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Jubiläum von "Wer wird Millionär?": Schöner scheitern bei Günther Jauch

Die Jubiläumsausgabe von "Wer wird Millionär?" bot die ein oder andere Überraschung. Es gibt einen neuen Millionär. Der ewige Besserwisser dagegen scheiterte kläglich - und machte damit alles richtig.

Von Jan Zier

Moderator Günther Jauch feierte den 15. Geburtstag von "Wer wird Millionär?"

Moderator Günther Jauch feierte den 15. Geburtstag von "Wer wird Millionär?"

TV-Kritiker sind ja manchmal ein bisschen überheblich. "Einfach nur fad" schrieben sie, damals, 1999, über die erste Sendung von "Wer wird Millionär?", und dass sie "zäh wie Gummi" sei. Seither sind rund 29.000 Fragen vergangen, 1164 Folgen, in denen mehr als 89 Millionen Euro rausgingen, also: für alle Gewinner. In über 70 Ländern gibt es die Rate-Show, aber nirgendwo so lange wie bei uns. Hält sich halt lange, was so zäh ist.

Zugegeben: Etwas lang war sie schon, die Jubiläumssendung. Drei Stunden hätten es vielleicht nicht gleich sein müssen, aber immerhin haben sie bei RTL der Versuchung widerstanden, so eine "Ach ja, weisst du noch?"- Sendung mit lauter schrägen Filmschnipseln irgendwelcher Kandidaten, mit Homestorys von und Interviews mit Millionären und nachdenklichen Beiträgen über jene Leute zu machen, die dann mit dem vielen Geld hinterher nicht recht klarkamen. Das alles kam, wenn überhaupt, nur am Rande vor.

Getarnte Comedy-Einspieler

Gelungene Einspieler gab es durchaus: Zum Beispiel den mit der Günther Jauch-Puppe, von Thomas Gottschalk gestiftet, die schon frühmorgens das Studio wischt, und den Moderator auch sonst ganz charmant als geizigen und pedantischen Spießer charakterisiert, der von Technik keine Ahnung hat. "Sogar die Konfettis für die Millionenfrage bastelt er selbst." - aber Günther Jauch versteht den Spaß.

Manchmal sind die als Grußbotschaften getarnten Comedy-Einspieler schlimme Kalauer: Was ist Günther Jauch? A. Moderator B. Terminator. C. Alligator D. Vibrator - D., natürlich: "Wenn man ihn einschaltet, dann hört man immer nur Summen". Andere wiederum finden nicht nur Jauch gut: Warum in der Schweiz "Wer wird Millionär?" ohne Kandidaten gespielt wird? "Weil man potenzielle Millionäre dort wegen des Bankgeheimnisses nicht im Fernsehen zeigen darf." Und so weiter. Sogar Oliver Pocher - selbst mal Promi-Gewinner - ist nicht ganz schlecht.

Thorsten Fischer aus Hannover räumt ab

Ach ja, einen neuen - den insgesamt zwölften Millionär - gab es auch. Es ist "der Mann mit der Mütze", wie Jauch ihn nennt, Thorsten Fischer, 48, ein Gastronom mit drei Kindern und Hund aus Hannover und Restaurant in Hameln. Wobei man sagen muss: So billig wie er kam noch nie einer zu einer Million bei "Wer wird Millionär?".

Nach der zehnten, der 16.000-Euro-Frage nämlich, so die Sonderreglung der Sondersendung, da konnte er gleich zur Millionenfrage springen. Glück gehabt - denn die drei Joker hatte er da schon alle verballert.

Die Entfernung von Berlin zum Erdmittelpunkt ist so groß wie die nach: A. Tokio B. Kapstadt. C. Moskau D. New York? Jetzt kann Herr Fischer mal nach Minnesota fliegen, was er sonst zu recht nie täte. Doch er ist ein glühender American Football Anhänger und die Vikings sind sein Lieblingsverein. Außerdem steht ein Lounge Chair auf seiner Wunschliste, so einer für sieben-, achttausend Euro. Alles kein Problem. Weil: Seine Antwort D war richtig.

Sonja Zietlow als Telefonjoker

Und dann ist da - unter anderen - noch ein gewisser René, aus Hamburg, als junger Besserwisser also quasi der Prototyp des ewigen Kandidaten von der Couch. Seine Frau Carla hat ihn angemeldet, per Video, und das nicht aus Liebe. Sie will ihn scheitern sehen. "Ich wünsche mir, dass er das richtig verkackt." Sport mache er mit der linken Arschbacke, sagt er dann, und Politik mit der rechten, auch Geografie - nicht so das Problem, sagt er in die Kamera.

Befriedigt stellt Carla fest, dass ihr Mann schon bei der Anreise zur Sondersendung etwas kleinlauter wurde. Und als er dann bei der 1000-Euro-Frage sagen muss: "Ich hab keine Ahnung!" Hach, da war ihr Traum schon erfüllt. Am Ende rettet er sich dann noch mit Telefonjoker Sonja Zietlow durch die 4000-Euro-Frage, bei der es um die Garten-Senfrauke geht, also den Rucola - und muss doch mit 500 Euro nach Hause gehen. So werden, dank WWM, heute familiäre Verhältnisse zurecht gerückt.