150. Folge "Frauentausch" Kleine Pause für "Drecksau extrem"


Normalerweise geht es beim "Frauentausch" nicht gerade zimperlich zu, wenn zwei grundverschiedene Mütter für zehn Tage die Familien wechseln. Doch zur 150. Folge schenkte RTL 2 seiner Erfolgssendung einen versöhnlichen Fall - und das war wunderbar.
Von Peer Schader

Das war dann doch eine Überraschung: Es geht auch ohne Gebrülle und Gezeter, einfach mit gegenseitigem Respekt und ein klein bisschen Offenheit für Neues. Zwei Frauen tauschen für zehn Tage ihre Familien und übernehmen im fremden Haushalt die Pflichten der ihr unbekannten Mutter und Ehefrau - so geht seit vier Jahren der RTL-2-"Frauentausch". Es gibt klare Regeln: Die ausgewählten Mütter sind so grundverschieden, dass die Tauschtage unmöglich ohne Stress vorübergehen können, denn erst dann wird es für die Zuschauer interessant, glauben die Macher. Aber das stimmt gar nicht. Es geht auch anders.

"Mein Mann ist ein Einzelstück", sagt Uschi, 44 Jahre alt, über ihren Gatten, mit dem sie seit drei Jahren auf dem Campingplatz wohnt - nicht, weil sie sich sonst nichts leisten könnten, sondern weil ihnen das gefällt. Das "Einzelstück" ist ein bisschen bequem: Hausarbeit kann er nicht leiden, kochen hat er noch nie ausprobiert, und es versteht sich ja wohl von selbst, dass die Frau ihm morgens den Kaffee umrührt. Betonbauer Toni ist also nicht gerade ein Traummann. Außer für Uschi: "Ich hab ihn so akzeptiert, und deshalb mach ich das auch alles."

Bloß nicht die Chemie-Toilette!

Muss sie aber erst einmal gar nicht, denn das ist ja jetzt die Pflicht von Anette, ebenfalls 44 Jahre alt und Chanson-Sängerin aus Wuppertal, die sich das Kochen für gewöhnlich von ihrem Mann Hamzah abnehmen lässt, um mehr Zeit für die Karriere zu haben. Sie sagt: "Ich gehöre nicht zu den Müttern, die ihre Kinder rund um die Uhr bespielen."

In der 150. Folge am Donnerstagabend hat RTL 2 also wieder Frauen getauscht. Und dieses Mal war es ein Vergnügen zuzusehen. Denn unerwarteterweise haben sich beide auf die neue Situation eingelassen, anstatt - wie so viele ihrer Vorgängerinnen - von vornherein zu blocken.

Anette hat sich ins Camperleben gestürzt und "aus Spaß" die Hausfrau gespielt, die ihren Mann bedient - bis es ihr zu bunt wurde. Dann gab es Regeländerungen. Beim Auswärts-Frühstück hat sie Toni gesagt, dass sie heute wünscht, die Brötchen von ihm an den Tisch gebracht zu bekommen. Der hat völlig verdutzt dagestanden und gesagt: "Jetzt bin ich baff." Aber dann hat er mitgemacht. Und ein anderes Mal sogar gekocht, wie es ihm aufgetragen wurde, um wenigstens zu vermeiden, dass er die Chemie-Toilette ausleeren muss.

Bestenfalls ein spannendes Experiment

Uschi hat in ihrer Ersatzfamilie gleich erkannt, dass es zwischen Anettes Sohn Timmi und Stiefvater Hamzah etwas kriselt und die beiden zum gemeinsamen Vorlesen bestimmt. Sie hat sich, wie von Anette aufgetragen, einen Marlene-Dietrich-Song rausgesucht und für einen Auftritt einstudiert. Den Rest der Zeit hat sie sich verwöhnen lassen, wie es zuhause niemand für sie macht. Und doch waren beide Frauen am Ende heilfroh, wieder zuhause zu sein.

So kann "Frauentausch" also auch funktionieren: als spannendes Sozialexperiment, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen zusammenleben und wie sehr sie irritiert sind, wenn ihnen plötzlich die Gewohnheiten genommen werden. Und glücklich werden kann man auf sehr individuelle Art und Weise: Die einen teilen sich die Hausarbeit und leben für die Kunst, die anderen feiern Karneval und leben im Campingwagen.

Leider ist die RTL-2-Dokusoap nicht immer so lehrreich. Denn in der Regel treffen dort Extreme aufeinander, die gar nicht zueinander passen. Dann wird geschimpft, gedroht und gebrüllt, wie am Donnerstag in einem "Best of" aus 150 Folgen "Frauentausch" zu sehen war, für das die schlimmsten Momente noch einmal aus dem Archiv gekramt wurden. "Wenn die auf Dauer bei mir wohnen würde, müsste ich mit 'nem Wodkatropf am Arm rumlaufen", hat ein gestresster Ehemann gepoltert. Und Ivonne aus Wuppertal lästerte über ihre Ersatzfamilie: "Das ist nicht Assi, das ist nicht schlampig, das ist Drecksau extrem."

Spicken wie bei den Nachbarn

In so mancher Folge mit Chaos-Haushalt und verwahrlosten Kindern fragt man sich als Zuschauer, ob das eigentlich regelmäßig vom Jugendamt mitgeschnitten wird. Aber natürlich sind viele Szenen auch mit Vorsicht zu genießen: Dass das Kamerateam vor Ort manipuliert, um Streits zu provozieren, weisen Sender und Produktionsfirma stets zurück - aber manches wirkt nachher dann doch ziemlich gestellt.

In jedem Fall gehört "Frauentausch" zu den erfolgreichsten Sendungen im Privatfernsehen, vielleicht ja, weil sie eine uralte Neugierde befriedigt: nämlich die, in anderer Leute Wohnungen zu schauen und zu spicken, wie die Menschen dort hausen. Was da im Fernsehen kommt, möchte man von seinen Nachbarn besser nicht wissen. Und doch könnte es in der Wohnung nebenan vielleicht genauso zugehen. Mit der Fernbedienung wegschalten zu können, ist da schon erheblich einfacher.


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