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"Romeo und Julia": Liebe im Zeichen der WM

Alle reden dieser Tage vom Fußball. Um dennoch Menschen fürs Theater zu Interessieren, haben Mitarbeiter des Münchner Volkstheaters haben sich Shakespeares "Romeo und Julia" angenommen - und das Stück fußballgerecht inszeniert

Die Stimmung in Verona ist aufgeheizt. Grölend ziehen die Fans der beiden Mannschaften durch die Stadt. Das große Fußball-Derby steht an: Die ungeschlagenen, stolzen Capulets treffen auf die erfolglosen, aber leidenschaftlich kämpfenden Montagues. Auf einer Party kurz vor dem Spiel begegnen und verlieben sich Romeo und Julia. Er ist Anhänger der Montagues, sie die Tochter des Präsidenten der Capulets und bereits dem neu verpflichteten Stürmerstar Parinio als zukünftige Ehefrau versprochen. Doch während des Spiels eskaliert die Situation zwischen den fanatischen Fans der beiden Vereine, und die Liebesgeschichte nimmt einen tödlichen Ausgang.

Ein klassisches Liebesdrama im Zeichen der WM: Die Fußballbegeisterung in Deutschland macht auch vor dem Theater nicht halt. Mitarbeiter des Münchner Volkstheaters haben jetzt Shakespeares Romeo und Julia fußballgerecht inszeniert. Die mitwirkenden Schauspieler, knapp 30 Schüler aus dem Raum München, sind begeistert: "Ich find's hammermäßig", sagt Jakob Roth alias Romeo. Der 17-Jährige hat sich gemeinsam mit seinen Kollegen die letzten Wochen und Monate nach der Schule mit Auswendiglernen und Proben um die Ohren gehauen. "Die anderen haben Freizeit und Fun, und ich muss nach der Schule sofort ins Theater und dann am Abend auch noch Hausaufgaben machen". Nun hat die harte Arbeit jedoch ein Ende: An diesem Sonntagabend ist Premiere, auf der großen Bühne des Volkstheaters.

Schauspieler per Flugblatt akquiriert

Auch für die jungen Macher des Stücks war die Inszenierung eine große Herausforderung. Leopold Hornung, selbst Schauspieler am Volkstheater, und Philipp Jeschek, Regieassistent, haben sich in ihrer Freizeit die WM-Version von Romeo und Julia ausgedacht und mit Flugblättern und Zeitungsannoncen die jungen Schauspieler akquiriert. "Wir lernen beide dabei unglaublich viel über Theater an sich und können auch mal ausprobieren wie es ist, selbst Regie zu führen", sagt der 28-jährige Leopold Hornung. Auf die Idee, das Drama im Fußball-Milieu spielen zu lassen, kamen die beiden - natürlich - wegen der WM. "Wir waren dann mit allen Schülern erstmal im Stadion und haben ein Spiel angekuckt, um ihnen das Gefühl zu vermitteln", sagt Hornung.

Das Stück ist dem entsprechend authentisch und jung geraten: Die erste Annäherung zwischen Romeo und Julia, mit unsicherem Lächeln und Sätzen wie "Coole Musik hier, oder?", lässt den Zuschauer mit einem leichten Gruseln an die Partys während der eigenen Schulzeit denken. Auch die Sprache, der eine moderne Übersetzung des Shakespeare-Textes zu Grunde liegt, und das Outfit der verfeindeten Fan-Cliquen passen in die heutige Zeit, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Offener Ausgang

Den tragischen Schluss des Stücks haben die Regisseure entscheidend verändert: Statt Giftampulle benutzt Romeo eine Pistole, und Julia bleibt am Leben. "Die ursprüngliche Version erschien uns nicht zeitgemäß genug, wir wollten, dass der Ausgang des Stückes offen bleibt", sagt Mit-Regisseur Hornung. Den meisten der Nachwuchsschauspieler, die zwischen 12 und 19 Jahre alt sind, scheint das verkürzte Ende ohnehin ganz recht zu sein: Sie verschwinden nach der Probe gemeinsam zum Baden an die Isar.

Felix Zeltner/DPA

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