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"You are Wanted" Lohnt die zweite Staffel der Schweighöfer-Serie?

"You are Wanted"
Auch in der zweiten Staffel von "You are Wanted" bekommt Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) viele Prügel ab, während seine Frau Hanna (Alexandra Maria Lara) meistens besorgt guckt. 
© 2018 Amazon.com Inc.
An der ersten Staffel schieden sich die Geister. Jetzt gibt es neue Folgen der Amazon-Serie "You are Wanted" von Matthias Schweighöfer. Sie geben eine klare Antwort auf die Frage "top" oder "flop".

Der Riss ging vor einem Jahr durch die stern-Redaktion: Während der Autor dieser Zeilen "You are Wanted" sehr gelungen fand und den ruhigen Aufbau der Geschichte lobte, klagte Kollege Malte Mansholt über verlorene Lebenszeit und urteilte: "Jede Figur ist ein Pappaufsteller mit einer klaren Funktion", es fehle jeder Tiefgang.

Nun hat Amazon die zweite Staffel der Serie veröffentlicht. Nach Ansicht der sechs neuen, jeweils 45 Minuten langen Folgen dürfte der Streit geklärt sein. Das Urteil fällt vernichtend aus.

Denn eine wichtige Qualität der ersten Staffel fehlt: Dort brach über den unbescholtenen Hotelmanager Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) das Unglück in Form eines Hacker-Angriffs herein und hätte ihn und seine Familie beinahe zerstört. Wenn man sich auf die Prämisse einließ, konnte man mit dem Protagonisten mitfiebern, der einen klaren Antrieb hatte: Er musste in sechs Folgen seine Unschuld beweisen und gleichzeitig seinen Sohn retten. Dieses Motiv war so stark, dass Zuschauer so manches logische Loch in der Geschichte verziehen.

Matthias Schweighöfer wird gejagt

Genau dieser Antrieb fehlt jedoch in der zweite Staffel. Franke ist im Besitz eines Laptops, das ihm Zugang zu dem amerikanischen Spionageprogramm "Burning Man" ermöglicht. Das sammelt ähnlich wie das NSA-Überwachungsprogramm "Prism" Daten über jeden Bürger. Anstatt den Rechner zurückzugeben, behält er ihn und wird deswegen von verschiedenen Gruppen verfolgt: vom BND, vom US-Geheimdienst und - aus nicht ganz ersichtlichen Gründen - der vietnamesischen Mafia. 

Wurde er in Staffel 1 noch ohne eigenes Verschulden zum Gejagten, so bringt Franke nun mutwillig sein eigenes Leben und das seiner Familie in Gefahr. Tatsächlich nehmen amerikanische Agenten seinen Sohn in Gewahrsam. Der von Matthias Schweighöfer gespielte Familienvater ist also die ganze Zeit über damit beschäftigt, die Suppe auszulöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat.

Passive Frauenrolle

Seine von Alexandra Maria Lara dargestellte Ehefrau Hanna hat in der Zeit nicht viel mehr zu tun als leidend dreinzuschauen und sich um Mann und Kind zu sorgen. Abgesehen davon, dass derart passive Frauenrollen schon lange nicht mehr zeitgemäß sind, nervt das immer gleiche Gesicht spätestens nach der zweiten Folge gewaltig. 

Natürlich muss man auch den neuen Folgen zugute halten, was bereits für alten galt: Die Optik ist state of the art, mit grandiosen Bildern und einem eleganten Schnitt kann sich die Serie im internationalen Vergleich sehen lassen. Es ist das Drehbuch, das deutlich abfällt. 

Nachdem Konkurrent Netflix mit "Dark" im Dezember eine international viel beachtete deutsche Serie gelauncht hat, ist Amazon Prime ins Hintertreffen geraten. Die zweite Staffel von "You are Wanted" zeigt deutlich, wie groß der Abstand ist.


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