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"Fame Maker" auf Prosieben Uff, durchatmen - auch die nächste Show dürfte es in sich haben

Basti lässt den Borat-Bikini wiederaufleben, ist gut bei Gesäß und Stimme
Basti lässt den Borat-Bikini wiederaufleben, ist gut bei Gesäß und Stimme
© Willi Weber / ProSieben
Auf Prosieben wurde castingtechnisch gekuppelt, von ohrenbetäubend bis spektakulär. Altrocker mit Heliumstimme, zerstörte 90s-Klassiker, Soulröhren mit und ohne Höschen, sogar vor Zuschauern. Kurzum: ein kurzweiliger Abend zwischen Trash und Triumph.
Von Ingo Scheel

Die wichtigste Info vorweg: Stefan Raab sitzt in der Regie. Und isst Chips, befindet sich damit wohl ziemlich genau in jener Situation, in der dem Wadde-Hadde-Vordenker mal wieder eine dieser Ideen eingefallen ist, die sich gut zu Quote machen lassen: "Fame Maker". Dass Raab sich dabei ausgerechnet das abgemolkene Castingshow-Format vornimmt, spricht für seine ungebrochene Chuzpe. Umso mehr, wenn man die ersten 160 Minuten Revue passieren lässt, die in weiten Teilen durchaus zu unterhalten wussten.

Das Prinzip der Show ist so etwas wie "The Voice" auf links gedreht. Darf man dort zuhören, aber nichts sehen, darf man hier glotzen, aber bekommt erst einmal keinen einzigen Ton serviert. In der Jury mit Luke Mockridge, Carolin Kebekus und Teddy Teclebrhan drei gestandene Schlachtrosse der spontanen Publikumsüberrumpelung, ein nicht ganz unwichtiger Faktor, denn nachdem zuletzt Quoten-Dickschiffe wie "The Masked Singer" oder "Let’s Dance" in leeren Sälen stattfanden, war hier tatsächlich eine begrenzte Anzahl Zuschauer zugelassen, was dem Ganzen einen fast schon vergessenen Stimmungsfaktor beimengte. Moderiert wurde ebenfalls, obwohl Mockridges Luke das sicher auch noch mitgemacht hätte, aber so sorgte Tom Neuwirth für etwas zusätzlichen Glanz in der Hütte.

Kandidat, Glaskuppel, Buzzer

Das Prinzip im Schnelldurchlauf: Ein Kandidat erscheint, bekommt eine Glaskuppel übergestülpt, eine schalldichte, und darf dann so lange losmachen, bis sich auf ein Bimmelzeichen hin einer der drei Juroren erbarmt, zu buzzern, was in diesem Fall über eine Art Notbremsen-Vorrichtung passiert oder eben nicht. Dann endet die Nummer und nach ein wenig Smalltalk geht es wieder nach Hause. Zwölf Kandidaten soll jeder Juror in den kommenden Sendungen auf seine Seite bringen, von denen am Ende vier beziehungsweise fünf ins Finale kommen. Aber lassen wir das soweit erstmal mit den Regeln, wenden wir uns lieber dem Spektakel zu und da gab es unter der großen Käseglocke so einiges zu sehen.

Dabei hatte alles noch relativ konventionell angefangen. Chris ist in Sachen Body Positivity unterwegs, die Jury geht direkt steil. Zwei, drei Armbewegungen und ein bisschen Plautzen-Schwung reichen für ekstatisches Wow, Wow, Wow. Nachdem Luke sich hier seinen ersten Team-Kandidaten sichert, geht es Schlag auf Schlag weiter. Alexandra tanzt, als würde sie sonst im Dollhouse trainieren, tatsächlich hat die 24-Jährige jedoch bereits ein Biologiestudium hinter sich. Jetzt will sie auf der Bühne durchstarten, sollte aber vielleicht, wenn sie dabei auch weiterhin singen möchte, überlegen, ob sie das in Zukunft nicht grundsätzlich unter einer Kuppel machen sollte.

Annett Louisan, Crazy Frog, Humor

Danach kommt Valerie, eine Soul-Diva, stimmlich irgendwo zwischen Annett Louisan auf Optipect und Crazy Frog, dafür aber mit jeder Menge Humor und Attitude ausgestattet. Auch sie wird man wiedersehen, ebenso wie Moritz, den Jungen mit der Gitarre, der die richtigen Kiekser drauf hat und die passende Stimmfarbe, für seine zweite Show vielleicht aber auch einen zweiten Song parat haben sollte.

Die besten Momente hat die Show immer dann, wenn die Jury rätselt, ob man der Optik trauen kann, ob die Stimme so gut ist wie die Performance, die Töne so gut sitzen wie die Tanzschritte. Zuweilen sehr komisch auch die Versuche der drei, das Lied des jeweiligen Kandidaten anhand von Tanztempo, Lippenbewegungen und Armgeschlacker zu erraten. Bei Nina wittert Carolin Kebekus eine Schlagernummer, weswegen sie verzichtet, und tatsächlich: Die Hamburgerin schmettert irgendwas mit 'Otisjento' im Refrain, feinster Fernweh-Schmalz zwischen Roberto Blanco und Andrea Berg.

Carolin nennt sich Kage, erinnert an Frida Gold und bringt ein Stück von Beyoncé ziemlich passabel. Joachim steht auf Springreiten, sieht aus, als würde er "Billie Jean" performen, verhackstückt tatsächlich aber "Beast Of Burden". Michelle hat sich ihre eigene Lightshow auf einem Elektrokleid mitgebracht, Lou ist Sexual-Therapeutin, was Luke und Teddy mehr interessiert als ihre Version von "Open Your Eyes". Bei Satina, Karina, Martina gibt es ein paar Verständigungsprobleme mit dem Namen, auch stimmlich ist bei ihr nicht viel zu holen. Aber irgendwie ist da jene Trash-Magie, die aus ihrem wunderbar hingestümperten Klassiker von Eiffel 65, in der Zugabe sogar mit Luke zusammen, eben doch einen Gassenhauer macht, der das Dach kurzzeitig zum Wackeln bringt: "I’m blue, dabbel-di, dabbel-die", und immer nochmal das Ding. Das war nichts weniger als "geil, geil, geil".

Vati, Helium, Borat-Bikini

Danach kam mit Gerry ein Altrocker, der aussah, als hätte dieser Typ aus der Edeka-Werbung eine Wette verloren und sich zur Strafe von BossHoss einkleiden lassen. Während die Tochter am Rand mitfiebert, entpuppt Vati sich jedoch weniger als Steppenwolf, sondern klingt eher nach einer Überdosis Helium. Eine Prise Wiedergutmachung mit einer Lindenberg-Kopie und schwupps, wird sich Teddy mit ihm im Team etwas einfallen lassen müssen. Basti lässt den Borat-Bikini wiederaufleben, ist gut bei Gesäß und Stimme, auch Camouflage-Kevin zeigt nackte Haut. Niko hat nicht nur die längsten Kunsthaare zu bieten, sondern zudem genau jenen Stoßseufzer als Künstlernamen, der einem am Ende, nachdem Larissa noch ihre halbe Bielmann-Pirouette gezeigt, Michael von der Straßenmusik und Saman von Beatbox und Glaube geschwärmt hat, entfährt: Uff!

In diesem Sinne: Erstmal durchatmen. Auch die zweite Show dürfte es in sich haben.


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