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"Wetten, dass ..?"-Nachfolge Kerkelingpilawalanzoderso


Gut ein Jahr nachdem Thomas Gottschalk seinen Abschied bei "Wetten, dass ..?" verkündet hat, steht das ZDF noch immer ohne Nachfolger da. Die Suche bietet bessere Unterhaltung als das Programm.
Von Carsten Heidböhmer

Manchmal reicht ein klarer Satz nicht aus: "Ich arbeite mit dem ZDF an einer Reihe von neuen Shows, aber 'Wetten, dass ..?' ist dabei kein Thema", hatte Jörg Pilawa im November den Zeitungen der "Waz"-Gruppe gesagt. Das ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Dennoch sah sich der Moderator Mitte Januar bemüßigt, der Nachrichtenagentur DPA sein kategorisches "Nein" noch einmal zu bestätigen.

Dessen ungeachtet vermeldete der "Spiegel" kürzlich unter Berufung auf Senderkreise, beim ZDF wünsche man sich Pilawa als Gottschalk-Nachfolger. Als ob das nicht schon absurd genug wäre, sorgte die Münchner "Abendzeitung" gestern mit der Enthüllung für Wirbel, der 46-Jährige habe dem ZDF endgültig abgesagt. Da war dann auch für Jörg Pilawa alles gesagt: "Ich habe meinen bisherigen Statements nichts hinzuzufügen", zitiert ihn die DPA.

Es hagelte Absagen - auch ungefragt

Willkommen beim öffentlich-rechtlichen Moderatoren-Casting! Mit der seit bald zwölf Monaten andauernden Suche nach einem Gottschalk-Nachfolger liefert das ZDF etwas, das in den Augen vieler Kritiker im Programm viel zu selten vorkommt: beste Unterhaltung. Denn nicht nur Pilawa hat dem ZDF einen Korb gegeben. Anke Engelke, Barbara Schöneberger, Bully Herbig - sie alle haben ebenfalls abgewunken, teilweise ohne vorher gefragt worden zu sein. Hape Kerkeling lehnte sogar vor einem Millionenpublikum in der Sendung ab. Dafür gab es unverlangte Bewerbungen: So warf Ex-"DSDS"-Moderator Carsten Spengemann augenzwinkernd seinen Hut in den Ring.

Auch Lanz hat bereits abgewunken

Nach der Absage des augenscheinlichen Wunschkandidaten Kerkeling war jeder andere Moderator ohnehin nur zweite Wahl. ZDF-Talker Markus Lanz gilt nun als dritte Wahl - doch auch der hatte sich kürzlich im Branchenblatt "Medium Magazin" deutlich von dem Job distanziert: "Natürlich kitzelt es die Eitelkeit, wenn man bei solch einem bedeutenden Format im Gespräch ist", sagte Lanz. "Aber man muss doch eine gesunde, professionelle Distanz zu sich und seiner Arbeit haben, und ich habe in den letzten Jahren einen Weg eingeschlagen, der von der großen Showbühne eher wegführt."

Das ZDF bleibt dennoch dabei, die Verhandlungen seien auf gutem Wege. Denn einen Joker hat der Sender noch in der Hinterhand, besser gesagt zwei: Immer wieder taucht in den Medienberichten über die Gottschalk-Nachfolge das Moderatoren-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf, die beim Digitalsender ZDFneo die Show "neoParadise" moderieren. Zwar läuft die Sendung weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, doch bei den Kritikern kommen die beiden unkonventionellen Kerle gut an. Was sie vor allem qualifiziert: Sie haben bislang nicht abgesagt. Auch auf Anfrage von stern.de wollte sich das Management zu keiner Absage hinreißen lassen. Man wolle sich auf die Zusammenarbeit mit ProSieben konzentrieren und die Gerüchte um eine "Wetten, dass ..?"-Moderation nicht kommentieren.

Modernisierer gegen Bewahrer

Ob Joko und Klaas tatsächlich die Moderation der Traditionsshow anvertraut bekommen, hängt auch davon ab, wie der ZDF-interne Richtungskampf ausgeht. Offenbar gibt es bei dem Mainzer Sender die Modernisierer und die Bewahrer. Während Erstere beim Neustart von "Wetten, dass ..?" das Konzept gründlich überarbeiten wollen, möchten die Bewahrer möglichst wenig an dem Erfolgsformat ändern. Kurios, aber das könnte gerade dafür sprechen, junge unerfahrene Moderatoren zu verpflichten. Die stellen wenigstens keine Ansprüche.

Ein weiterer Vorzug von Joko und Klaas wäre: Die beiden Moderatoren haben bereits bei ihrer Show "MTV Home" erfolgreich mit einem weiblichen Sidekick gearbeitet. Auf diese Weise könnte auch Michelle Hunziker weiter eingebunden werden - und das wünscht man sich beim ZDF.


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