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Hitzewelle Rationiertes Wasser, Parmesan droht knapp zu werden: Die krassen Folgen der italienischen Rekorddürre

Hitzewelle: Der sonst größte Fluss Italiens, der Po, führt nur noch knapp 20 Prozent der sonst üblichen Wassermenge. Das Flussbett versandet zunehmend.
Der sonst größte Fluss Italiens, der Po, führt nur noch knapp 20 Prozent der sonst üblichen Wassermenge. Das Flussbett versandet zunehmend.
© Luca Bruno/ / Picture Alliance
Italien kämpft in einem sehr heißen Sommer mit Wassermangel. Die Folgen für Mensch und Natur sind extrem – und könnten noch lange andauern.

Die Situation wird immer angespannter. Seit fast 120 Tagen hat es in manchen Teilen Italiens nicht mehr geregnet, gleichzeitig kämpft das Land mit einer Hitzewelle, misst regelmässig 40 Grad. Die daraus resultierende Dürre wird immer mehr zu einem ernsthaften Problem. Und dürfte trotz extremer Maßnahmen noch lange zu spürende Folgen haben.

Das größte Indiz für das Ausmaß der Dürre ist der Po. Der vom Laggio Maggiore 650 Kilometer quer durchs Land laufende größte Fluss Italiens führt nur noch ein Fünftel seiner sonstigen Wassermassen. Und das, obwohl Italien bereits jetzt Wasser aus dem Gardasee hineinpumpt, um den Strom am Laufen zu halten. Im Vergleich zu seinen sonstigen Ausmaßen wirkt der verbleibende Fluss in seinem Bett nur noch wie ein Rinnsal.

Extreme Dürre in Italien

Für die Menschen hat die anhaltende Dürre dramatische Folgen. Die Politik empfiehlt wegen der Hitze bereits, sich zwischen 11 und 20 Uhr nicht draußen aufzuhalten. Die ersten Regionen haben bereits begonnen, das Wasser zu rationieren. In Verona darf man bis zum 31. August tagsüber das Wasser nur noch zu Nahrungsaufnahme, zur Körperhygiene und zum Reinigen des Haushalts nutzen. Andere Nutzungsweisen wie Autowäschen, Gartenbewässerung oder das Füllen eines Schwimmbads sind in der Zeit von 6 bis 21 Uhr verboten. Und auch nachts bittet die Regierung darum, darauf lieber zu verzichten. 

Die Maßnahmen sind auch deshalb nötig, weil Italien vorher sehr verschwenderisch mit seinem Wasser umging. Weil Stauseen und Infrastruktur nicht ausreichend gewartet wurden, geht viel Wasser beim Transport durchs Land verloren, gab Ministerpräsident Mario Draghi zu. Ohnehin lag der Wasserverbrauch der Italiener deutlich über dem europäischen Schnitt: Täglich verbraucht der Durchschnitts-Bürger dort bislang 215 Liter Wasser, europaweit sind es durchschnittlich 125 Liter. Der Verbrauch bezieht sich aber nicht nur auf Privathaushalte, sondern beinhaltet die wirtschaftliche Nutzung in Industrie und Landwirtschaft.

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Teaserbild: Getty Images / ozgurcankaya

Landwirtschaft in der Krise

Letztere leidet besonders unter der Dürre. Alleine in der Toskana sollen bereits 30 Prozent der Ernten verloren gegangen sein, schätzen Experten. In der Po-Ebene wird fast die Hälfte des verbrauchten Wassers für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte genutzt. Die Region ist eines der Hauptanbaugebiete für Reis in Europa, wie der ebenfalls verbreitete Wein und Mais handelt es sich um ein im Vergleich enorm wasserintensives Agrar-Produkt. Auch der berühmte Parmesan-Käse stammt aus der Region. Und ist durch die Kuh-Haltung vom Wasser des Po abhängig. 

Jede seiner 300 Kühe müsse jeden Tag 100 bis 150 Liter Wasser trinken, berichtet Bauer Simone Minelli gegenüber "CNN". Sonst würden sie Überhitzen und könnten nicht die 30 Liter hochwertige Milch liefern, die er für die Produktion seines Parmesans benötigt. Stimmt die Qualität der Milch nicht, leidet auch der Käse - und erhält nicht das für den Verkauf so wichtige Qualitätssiegel. Ein noch größeres Problem ist allerdings der Futteranbau: Die dafür angebauten Sojabohnen leiden unter Hitze und Wassermangel, erklärt er. "Wenn wir nicht genug Futter haben, werden wir die Bestände reduzieren müssen", klagt er.

Langfristige Folgen zu befürchten

Die Folgen der Dürre könnten noch lange spürbar sein. In den letzten Jahren hat der Po zunehmend an Wasser verloren. Weil der Schnee- und Regenfall in den Alpen abnahm, fehlte das durch Tauwetter verursachte Anschwellen des Flusses im Frühjahr. "Das letzte Mal, dass der Fluss so tief lag, war im Jahr 2003", erklärt Ada Giorgi vom Parmigiano Reggiano Konsortium gegenüber "CNN". "Dieses Mal ist es aber viel, viel schlimmer. Der Mangel an Regen, Schnee und die hohen Temperaturen erzeugen einen perfekten Sturm. Wir sind in einer extremen Krise."

Die Langzeitfolgen des Wasserspiegels im Po könnten noch lange spürbar bleiben. Weil der Fluss aktuell unter dem Meeresspiegel liegt, dringt das Wasser des Mittelmeers zunehmend in die Mündung ein. Bis zu 30 Kilometer soll das Salzwasser bereits ins Landesinnere vorgedrungen sein. Und versalzt langsam das Grundwasser.

Quellen:CNN, NTV, National Geograhic


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