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"Polizeiruf 110" aus Rostock: Der Mann ohne Gedächtnis hat ein reales Vorbild

Der Rostocker "Polizeiruf 110" drehte sich um den IT-Angestellten Max Schwarz, der alle Erinnerungen verloren hatte. Die Figur hat ein reales Vorbild: den Piano-Mann.

Max Schwarz (Christian Friedel) ist verwirrt und kann sich an nichts erinnern

Max Schwarz (Christian Friedel) ist verwirrt und kann sich an nichts erinnern

8,55 Millionen Zuschauer wollten am Sonntagabend die aktuelle Rostocker "Polizeiruf"-Folge sehen. Im Mittelpunkt stand Max Schwarz (Christian Friedel), IT-Angestellter eines Energie-Konzerns, der seinen Arbeitgeber erpresst hat, anschließend aber mit dem Auto verunglückte und sich seither an nichts aus seinem Leben erinnern kann. Weder weiß er seinen Namen, noch erkennt er seine Frau. Schwarz wird deshalb in der Klinik behandelt, wo ihn auch die Rostocker Ermittler aufsuchen. Wobei Bukow (Charly Hübner) ihm seinen Gedächtnisschwund nicht glauben will. Er vermutet, Schwarz täusche die Amnesie nur vor, um sich vor Straverfolgung zu schützen. Denn der IT-Mann ist der Hauptverdächtige in einem Mordfall.

Doch gibt es so etwas tatsächlich - ein kompletter Verlust der Erinnerungen? Die Figur des Max Schwarz erinnert an einen Fall, der vor ein paar Jahren die Schlagzeilen dominiert hat: den des sogenannten Piano-Mannes. 2005 wurde an der südenglischen Küste ein 20-Jähriger aufgegriffen, der nicht sprechen konnte, und dessen Identität lange Zeit nicht geklärt werden konnte. Die Ärzte diagnostizierten eine schwere Psychose. Er verweigerte jede Kommunikation, spielte dafür aber Klavier. Ein mysteriöser, verstummter Pianist - das war ein gefundenes Fressen für die Medien, die ihm den Beinamen "Piano-Mann" verpassten. Zahlreiche Mythen entstanden um diesen Patienten. Einige hielten ihn sogar für einen tschechischen Konzertpianisten.

Bob Dylans Song als Schlüssel zur Lösung

Die Wahrheit ist weniger glamourös: Hinter dem "Piano-Mann" verbarg sich ein Bayer namens Andreas Grassl, der einen Suizid-Versuch unternommen hatte, nachdem er seinen Job in Paris verloren hatte. Inzwischen waren auch Zweifel an der Geschichte aufgekommen. Grassl wurde unterstellt, er habe die Erinnerungslücken nur vorgetäuscht. Letztlich konnte der genaue Vorgang nicht geklärt werden.

Der Patient im "Polizeiruf" spielte zweifellos nichts vor: Er hatte wirklich das Gedächtnis verloren. Das einzige, was ihm in Erinnerung geblieben ist, war eine Melodie - ein hübscher Schlenker zum "Piano-Mann": Max Schwarz summte Bob Dylans "Blowin' in the Wind". Das Lied war schließlich auch der Schlüssel zur Auflösung: Denn wie sich schließlich herausstellte, war der Songtitel das Passwort zu den brisanten Daten, mit denen Schwarz seinen Chef erpresste.

Florian Oeller, Autor dieser "Polizeiruf"-Folge, bestätigt die Parallele zum realen Fall: "Am Anfang stand das Bild eines Mannes, der sich durch die Fußgängerzone schleppt, ohne zu wissen, wer er ist oder woher er kommt - und eine Art von Musik hört, die ihn an etwas erinnert, das er selbst nicht klar greifen kann. Dieses Bild hat sich aus den Meldungen über den so genannten Piano-Man genährt."

Anders als für den "Piano-Mann" gab es für Max Schwarz im "Polizeiruf" kein gutes Ende: Er wurde von einem Sniper exekutiert.

che