kann. Er kam immer." Und während sie von einigen Seiten belächelt worden seien, habe es einen gegeben, der das Talent Schumis und die Gefahr, die von ihm ausging, sofort erkannt habe: Ayrton Senna. Der Brasilianer, der zu diesem Zeitpunkt bereits dreifacher Weltmeister war und es vermutlich noch ein paar Mal geworden wäre, hätte ihn der Sport nicht das Leben gekostet.

Ayrton Senna (r.) und Michael Schumacher

Waren sich nicht immer einig und doch in Respekt vereint: Michael Schumacher (l.) und Ayrton Senna

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Wie Imola 1994 Michael Schumacher für immer prägte

Das Wochenende des Italien-Grand-Prix 1994 veränderte die Formel-1-Welt nachhaltig. Seit zwölf Jahren hatte es keinen Toten mehr auf der Strecke gegeben – bis zum 30. April 1994. An diesem Tag verunglückt der Österreicher Roland Ratzenberger schwer. Nur einen Tag vorher war Rubens Barrichello bei einem schweren Unfall im Training mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Fahrer, ihre Teams und auch die Fans sind schockiert – ist die Strecke zu gefährlich? Der damalige F1-Chef Bernie Ecclestone tat die Bedenken ab, das Rennen startete trotzdem. In der siebten Runde kam Senna von der Strecke ab, rammte mit knapp 211 Stundenkilometern die Mauer. Ein Teil der Vorderradaufhängung brach ab, durchschlug sein Helmvisier und traf das Wunderkind des Motorsports tödlich am Schädel. Schumacher, unwissend ob der Umstände, gewann das Rennen. Heute sagt Ecclestone: "Senna und Schumacher sind die beiden, an die man sich für immer erinnern wird." Und er hat Recht.

Sennas Unfall habe Schumacher schwer getroffen, so Briatore in der Dokumentation. Michael habe sogar überlegt, seinen Helm an den Nagel zu hängen. Schließlich entschied er sich dagegen, stand zum nächsten Rennen wieder in der Startaufstellung – kämpfte jedoch den Rest seiner Karriere lang für größere Sicherheit im Rennsport. Eine hörte allerdings nie auf, sich um den großen Michael Schumacher und auch seinen kleinen Bruder Ralf, der ebenfalls Formel-1-Pilot wurde, zu sorgen: Elisabeth Schumacher. Die Mutter der rasenden Brüder erzählt in Archiv-Aufnahmen: "Einmal habe ich morgens um sechs meinen Fernseher angemacht und sehe, wie mein Sohn gerade gegen eine Wand fährt. Da habe ich natürlich einen zu viel gekriegt." Auch ein Grund, weshalb sie nie bei Rennen dabei sei.

Der steinige Weg zur ersten Weltmeisterschaft

Wer jedoch glaubt, dass die Saison nach Imola nicht mehr an Dramatik hätte gewinnen können, liegt falsch. Während Schumacher drei der vier folgenden Rennen gewann, wartete der Ärger nur darauf, den jungen Fahrer und sein ebenso junges Team wieder einzuholen. Eine Disqualifikation beim Großen Preis von Großbritannien und der Ausschluss von mehreren Rennen sorgten dafür, dass Rivale Damon Hill  zum letzten Rennen der Saison in Adelaide bis auf einen Punkt an Schumacher herangerückt war. Und während der geneigte Zuschauer ja eigentlich schon weiß, was jetzt kommt, kann man nicht anders, als ein bisschen nervös zu werden und leise in die "Weltmeister wird nur der Mischaäll"-Gesänge der Kerpener Fans einzustimmen – und als Schumacher schließlich wie durch ein Wunder wirklich noch Weltmeister wird und seinen Sieg dem verstorbenen Ayrton Senna widmet, eine kleine Träne zu verdrücken.

Corinna und Michael Schumacher mit Frauke Ludowig

"Diese Frau fasziniert mich jeden Tag", soll Michael Schumacher seinem Jugendfreund Leo Stein eines Tages über Ehefrau Corinna (l., rechts Frauke Ludowig) gesagt haben

"Die Michael Schumacher Story" erzählt die Geschichte des größten deutschen Rennfahrers so, wie RTL Formel 1 nun einmal macht: mit viel Emotion. Wer jetzt allerdings Boulevard-Journalismus erwartet, ist schief gewickelt. Denn abgesehen davon, dass die Bilderbuch-Ehe zwischen Michael und Corinna Schumacher nicht besonders viel Drama hergibt, konzentrieren sich die Macher der Dokumentation auf das Wesentliche, den Sport. Und so kommen neben Flavio Briatore und Bernie Ecclestone auch weitere Legenden wie Damon Hill, Jochen Mass, Schumi-Bruder Ralf, Sebastian Vettel. Ross Brawn und – als besonderes Schmankerl – Heinz-Harald Frentzen, der Mann mit dem uncoolsten Rennfahrer-Namen der Welt, zu Wort. 

Und am Ende haben wir nicht nur einen weiteren Einblick in eine der aufregendsten Perioden der Formel 1, sondern auch weiteren Respekt für den größten deutschen Rennfahrer gewonnen, dessen Worte "Die Sicherheitsvorschriften sind so hoch, ich wüsste nicht, wieso man da irgendwelche Bedenken haben sollte", ausgesprochen am Imola-Rennwochenende 1994, inzwischen, 25 Jahre später, doppelte Tragik gewonnen haben.