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Netflix-Hit "Ozark": Eine schreckliche Serie für nette Familien

In seinem neuen Prestige-Projekt schickt Netflix die Hollywood-Veteranen Jason Bateman und Laura Linney einmal durch die Ehehölle: "Ozark" kommt so trist und schonungslos daher, dass man nicht wegschauen kann.

Läuft nicht bei Marty Byrde. Gerade erst ist dem Finanzberater ein Privatporno in die Hände geraten, in dem sich seine Frau Wendy mit ihrem Liebhaber vergnügt. Und jetzt geraten auch noch die illegalen Geschäfte außer Kontrolle: Der Boss des mexikanischen Drogenkartells, für das Marty seit Jahren Geld wäscht, ist sauer. Er fühlt sich von Marty und seinen Kollegen um ein paar Milliönchen betrogen. Also rollen einige Köpfe - und Marty rettet seinen eigenen nur dank des kruden Vorschlags, mit seiner Familie von in die Ozarks umzusiedeln und von dort eine halbe Milliarde zu waschen. Die Schonfrist läuft an und die Story nimmt Fahrt auf.

Diese Serie stopft viele Zutaten des modernen Serienfernsehens in den Mixer: Natürlich erinnert "Ozark" auf den ersten Blick an "Breaking Bad". Schließlich wird die Geschichte eines Familienvaters erzählt, dessen Abwege mit Drogengeld gepflastert sind. Der schwarze Humor und die routiniert aufpoppenden Wendungen stehen in der Tradition vieler -Thriller. Und der düster-blaue Filter, der sich hier wie ein Leichentuch über das Hinterland von Missouri legt, verleiht der Show streckenweise eine mysteriöse Atmosphäre, die an "Twin Peaks" erinnert. Die Kulisse der Ozarks, dieser bei Touristen beliebten Hochlandregion im mittleren Westen der USA, mutet dabei in der gottverlassenen Weite ihrer Seen und Wälder so beeindruckend wie bedrohlich an.

"Ozark": Thriller und brandaktuelle Sozialkritik

Aber "Ozark" ist nicht nur Thriller, sondern auch brandaktuelle Sozialkritik. Marty fällt in der Provinz ein mit der Überzeugung, den Hinterwäldlern und Rednecks einen vom Pferd erzählen zu können. Doch so dumm, wie er glaubt, ist die Unterschicht vom Lande dann doch nicht. Vor allem sollte man sie nicht unterschätzen. Die Arroganz und Ignoranz der urbanen Mittelschicht gegenüber den Vergessenen - und deren daraus resultierende Protestreaktion - spiegelt hier genau die explosive Gemengelage wider, die den Präsidenten Donald Trump erst möglich gemacht haben. Die Kniffe, mit denen dieser Kulturkampf hier erzählt wird, sind so entlarvend wie unterhaltsam.

Davon abgesehen ist "Ozark" streckenweise von niederschmetternder Tristesse. Wer die langjährigen Hollywood-Veteranen Jason Bateman und Laura Linney als Marty und Wendy dabei beobachtet , wie sie mit aufgerissenen Augen und starrem Blick (Marty) über die Trümmer ihrer Ehe stolpern und sich dabei in fatalistischen Überreaktionen verzetteln (Wendy), dem dürfte sein eigenes "In guten wie in schlechten Zeiten" auch rückwirkend noch kurz im Halse stecken bleiben.

In der neuen Heimat konzipieren die Byrdes ihre als Zweckgemeinschaft, sehr zum Leidwesen der pubertierenden Kinder Charlotte und Jonah. Außer der eigenen Haut ist für das entzweite Paar eigentlich nicht mehr viel zu retten - und der Geduld, die der Drogenboss für sie aufbringt, sind enge Grenzen gesetzt. Die einzige Hoffnung bietet ausgerechnet die wachsende kriminelle Energie, die sie zum Überleben benötigen. Können sich die Byrdes womöglich als "partners in crime" neu erfinden? Ob sich die Macher diese Pointe trauen, kristallisiert sich zunehmend als entscheidende Frage heraus.

Nicht grandios, aber überzeugend

Am Ende einer zwar nicht grandiosen, aber überzeugenden ersten Staffel ist "Ozark" also in erster Linie als Familiendrama zu bezeichnen, das weit entfernt von der heilen Welt spielt. Nicht unbedingt qualitativ oder stilistisch, aber in ihrer Kaputtheit stehen die Byrdes damit in der langen Tradition so unterschiedlicher wie degenerierter Seriensippen: den Sopranos, den Whites, oder auch den Bundys. 

Der große Unterschied: Die Bundys waren "eine schrecklich nette Familie" - "Ozark" ist dagegen in seiner Schonungslosigkeit eine geradezu schreckliche Serie für jede nette Familie.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo