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Momente der TV-Geschichte "Ich bin nur ein kleiner Sänger" - als Andreas Kümmert vom ESC zurücktritt

Barbara Schöneberger und Andreas Kümmert stehen beim ESC-Vorentscheid 2015 auf der Bühne.
Barbara Schöneberger hakt irritiert nach: Gerade hat Andreas Kümmert bekannt gegeben, von seinem Sieg beim ESC-Vorentscheid 2015 zurückzutreten.
© Malte Ossowski/SVEN SIMON/ / Picture Alliance
Er war der haushohe Sieger: Andreas Kümmert gewinnt 2015 den deutschen Vorentscheid zum ESC in Wien. Doch in der Live-Show sorgt er mit seiner Absage für einen Eklat. Erst viel später erklärt er sich.

Andreas Kümmert. Der Name ist bis heute verbunden mit einem denkwürdigen Abend in der deutschen Fernsehgeschichte. Am 5. März 2015 bewirbt er sich mit seiner Teilnahme in der Live-Show "Unser Song für Österreich" für den Eurovision Song Contest in Wien. Kümmert gewinnt mit "Heart of Stone" haushoch, erhält fast 80 Prozent der Zuschauerstimmen. "Bist du bereit, den Song nochmal zu singen?", fragt Moderatorin Barbara Schöneberger. Dann passiert es. Mit den Worten "Ich möchte kurz was dazu sagen", leitet der damals 28-Jährige einen der größten Skandale des deutschen Vorentscheids ein.

"Ich bin überwältigt von Euch, von Deutschland", sagt Kümmert auf der Bühne der TUI-Arena in Hannover ins Mikrofon. Und dann kommt es: "Ich bin im Moment nicht in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen." Rumms. Selbst die sonst schlagfertige Schöneberger kann kaum glauben, was sie da gerade gehört hat. "Du sagst uns jetzt, du möchtest nicht nach Wien fahren?", hakt sie nach und probiert sogar, ihn mit Hilfe des Publikums umzustimmen. "Tut mir leid", antwortet Kümmert kleinlaut. "Ich bin nur ein kleiner Sänger."

Die Entscheidung löst ein geteiltes Echo aus. Während die einen in Kümmert einen Feigling wittern, loben die anderen ihn für seinen Mut, nein zu sagen. Vor allem über die Beweggründe des Sängers, der durch die Castingshow "The Voice of Germany" bekannt geworden war, wird wild spekuliert. Kümmert schweigt und wird in sozialen Meiden übel beschimpft und bedroht. Erst viel später erklärt er sich, gibt an unter Angstzuständen und Panikattacken zu leiden und deswegen in therapeutischer Behandlung zu sein.

Barbara Schöneberger entscheidet ESC-Vorentscheid im Alleingang

Kümmerts Absage hat weitreichende Folgen. Viele hatten ihm und seinem Song für den ESC in Wien eine gute Platzierung zugetraut. Am Ende entscheidet Barbara Schöneberger quasi im Alleingang, dass die Zweitplatzierte Ann-Sophie Dürmeyer Deutschland beim Grand Prix in Österreich vertritt. Die Sängerin, die durch eine Willd Card ins Finale des Vorentscheids eingezogen war, ist nach der Absage Kümmerts den Tränen nahe. "Wollt ihr das überhaupt?", fragt sie verängstigt ins Publikum. Noch ehe jemand antworten kann, ruft Schöneberger dazwischen: "Ja, das wollen sie."

Mit dem Makel der Zweitplatzierten fährt Ann Sophie nach Wien. Dort erhält sie mit "Black Smoke" keinen einzigen Punkt und wird Letzte. Es ist das bittere Ende eines Debakels.

mai

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