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Disney-Serie "The Book of Boba Fett" – leider nein, leider gar nicht

Eine großformatige Werbung für "The Book of Boba Fett" in Dublin, Irland
Eine großformatige Werbung für "The Book of Boba Fett" in Dublin, Irland
© Niall Carson / Picture Alliance
Das "Star Wars"-Spin-off "The Mandalorian" hat großen Spaß gemacht – da waren die Erwartungen an die zweite Serie aus der Feder Jon Favreaus hoch. Fatalerweise.

"The Book of Boba Fett" käme einem wohl nicht so schlecht vor, wenn "The Mandalorian" nicht so gut gewesen wäre. Hätte es die beiden Staffeln der Vorgängerserie aus dem Star-Wars-Kosmos nicht gegeben, dann hätte man dieses neue Projekt aus dem Hause Disney vielleicht mit mildem Interesse und ebenso milder Verwunderung angesehen, oder auch nicht angesehen, milde genickt und die Hoffnung auf eine zweite Staffel gar nicht erst aufkeimen lassen, weil es vermutlich keine gegeben hätte. Der Hype, den der "Mandalorian" auslöste und auf dessen Bugwelle Kollege Boba Fett Richtung Erfolg mitsegeln will, hat aber auch die Erwartungen an die neue Spin-Off-Serie hochgeschraubt. Und erfüllt wurden diese Erwartungen in den sieben Episoden nicht.

Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist das offensichtliche Fehlen eines Gesamtkonzeptes, einer großen Idee. Während der ersten paar Episoden folgt man als Zuschauer dem vom Leben gegerbten Ex-Kopfgeldjäger Boba Fett durch elendig lange Rückblenden und uninteressante Gegenwartsszenen, in denen wir absolut nichts über ihn erfahren, außer, dass er charakterlich ein feiner Kerl ist. Die Tuskenräuber, deren Gefangener er ist, behandeln ihn schlecht? Er rettet ihnen trotzdem das Leben. Zwei grüngesichtige Wachleute wollen ihrem früheren Meister nicht abschwören? Er lobt ihre Loyalität und überzeugt sie so, in seine Dienste zu treten. Das gigantische Dinosauriermonster Rancor jagt selbst den härtesten Recken Angst ein? Boba Fett macht es sich zum Freund, indem er ihm über die Nase streichelt.

Boba Fett, ein Mann ohne Eigenschaften

Dieses Schema hat man spätestens nach dem zweiten Mal begriffen, es wiederholt sich allerdings noch wesentlich öfter. Was man noch nicht begriffen hat, ist jedoch etwas ganz anderes: Warum sollte einen interessieren, was Boba Fett möchte oder nicht möchte? Irgendwie schafft die Figur es bis zum Ende hin nicht, den Zuschauer emotional auf seine Seite zu ziehen. Das liegt nicht an Schauspieler Temuera Morrison, muss dazugesagt werden, der seine Sache sehr solide macht. Das liegt einfach an der erstaunlich schlecht geschriebenen Rolle. Die nur ein Teil einer erstaunlich schlecht geschriebenen Serie ist, deren Dramaturgie und Handlungsbogen, vielleicht nach dem Genuss einiger Tequilas, gewürfelt worden sein muss.

Nichts passt so recht zusammen. Was sollen die zähen Rückblenden in viel zu vielen der Anfangsfolgen? Warum erklärt Hauptfigur Boba Fett uns erst im letzten Drittel der Staffel, warum ihm überhaupt etwas daran liegt, die vakante Position des örtlichen Mafiabosses Jabba The Hutt auszufüllen? (Und auch dann ist seine Motivation wenig überzeugend.) Warum hat er keinerlei Charaktermerkmale, außer eben, "ein feiner Kerl" zu sein? Wer ist der schlecht animierte Bösewicht im Voldemort-Look, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht, und warum sollte er den geneigten Zuschauer interessieren? Man ahnt, dass es einem vielleicht geholfen hätte, all diese Zeichentrickserien, Comics und Fanfiction aus dem Star-Wars-Universum gelesen zu haben, die es noch so gibt. Aber wenn das die Voraussetzung ist, "The Book of Boba Fett" genießen zu können, ist das doch bitter. Serien wie "The Mandalorian" und sogar "Wandavision" funktionierten wunderbar auch komplett ohne Background-Wissen.

Gab es für diese Serie überhaupt ein Konzept?

Warum gegen Ende der Staffel der Titelheld Boba Fett plötzlich für fast zwei ganze Episoden von der Bildfläche verschwindet und wir stattdessen wieder unserem alten Freund "Mando" und Baby-Yoda folgen, bleibt auch rätselhaft. Vermutlich haben die Serienmacher erkannt, dass diese beiden tatsächlich eine Geschichte zu erzählen haben, die uns emotional mitnimmt – obwohl es sich um eine kleine grüne Puppe und einen Schauspieler mit Eimerhelm auf dem Kopf handelt. Auch ein Wiedersehen mit der wunderbaren Mechanikerin Peli Motto (Amy Sedaris) gibt es. Im Gegensatz zu Boba Fetts hilfreicher, aber leider ebenfalls herzhaft uninteressanten rechten Hand Fennec Shand (Ming-Na Wen) eine extrem erfrischende Frauenfigur.

Und, herrje, dann sind da noch die Cyberpunk-Mods – eine Gruppe junger Menschen, die auf bunten, fliegenden Vespa-Rollern durch die sandigen Gassen von Tatooine düsen, mit britischem Akzent sprechen und sich wie die Nichten und Neffen von The Cure kleiden. Als einzige im ganzen Universum scheinen sie herausgefunden zu haben, wo man bunte Netzstrumpfhosen kaufen kann. Sie rebellieren, weil es in ihrem Viertel angeblich keine Jobs gebe. Boba Fett sagt: "Ihr wollt Jobs? Arbeitet für mich!" Und die Cyberpunk-Mods sagen, sinngemäß, "Na gut." Wo ist denn da der Punk-Spirit, bitte?

Die Macher können es doch eigentlich

Falls Sie die Serie noch nicht gesehen haben und sich jetzt fragen: "Was?!", dann erkennen Sie das Problem mit "The Book of Boba Fett" bereits ganz gut. Es ist eine Serie, die vielleicht eingefleischten Fans des titelgebenden Star-Wars-Helden eine Freude macht, aber niemandem, der einfach eine unterhaltsame Show sehen will. Wo "The Mandalorian" mit seiner ganz eigenen Ästhetik – vom Szenenbild bis zum Soundtrack – begeisterte, mit einer ebenso simplen wie packenden Story, einem sympathischen Protagonisten und einem fast revolutionären Format ("Xena" trifft "Better Call Saul"), da wirkt "Boba Fett" unausgegoren, lieblos, zerhackstückelt und in Teilen fast lächerlich. Schlimmer noch, oft ist es einfach langweilig. Sichtlich gewollte Gags verpuffen ebenso im Vakuum wie coole Sprüche oder Action-Momente.

Eine zweite Staffel der Serie ist derzeit nicht geplant, und wenn wir eine Vermutung äußern dürfen, wird es auch nicht dazu kommen. Stattdessen wäre eine dritte Staffel des "Mandalorian" höchst willkommen, in der auch Boba Fett gern auftauchen darf, um vielleicht doch noch eine interessante Seite seiner Persönlichkeit zu offenbaren. Man weiß schließlich, dass die Macher – Jon Favreau, Dave Filoni, Robert Rodriguez – es doch eigentlich besser können.

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