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"Girls" und "Misfits" auf ZDFneo Zur falschen Zeit am falschen Ort


In den USA erlangte die TV-Serie Kultstatus. Am Wochenende lief "Girls" auch in Deutschland. Weil ZDFneo alle zehn Folgen an zwei Abenden wegsendete, schaltete kaum jemand ein. Nicht zum ersten Mal.
Von Carsten Heidböhmer

Lag es an der späten Sendezeit? Am falschen Wochentag? War es der falsche Kanal? Oder funktionieren US-Serien in Deutschland einfach nicht? Fakt ist: Die hochgelobte US-Serie "Girls" ist in Deutschland quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgestrahlt worden.

"Girls" erzählt aus dem Leben der jungen New Yorkerin Hannah Horvath (Lena Dunham) und ihrer Freundinnen. Das ZDF entschied sich dagegen, die Serie im Hauptprogramm auszustrahlen und schob die Staffel in den Spartenkanal ZDFneo. Was im Prinzip hätte funktionieren können. Andere Serien wie "Mad Men" oder "The Big C" laufen dort auch mit überdurchschnittlichem Erfolg.

Kaum Zuschauer

Allerdings zeigte ZDFneo die komplette Staffel an zwei Abenden. Und das auch noch an einem (Sommer-)Wochenende. Die ersten fünf Folgen liefen am Samstagabend ab 22 Uhr - zu einer Zeit, wenn Hannah Horvath und ihren Freundinnen ganz sicher nicht vor dem Fernseher gesessen hätten.

Das Resultat dieser Programmierung war - leider - erwartbar: Lediglich 110.000 Menschen wollten die Folgen am Samstag sehen, was einem Marktanteil von 0,6 Prozent entspricht. Am Sonntag waren es noch weniger: Nur noch 80.000 Zuschauer (0,4 Prozent Quote) schalteten die letzten fünf Folgen ein. Damit wurde der Marktanteil des Senders (2012: 0,6 Prozent) deutlich unterboten. Und das, obwohl die Serie vom ZDF beworben und in vielen Zeitungen und Magazinen besprochen wurde.

Es gibt auch andere Beispiele

Ähnlich erfolglos lief zwei Wochen zuvor schon die Ausstrahlung der sehenswerten britischen Serie "Misfits". ZDFneo strahlte die beiden ersten Staffeln der Reihe an zwei Wochenenden aus, das Ergebnis fiel mit 110.000 Zuschauern und 0,6 Prozent Marktanteil (1. Staffel) sowie 70.000 Zuschauern und 0,5 Prozent Marktanteil (zweite Staffel) ähnlich ernüchternd aus. Dabei weisen die Geschichten über straffällige Jugendliche mit Superkräften alles auf, was eine gute Serie haben muss: Sie sind spannend, intelligent, humorvoll. Und hätten auf jeden Fall viel mehr Zuschauer verdient. Mögen die Deutschen einfach keine anglo-amerikanischen Serien?

Es gibt viele Beispiele dafür, dass US-Serien in Deutschland durchaus auf Interesse stoßen. Die hochgelobte Produktion "Homeland" bescherte Sat.1 hervorragende Quoten. ProSieben kann mit Erfolgsreihen wie "The Big Bang Theory" oder "How I Met Your Mother" sogar die ganze Woche zupflastern. Daran lag es also nicht.

"Magic City" war ein Erfolg

Es liegt noch nichtmal an dem Sender. Dass Serien bei richtiger Ansetzung auch in einem Spartenkanal funktionieren können, bewies ZDFneo kürzlich mit der Ausstrahlung der neuen Serie "Magic City". Mit Zuschauern weit über der 200.000er Marke und einem Marktanteil von mehr als einem Prozent war die Reihe über ein Luxushotel in Miami in den späten 50er Jahren überdurchschnittlich erfolgreich.

Was hat der Sender da anders gemacht? Vor allem zwei Punkte: Die Produktion lief an einem Mittwochabend. Zwar ähnlich spät, aber immerhin an einem Wochentag. Wenn jüngere, serienaffine Zuschauer tendenziell eher zu Hause sind als am Wochenende. Und auch der zweite Unterschied scheint wichtig: ZDFneo strahlte die Folgen als Serie aus. So wie es auch gedacht war. Beim Publikum kam das an.

Vielleicht auch deshalb gibt ZDFneo "Girls" eine zweite Chance: Ab sofort strahlt der Sender jeden Dienstag zwei Folgen aus. Vielleicht bekommen die Zuschauer wenigstens in der Wiederholung das richtige Serienfeeling.


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