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"Tatort" über die AfD: Sex, Mord und Rechtspopulismus - so wird der "Tatort"

Dieser Sonntagskrimi wird politisch: Die "Tatort"-Folge "Dunkle Zeit" behandelt einen Mordfall in einer AfD-ähnlichen Partei und zeigt, wie Rechtspopulisten mithilfe der Medien die Öffentlichkeit vor sich hertreiben.

Tatort

Die "Tatort"-Kommissare Julia Grosz (Franziska Weisz) und Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ermitteln auf einer Demonstration gegen die rechtspopulistische Partei Die Neuen Patrioten (DNP)

Bewertung

  • 2 von 5 Punkten
  • Keine schlechte Idee, den "Tatort" im Umfeld einer rechten Partei anzusiedeln. Doch leider sind die Figuren viel zu klischeehaft geraten.

Worum geht's in diesem " "?

Gegen Nina Schramm (Anja Kling), die Spitzenkandidatin der rechtspopulistischen Partei "Die Neuen Patrioten" (DNP), gehen konkrete Morddrohungen ein. Die BKA-Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und (Franziska Weisz) werden als Personenschützer abgestellt. Als Schramms Ehemann durch eine Autobombe getötet wird, sieht sich die Rechtspartei Opfer von linkem Terror und wirft der Polizei Untätigkeit vor. Doch sind die Drahtzieher wirklich Linksautonome? War es ein Akt islamistischer Terrorristen? Oder ist es gar die "Geburtsstunde einer neuen RAF", wie der Verfassungsschutz mutmaßt? Falke und Grosz stehen unter dem Dauerfeuer rechter Websites und müssen nebenbei Licht in diese Angelegenheit bringen.

Warum lohnt er sich?

Die rechtspopulistische DNP ist passgenau nach dem realen Vorbild der modelliert. Die Anspielungen und Parallelen zu der seit Kurzem im Bundestag vertretenen Partei aufzuspüren, macht viel Spaß. So ist auch die DNP ursprünglich als europakritische Professoren-Partei gestartet, jedoch längst zu einer rechspopulistischen Bewegung umfunktioniert worden. Es gibt ein Landgut, in dem man das Rittergut Schnellroda erkennen kann, auf dem der rechte Vordenker Götz Kubitschek lebt. Vor allem aber ist die Spitzenkandidatin Nina Schramm eine filmische Wiedergängerin von Frauke Petry - die zu dem Zeitpunkt, als der "Tatort" gedreht wurde, noch Mitglied der AfD war.

Was nervt?

Sich einmal mit den tatsächlichen politischen Akteuren zu befassen, ist ein mutiges Anliegen. Doch leider scheitert dieser "Tatort" daran, echte Menschen entstehen zu lassen. Die Rechtspopulisten sind durchweg unsympathisch, verschlagen und manipulativ. Damit auch der dümmste Zuschauer versteht, wie gefährlich die Positionen dieser Partei sind, muss seinem politisch desinteressierten Sohn Vorträge über die NS-Zeit halten. 

Die Kommissare?

Thorsten Falke und seine neue Kollegin Julia Grosz werden einfach nicht warm miteinander. "Haben Sie was gegen starke Frauen?", fragt Grosz den aufbrausenden Macho. Der gibt sich zerknirscht und will ihr daraufhin das Du anbieten. Was die Kommissarin jedoch ablehnt: "Würde es Ihnen was ausmachen, wenn wir beim Sie bleiben? Ich fühle mich da irgendwie wohler." Beziehungsstatus: Es bleibt kompliziert.

Ein- oder Ausschalten?

Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Das Innenleben einer rechtspopulistischen Partei wirkt wie in der Redaktionsstube ausgedacht, die Politiker sind durchweg zweidimensional angelegt. Wer sich mit der AfD und den parteiinternen Intrigen geschäftigen will, sollte sich lieber die Dokumentation "Wahlkampf, Machtkampf, AfD" anschauen, die in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

Direkt im Anschluss läuft ein weiterer "Tatort": Die im vergangenen Jahr erstmals ausgestrahlte Folge "Narben" wird hier als Wiederholung gezeigt:

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo