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"Dunkle Zeit" : Anja Kling als Frauke Petry? Warum der "Tatort" so brandaktuell war

Eine rechtspopulistische Partei, deren Fraktionsvorsitzende Morddrohungen bekommt und mit Polizei und Presse aneckt. Nicht nur thematisch erinnerte die letzte "Tatort"-Folge stark an die AfD – einige Rollen waren wohl an bekannte Politiker der Partei angelegt. 

Anja Kling spielt Frauke Petry-Verschnitt

Unterkühlt und angestrengt: Anja Klings Rolle der Nina Schramm erinnert an Frauke Petry. 

Picture Alliance

Nachdem Nina Schramm, Fraktionsvorsitzende der fiktiven rechtspopulistischen Partei "Deutschlands Neue Patrioten" (DNP) Morddrohungen erhält, soll sie von den Hamburger Kommissaren (Wotan Wilke Möhring) und Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) geschützt werden. Dass Falke darüber keineswegs begeistert ist, merkt der Zuschauer schnell. Möhrings Rolle macht aus ihrer Abneigung gegen die umstrittene Politikerin und ihre euroskeptischen, rechten Tendenzen kein Geheimnis. Als Arbeitersohn aus Hamburg-Billstedt verteidigt er ihr gegenüber leidenschaftlich die Multikulti-Gesellschaft und ihre liberalen Werte. Die Situation eskaliert, als Schramms Ehemann Richard getötet wird, nachdem eine Bombe ihren Wagen in die Luft jagt. Sofort werden rechte Stimmen laut, die der Polizei eine Mitschuld geben und den linken Mob beschuldigen. Zusammen mit seinem Team legt Falke immer mehr innerparteiliche Machtspiele offen.

Anja Kling überzeugt im "Tatort" als Parteivorsitzende Nina Schramm und erinnert mit ihrer unterkühlten Art an Ex-AfD-Chefin Frauke Petry. Eine weitere Ähnlichkeit: Im September letzten Jahres wurde auf Petrys Auto ebenfalls ein Brandanschlag verübt.

"Tatort" mit mehreren Parallelen zur AfD 

Doch auch das Privatleben der 42-Jährigen wird offenbar im "Tatort" thematisiert. 2015 erklärte die damalige -Chefin Petry ihren Parteifreunden, sie würde ihren Mann Sven Petry für den damaligen AfD-NRW-Chef Marcus Pretzell verlassen. Ihre Affäre und das anschließende Geständnis sorgte nicht nur innerhalb der Partei für mächtig Zündstoff. Es ist wohl kein Zufall, dass Klings Rolle in dem Polit-Krimi eine Affäre mit DNP-Generalsekretär Benjamin Reinders (gespielt von Ben Braun) hat.

Neben Petry und Pretzell gibt es eine weitere AfD-Persönlichkeit, die offenbar als " "-Inspiration gedient hat: Partei-Gründer Bernd Lucke. Der 55-Jährige ging für die "Alternative für Deutschland" ins EU-Parlament. Angelegt an den umstrittenen Politiker war offenbar Patrick von Blumes Figur. Der 48-Jährige spielte in "Dunkle Zeit" den DNP-EU-Abgeordneten Dr. Gerhard Schneider, der – genau wie Lucke – Wirtschaftsprofessor ist und zum größten Rivalen der Parteichefin wird.

Dass "Dunkle Zeit" mehr war, als ein klassischer Sonntagabend-Krimi, wurde also nach nur wenigen Minuten deutlich. Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD hetzte am Montagmorgen auf Facebook gegen die Verantwortlichen des "Tatorts" und bezeichnete die Folge als "GEZ-finanzierte Gehirnwäsche". 

Britta Haßelmann bei ihrer Rede im Bundestag


ls