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"Late Night Berlin" Annalena Baerbock gibt sich im Kinderinterview auf Augenhöhe – und offenbart eine Wissenslücke

Annalena Baerbock war zu Gast bei Late Night Berlin
Die grüne Kanzlerinkandidatin Annalena Baerbock stellte sich Fragen nach ihrem Wahlkampf, steigendenden Benzinpreisen, ihrem Lebenslauf und ihrem Buch
Bei "Late Night Berlin" stellte sich die grüne Kanzlerinkandidatin Annalena Baerbock den Fragen der Kinder. Heraus kam ein unaufgeregtes Interview auf Augenhöhe, das immerhin einen kleinen "Skandal" aufdeckte.
Von Andrea Zschocher

Nach Olaf Scholz und besonders Armin Laschets desaströsem Interview mit den Late Night Kinderreporter:innen Romeo und Pauline war nun also das Interview mit Annalena Baerbock dran. Die grüne Kanzlerinkandidatin stellte sich Fragen nach ihrem Wahlkampf, steigendenden Benzinpreisen, ihrem Lebenslauf und ihrem Buch. Und sie schlug sich gut. Das lag sicher auch daran, dass sie im Gegensatz zu den anderen Kandidaten die Kinder und ihre Fragen wirklich ernst nahm.

Es sind ja oft die kleinen Dinge, die in solchen Gesprächssituationen auffallen, und, dass Baerbock sich auf Augenhöhe mit Pauline und Romeo begab, wird natürlich zur Kenntnis genommen. Weil es zeigt, dass die Grünen-Politikerin zumindest im Wahlkampf konsequent ist, wenn es um Kinder geht. Als Einzige der drei Kandidat:innen bringt sie die nämlich immer wieder ins Gespräch.

Auf Augenhöhe mit Kindern

Auf die Frage, ob die Arbeit als Bundeskanzlerin ihr wohl Spaß machen werde, gibt sie an, dass das sicher der Fall sein wird. Wichtiger als ihr persönliches Vergnügen aber sei es, in Deutschland Dinge zu bewegen, die Zukunft für alle besser zu machen. Natürlich mag nicht jeder Wählende von dieser Wahlbotschaft überzeugt sein, aber zumindest die Kinder konnten bei der Aussicht auf bessere Schulen und Bildungsmöglichkeiten keine weiteren Fragen in diese Richtung stellen. Denn im Gegensatz zu den anderen Parteien begab sich Baerbock bewusst auf Augenhöhe mit den Kindern und erklärte alle Antworten kindgerecht. 

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Das Geld, das Romeo ihr überreichte, damit sie sich etwas kaufen kann, war ein eher plumper Hinweis auf ihren Vorschlag, Geringverdienende und Familien mit einem "Energiegeld" von 75 Euro für die eventuell steigenden Sprit- und Energiekosten etwas zu entlasten. Annalena Baerbock nahm das Geld, das ihr mehrfach regelrecht aufgedrängt wurde nicht an, sondern verwies darauf, dass sie als Politikerin über genug Geld verfügen würde. Auf die Frage ob sie reich sei, antwortete sie wahrheitsgemäß, dass sie sehr viel mehr hätte, als viele Menschen in diesem Land. Unvorstellbar, solch eine Antwort aus dem Mund eines Armin Laschet

Gerecht ohne Hintertür

Sie erzählte den Kindern auch, dass ihre 75-Euro- Idee auch aus der Not herausgeboren wurde, da Gesetze oft längere Zeit in Anspruch nehmen, sie aber eben zeitnah die steigenden Kosten ein wenig kompensieren möchte. Ob das nicht unfair sei, dass das Geld dann ja auch die bekommen würden, die schon reich sind, fragten die Kinder. Und Annalena Baerbock nahm den Gerechtigkeitssinn, den Kinder noch ganz natürlich haben und der auch selten korrumpierbar ist, an und verwies darauf, dass die Reichen das Geld vielleicht nicht brauchen, es aber dennoch bekommen. Weil es eben gerecht sei, wenn ein Vorschlag für alle gelten soll, ihn dann auch wirklich für alle gelten zu lassen. Ohne Schlupfloch. 

Vorhersehbare Fragen und Antworten

Die Fragen zu ihrem Lebenslauf und den nicht markierten Zitaten in ihrem Buch waren so vorhersehbar wie Baerbocks Antworten darauf. Natürlich gab sie kindgerecht das wieder, was die Wählenden in den letzten Wochen schon in ähnlichen Varianten in diversen Triellen und Politiktalkshows gehört haben. Mit ihrem Wahlkampf scheint die Kandidatin der Grünen zufrieden zu sein. Für den Anfang gab sie sich eine 3-, inzwischen sei sie bei einer 2+. Ob sie Schuld daran sei, wenn die Grünen verlieren, fragte die Kinder. Baerbocks selbstbewusste Antwort: "Nee!" Die Oberflächlichkeit bei manchen Fragen ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass die Zeit knapp und die Antworten von Annalena Baerbock eben wirklich für Kinder gedacht sind, und nicht für das erwachsene Publikum, dass sich die Sendung dann anschaut. 

Skandal bei "Late Night Berlin"

Der einzige Skandal in diesem Interview? Dass Annalena Baerbock ganz offensichtlich keine Ahnung hat, wie Brennnessel funktioniert. Während sie sich noch empfänglich für die Idee der Kinderreporter:innen zeigte, fangen zu spielen mit anderen Politiker:innen, gingen bei der Idee, Gegner mit Brennnessel zu ärgern, die Lichter aus. Sie hätte auf die Schnelle keine Brennnessel zur Hand, erklärte Baerbock, dabei sollte eigentlich klar sein: Brennnessel geht mit den Händen. Indem man nämlich die eigenen Hände am Unterarm des Gegenüber verdreht, entsteht ein doch recht unangenehmes Brennen am Arm. Juckpulver, wie die Grünen-Kandidatin es vorschlug, ist dann nicht mehr nötig.

"Late Night Berlin": Annalena Baerbock gibt sich im Kinderinterview auf Augenhöhe – und offenbart eine Wissenslücke

Als Annalena Baerbock sich mit den Kindern noch das Zelt angucken wollte, winkten diese müde ab. Sie hätten noch Termine und wenn die Politikerin die 75 Euro nicht nehmen würde, dann müssten die ja auch noch gespendet werden. Damit ging, nach dem desaströsen Interview mit Armin Laschet Runde Drei der Kinderreporterinterviews ganz ohne Aufreger zu Ende. Vielleicht lässt sich das Format, dass sich immerhin so großer Beliebtheit erfreute, dass sogar die Times darüber berichtete, ja auch über den Wahlkampf hinweg retten. Es gäbe da sicher noch sehr viele andere Politiker:innen, denen Kinder unbequeme Fragen stellen könnten. 


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