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"Bauer sucht Frau": "Eier, wir brauchen Eier"

Gähnende Langeweile auf dem Bauernhof. Doch RTL kann sich die ländliche Tristesse, die sich bei "Bauer sucht Frau" eingestellt hat, erlauben: Die Quoten sind überragend und der wahre Hype findet längst außerhalb der Sendung statt. Ein Blick über den Fernseherrand.

Von Katharina Miklis

Sie waren ganz normale Landwirte. Jetzt heißen sie "einsamer Biobauer", "singender Schäfer" oder "gemütlicher Getreidebauer" und befinden sich inmitten der Vorhölle des TV-Trash. Moderatorin Inka Bause lässt die neun Teilnehmer von "Bauer sucht Frau" seit sechs Wochen mit aufgesetzter Fröhlichkeit durch den brennenden Reifen der Fernsehunterhaltung springen. Und das schadenfrohe Publikum freut sich, wenn sich jemand verbrennt. Davon lebt die Freakshow: Je doller die Bauern schmoren, desto besser. Mehr oder weniger über Nacht sind die neun Landwirte, die auf der Suche nach Liebe waren, zu Hauptakteuren einer Realsatire geworden, in der sie sich selbst spielen - und keine Chance haben: Das Drehbuch ist vom Sender längst vorgegeben. Und darin ist nicht viel Platz für Happy Ends.

Wie RTL mit den Bauern Heu macht

In Folge sechs scheint das Drehbuch kurz und knapp ausgefallen zu sein: "Haben mit den dummen Bauern schon genug Heu gemacht. Jetzt bloß nicht mehr ackern, Kollegen. Der ulkige Schäfer soll nochmal sein Lied singen und: Eier, wir brauchen Eier. Der Hansi soll ein paar davon trinken. Roh. Hat was von "DSDS" und "Dschungelcamp" - die Leute werden es lieben. Klappe und Ende". Und genauso war's. Damit wenigstens ein paar Tränen kullern, durfte der "romantische Schwarzwälder" Frank seinem aufgedrückten Namen alle Ehre machen und "seine" Claudia zum Abschied mit roten Rosen und einem rührenden Liebesgeständnis überraschen. Und Schäfer Heinrich sollte so tun, als hätte er mit "die Anja" etwa Spaß im Heu - klappte nicht. Mehr passierte nicht. Doch das ist halb so schlimm. Die Quoten der Bauernblödelei sind mittlerweile so überragend, dass es dem Sender egal sein kann, wenn die Zuschauer vor dem Fernseher einschlafen - sie schalten nächste Woche sowieso wieder ein. Und der eigentliche Hype findet schon längst außerhalb der Sendung statt.

Privatleben an der Stalltür abgegeben

Gestern noch ganz allein mit sich selbst, den Tieren und höchstens noch Mutti beschäftigt, stehen die unbedarften Bauern plötzlich im Interesse von über acht Millionen Zuschauern. Der "rüstige Hühnerwirt" Hansi findet sich splitternackt auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung wieder, auf der in großen Lettern steht, dass die Ehe des 71-Jährigen an seiner FKK- und Alkohol-Sucht zerbrach. Dass Uwe, "der ehrliche Rinderwirt", 46, in seinem ganzen Leben noch keinen Sex hatte, ist auch kein Geheimnis mehr. Ebenso wenig wie das erbärmliche Einkommen, das dem "singenden Schäfer" Heinrich und seiner Mutter zum Leben bleibt. Mit der Teilnahme bei "Bauer sucht Frau" haben die Landwirte ihr Privatleben an der Stalltür abgegeben und jetzt müssen sie sehen, wie sie damit klarkommen.

Die einen stecken das gut weg. Wie Günne, der "sportliche Milchbauer". Kaum war das RTL-Team samt der Auserwählten, Evelyn, weg, krallte er sich seine Nachbarin. Wo die Liebe hinfällt, wird eben nicht von einer TV-Show vorgegeben. Die anderen Bauern haben es nicht so leicht und fallen auf das - zumeist geheuchelte - Interesse herein. Schließlich sind die Kameras mittlerweile weg und das Leben auf den Hof bei fast allen wieder sehr einsam. Ohne zu merken was passiert, stehen sie plötzlich im TV-Stall der Habgier und werden selbst gemolken. Wie der gutgläubige Schäfer Heinrich. Über Nacht wurde er zum traurigen Star der Balz-Sendung, die Landromantik vorgaukelt und nur Häme und Spott bietet. Jetzt wird der schüchterne Bauer von Dorfparty zu Dorfparty durchgereicht und darf überall mal sein Schäferlied singen. Während die Kassen der Partyveranstalter klingeln und sich schon der nächste überlegt, wie er mit Heinrich eine schnelle Mark machen kann, geht der schon wieder einsam nach Hause. Die große Liebe hat er nicht gefunden. Dafür viele falsche Freunde, die ihm jetzt einreden, er sei ein Star. In den kommenden Tagen bringt er sogar eine eigene CD heraus. Die Marketingmaschinerie läuft. Und ein bisschen Heinrich ist für alle da.