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TV-Kritik

"Sommerhaus der Stars" bei RTL: So intellektuell wird es nie wieder: Die Quälgeister wollen unter sich bleiben

Mit Aurelio und Lisa verlassen Einsteins Erben das Sommerhaus. Ab jetzt regiert Ennesto mit seinen Phallus-Aphorismen. Einzige Hoffnung: Es gibt einen Mister Grey.

Von Sylvie-Sophie Schindler

TV Kritik Das Sommerhaus der Stars vom 16.8.

Beim Spiel "Reinen Wein einschenken" erlebte Helena Fürst eine Überraschung.

Das Jetzt, wie es uns gezeigt wird, ist ein gewesenes; und dies ist seine Wahrheit; es hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, dass es gewesen ist. Aber was gewesen ist, ist in der Tat kein Wesen; es ist nicht, und um das Sein war es zu tun. Wer bis hierher, es handelt sich um einen Text des Philosophen Hegel, nicht folgen konnte, ist raus. Weiterlesen hat keinen Zweck. In die A-Liga der Denker schaffen es nun mal nur ganz, ganz wenige. Albert Einstein, Stephen Hawking und, in einem Atemzug zu nennen, .

Wem jetzt die Augenbrauen nach oben schnellen, nun, der gibt sich selbst den Beweis, dass er bis oben voll von Vorurteilen ist. Mies, der Fernsehzuschauer ist eben ganz, ganz mies. Guckt sich "den Mann Aurelio" an, den muskeltrainierten, den tätowierten, und zack, rein in die Schublade. Nun aber hat er sich im "Sommerhaus der Stars" (RTL) selbst geoutet und das volumenlippige Plastikbrüstchen an seiner Seite mit dazu: "Lisa hat einen IQ von 113 und ich einen IQ von 111." Lisa Freidingers Kommentar: "Wir wollten darüber doch nicht sprechen."

"Haben sie flachgelegt und nach Hause geschickt"

Schnappatmung. Das ist knapp über dem Durchschnitt, nicht darunter. Und deshalb weiß Aurelio auch, wie die Hauptstadt von Australien heißt. Eine Frage, an der die Mitstreiter gnadenlos scheitern. Nur bei Papperlapapp-Dingen muss auch ein Aurelio Savina intellektuell die Waffen strecken. "Wann habe ich zuletzt geweint?", will Lisa während einer dieser "Sommerhaus der Stars"- Challenges wissen. Ahnungsloser Aurelio. Der sich prompt verteidigt: "Die wichtigsten Dinge wusste ich - deine erogene Zone." Ohnehin lebt das Pärchen erotisch auf der Überholspur. Niemand hat danach gefragt, aber Aurelio erzählt's trotzdem. Dass Lisa gerne Frauen anquatsche, na, Lust auf einen Dreier, und dann sei das so weitergegangen: "Dann haben wir sie flachgelegt und nach Hause geschickt." Im Gerangel um potenzielle sexuelle Abgründe will aber Giulia Siegel mit ihrem Ludwig Heer – der unter den Frauen des Hauses als "der Langweiligste" gilt - ganz vorne stehen. "Er ist mein Mister Grey", giggelt die DJane. Und prognostiziert: "Das bekomme ich zuhause schön heimgezahlt, da kann ich eine Woche lang nicht sitzen."

Dummbratzen vs. Kampfmaschinen

Jetzt ist aber erstmal Gehen dran. Weggehen, ausziehen. Ciao Lisa, ciao Aurelio. Klar, warum: Die Dummbratzen wollen lieber unter sich bleiben. Was sie freilich so nicht sagen. "Ihr seid einfach Kampfmaschinen", begründen Nico Schwanz und Saskia Atzerodt ihre Entscheidung bei der Nominierung. Auch "die Allestester" Hubert Fella und Matthias Mangiapane sehen das so, weg mit der harten Konkurrenz. Aurelio und Lisa rollen ihre Koffer alsbald den Hügel hinunter. Und damit verlassen die Letzten, die Einsteins Relativitätstheorie hätten erläutern können, das . Ab jetzt weht ein anderer Geist. Wohin die Reise geht, darauf deuten Aphorismen wie die von Ennesto Monte: "Alle wichtigen Entscheidungen in meinem Leben habe ich meinem Schwanz überlassen."

Nico will im "Sommerhaus der Stars" auch mal trinken

Ennesto nervt? Ennesto nervt. Saskia aber auch. Kann nicht verlieren, schreit rum: "Ich will dieses Scheißspiel gewinnen.", gestand sie noch bei einer Challenge. Ihr größter Traum sei, mit Nico "für immer zusammen zu bleiben" – inzwischen sind die beiden getrennt – und löste damit bei ihrem Schatzi Tränen der Rührung aus, so keift sie nur wenig später, er solle bloß keinen Alkohol anrühren. Nico: "Ich will auch mal trinken." Saskia: "Dann verlieren wir morgen." Gezeter, Geheul. Saskia schmollend auf dem Bett. Matthias vermittelt: "Dann steck´ ihm die Zunge in den Hals und Feierabend." Saskia dann versöhnlich zu Nico, mit einem Glas Wein in der Hand. Nico: "Ich möchte nicht." Saskia wütend zu Matthias: "Er möchte nicht." Nico, wieder später, beugt sich zum Kuss. Saskia dreht sich weg.  Und wieder später, ganz spät, flüchtet Nico mit Matthias zum Schlafen ins Wohnzimmer. Morgens dann die besorgten Gesichter der Mitbewohner: "Nicht, dass er das Ufer wechselt." Bierbauch-Fan Matthias beruhigt von seiner Seite aus: "Nico hat kein Bäuchlein."

Gerade noch von der Schippe gesprungen sind Yvonne König und Markus Mörl. Dem Voting nach waren sie gleichauf mit dem Intellektuellen-Pärchen. Schließlich mussten Hubert und Matthias, die sich dieses Mal in die Rolle des sogenannten "safe"-Paares hochgespielt hatten und damit auch zum Zünglein an der Waage, das Damoklesschwert fallen lassen. Die gute Nachricht: Nun bleibt für Helena Fürst die Chance erhalten, endlich, endlich mal eine Freundin zu finden. Denn noch nie gehörte Sätze sprach Yvonne zu "Höllena": "Du bist eine sehr interessante Frau, die ich gerne kennenlernen möchte." Später Helena: "Bei Yvonne weiß ich nicht, was da Sache ist. Ich denke, du bist ein wenig verwirrt." Sagte es. Und hätte Yvonne am liebsten rausgeschmissen.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo