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"House of Saddam": Bei Schlächters zu Hause

Tyrannei zwischen Shakespeare und Gangsterfilm: Der britische Sender BBC zeigt in einer vierteiligen Soap den Aufstieg und Fall von einem der grausamsten Diktatoren unserer Zeit: Saddam Hussein. Die Hauptrolle spielt ausgerechnet ein Israeli, der fast einmal von Saddam umgebracht wurde.

Es geschah während des zweiten Golfkrieges 1991. Mitten in der Nacht ließ Saddam Hussein Raketen auf Tel Aviv abfeuern. Eine landete nur 50 Meter vom Haus des israelischen Schauspielers Igal Naor entfernt. Er nahm seine Kinder, ein paar Gasmasken und rannte um sein Leben. 17 Jahre später spielt Naor in einer BBC-Serie den Mann, der fast sein Leben und das seiner Familie zerstört hätte.

Ab heute Abend läuft beim britischen Sender BBC Two ein vierteiliges Drama über den Aufstieg und Fall des irakischen Diktators: "House Of Saddam". Die Co-Produktion der BBC und des US-amerikanischen Senders HBO beginnt im Jahr 1979, in dem Hussein die Macht als Staats- und Regierungschef übernahm und endet 2006 mit seiner Exekution. Dazwischen liegt eine 24-jährige Amtszeit, in der Saddam Hussein seinen Opfern die Augen ausstechen, die Nase oder Lippen abschneiden ließ. Ein Tyrann, der mit eiserner Hand regierte und den Irakern stets ein Fremder blieb.

Hussein-Clan erinnert an die Corleone-Familie aus dem "Paten"

Zwei Jahre lang haben Regisseur Alex Holmes und sein Team Saddams Leben recherchiert, wollten nicht nur die Brutalität des Diktators, sondern auch seine Ängste, Sorgen und seine Schwächen zeigen. Holmes sprach mit Zeugen, Verbündeten, Gegnern, Bodyguards, Palastangestellten und Freunden aus Kindertagen. Heraus kam ein Stoff mit Qualitäten eines Shakespeare-Stückes oder eines Gangster-Dramas, so Holmes gegenüber der BBC.

Der Trailer zur vierteiligen Soap stellt den Hussein-Clan wie die Corleone-Familie aus dem "Paten" vor. "Ehrgeiz, Gewalt, Ehre, Misserfolg, Tragödie - alle Elemente eines Dramas stecken in der Saddam-Serie", so Regisseur Holmes. Es gibt keine Ausschmückungen, keine Übertreibungen - die Realität ist extrem genug. Nicht nur Saddams sadistischer, rebellischer Sohn, seine glamouröse Ehefrau und das luxuriöse Leben mit Intrigen und Affären in opulenten Palästen bieten genug Stoff für die kuriose Mini-Serie. Eine Verfilmung in Form eines Dramas sah Holmes als "einzigen angemessenen Weg, die Komplexität seines Wesens zu durchleuchten, mit dem so viele Irakis eine ambivalente Beziehung zwischen Respekt und Abscheu pflegten". Dabei will Holmes bei den Zuschauern keine Sympathien erwecken, sondern Verständnis.

Zwölf Wochen lang wurde in Tunesien gedreht. Der israelische Darsteller Igal Naor, der unter anderem in Steven Spielbergs Film "München" über den Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 zu sehen war, sieht sich als idealen Saddam. "Das ist mein Gebiet, mein Umfeld aus Krieg und Blut". Saddam Hussein bleibt für ihn "abscheulich, blutrünstig und grausam - aber irgendwie auch ein tragischer Held". BBC Two zeigt "House Of Saddam" heute um 21 Uhr im englischen TV. Ob und wann die Serie in Deutschland ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.

kmi

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