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Bachelor Niko Griesert Frauentausch und Psychospiele: Das war das emotionalste "Bachelor"-Finale aller Zeiten

Der Bachelor
Niko Griesert mit der überraschenden Final-Kandidatin Michèle de Roos
© TV Now
Ausgerechnet Rechtmach-Bachelor Niko Griesert liefert eine der gemeinsten Final-Entscheidungen aller Zeiten: Die Siegerin ist Favoritin Mimi, doch wenn sie diese Folge sieht, könnte ihr die Freude vergehen. Ein Finale, bei dem kein Auge trocken blieb.

Es muss an Corona liegen. Anders lässt es sich nicht erklären, warum jetzt sogar das "Bachelor"-Finale zur absoluten Ausnahmesituation gerät, bei der kein Auge trocken bleibt - weder beim Bachelor, noch bei den Zuschauer:innen. Aber von vorne. Die Final-Kandidatinnen standen letzte Woche eigentlich fest: Bachelor Niko Griesert wollte sich zwischen seiner Favoritin Mimi und deren guter Freundin Stephie entscheiden, schmiss die schweigsame Michèle kurz vor Schluss raus. Nur, um sofort danach Zweifel zu bekommen. "Ich vermisse sie jetzt schon", sagte er. Und beim Vermissen blieb es nicht.

Die letzte Folge beginnt mit einem ungewohnten Blick hinter die Kulissen der Datingshow: Wir sehen Niko Griesert beim Verkabelt-Werden, er fragt eine Mitarbeiterin im Off, ob er nochmal kurz mit ihr reden könne. "Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf", stammelt er. Und: "Ich hab was auf dem Herzen, keiner weiß davon"  Was war passiert? Offenbar hat Niko sofort nach deren Rausschmiss Michèle heimlich kontaktiert - und sich mit ihr getroffen. "Wir haben die ganze Zeit nur geheult." Um die Sache kurz zu machen: Michèle ist wieder im Rennen und Niko besucht die nichtsahnende Stephie in deren Hotelzimmer, um sie aus dem Finale zu schmeißen. Autsch! Alleine diese Wendung gibt dem Finale eine Fallhöhe, die schon lange nicht mehr im Reality-TV zu finden war. So einen Frauentausch gab's bisher erst einmal, und zwar bei einem Bachelor in den USA. Es ist Niko zugute zu halten, dass er beim Gespräch mit Stephie merklich gebeutelt aussieht, die Heulnacht mit Michèle noch deutlich an den Augenringen erkennbar. Trotzdem wird er nun unaufhaltbar zum Fiesling. Das liegt vor allem an der Wandlung von Michèle.

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Die langweilige Michèle wird plötzlich zur Sympathieträgerin

Die ist überglücklich: die Rückhol-Aktion von Niko gäbe ihr das Gefühl, dass er es wirklich ernst meine, erzählt sie und wirkt zum ersten Mal in der gesamten Staffel offen und gelöst. Dabei startete Michèle die Show bereits als Favoritin, zum einen, weil der Bachelor so eindeutig von ihr angetan war, zum anderen, weil die beiden sich kannten. Flüchtig nur, via Instagram, aber: Es gab eine Vorgeschichte. Das passte der Konkurrenz so gar nicht, vor allem die Finalistinnen Mimi und Stephie lästerten häufig über sie. Wenn es damals nicht geklappt habe, was wolle sie dann hier, so der Tenor. Wirklich verständlich war Nikos Begeisterung für Michèle tatsächlich nie, dafür blieb die 27-Jährige zu blass, schüchtern und zurückhaltend. Dass es ausgerechnet an ihr liegt, dass dieses Bachelor-Finale zum Emotionalsten aller Zeiten gerät, kommt umso überraschender. 

Plötzlich sprudelt es nur so aus ihr heraus: Sie habe so bereut, dass sie ihre Gefühle nicht zugelassen habe, sei umso glücklicher, ihm sagen zu können, was sie für ihn empfinde. Im Rückblick sieht man sie unter Tränen über die Show sagen: "Eigentlich wünsche ich mir nur, dass ich jemanden finde, der mich so nimmt wie ich bin. Für den ich genug bin." Jetzt strahlt Michèle, hat nach der emotionalen Achterbahnfahrt gerade wieder Appetit bekommen, da eröffnet ihr Niko, dass Stephie raus ist. Es spricht für ihre Großherzigkeit, dass es sie bedrückt, der enttäuschten Stephie den Platz weggenommen zu haben. "Ich bin schockiert, dass ich soweit gegangen bin", gesteht sie. Und plötzlich hat die Kölnerin die Zuschauer:innen in ihrer Hand, so verletzlich zeigt sie sich. "Es wäre ein kleines Wunder, wenn ich hier wirklich mit ihm zusammen rausgehen dürfte" sagt sie unter Tränen nach dem anschließenden Übernachtungsdate mit ihm.

Bachelor Niko geht den Frauen nahe

Niko freut sich am nächsten Morgen vor allem darüber, dass er endlich die Bestätigung hat, dass er Michèle auch haben könnte. "Jetzt bin ich dem Mann komplett verfallen", sagt sie. Man ahnt, was sie der Schritt sich zu öffnen gekostet hat, als sie gesteht, dass eine erneute Zurückweisung sie sehr verletzen würde. "Ich weiß nicht, ob ich mich dann so schnell wieder fangen würde." Niko, der von sich selbst sagt, dass er "allen ein gutes Gefühl geben" möchte, hat es wie kaum ein anderer Bachelor zuvor geschafft, die Frauen emotional an sich zu binden. Am Tag vorher ist Mimi noch neben ihm aufgewacht und auch die kämpfte hinterher mit den Tränen. "Ich will gar nicht heulen. Der macht's einem nicht leicht der Mann", sagt sie. 

Doch dramaturgisch sind die Sympathien nach dieser Final-Folge klar verteilt: Wer jetzt nicht der schüchternen Michèle endlich ein Happy End gönnt, hat kein Herz. Wie RTL dann bis zuletzt die Spannung aufrecht erhält und bei der finalen Rosenvergabe die Bombe platzen lässt, ist großes Reality-Fernsehen: Emotional, nah dran, und so überzeugend, dass man kaum an die Skripts denkt, denen das Format angeblich auch folgen soll. Überall liegen die Nerven blank. "Mein Wunsch ist, dass ich genau wüsste, was ich will", sagt Niko kurz vor der letzten Rosenvergabe - und bricht tatsächlich in Tränen aus. "Ich sach' doch: Fehlbesetzung", kommentiert er. Mimi sieht so aus, als müsste sie sich vor Aufregung gleich übergeben, was Michèle hinter sich hat, weiß nun jeder.

Und die letzte Rose geht an...

Und dann steht nach einem geschickten Regie-Schnitt von RTL überraschend fest: Der Bachelor entscheidet sich nicht für die dramatisch Zurückgeholte - sondern flüstert Mimi ein "Ich habe dich so vermisst" ins Ohr. Die hatte bisher keine Ahnung, dass sie nicht gegen Stephie antrat und wird beim Blick auf die Folge sicher nicht begeistert sein. Deshalb fällt es schwer, sich für die beiden zu freuen. Zumindest scheint es vielen Zuschauer:innen so zu gehen.

Mal hü, mal hott und kaum hat er Michèle geknackt, entscheidet er sich doch für Mimi - in den sozialen Netzwerken sorgt Nikos Psychospiel prompt für Aufruhr. Ausgerechnet der Bachelor, der es allen recht machen wollte, kassiert einen Shitstorm. Und zwar so doll, dass selbst die doppelt abservierte Michèle eingreift:  "Wir verstecken uns hinter der Anonymität des Internets und meinen über alles und jeden urteilen zu können, das ist nichts, was ich für gut heißen kann und meiner Moral entspricht", schreibt sie auf Instagram.

Es ist ein "Bachelor"-Finale, das nahe geht, vielleicht auch, weil das Ganze gerade jetzt zu Corona-Zeiten noch mehr wie eine große Fantasie wirkt. Sich wochenlang mit so vielen Personen auf engstem Raum treffen, wirklich neue Menschen in natura kennenlernen - das ist alles weit von der Realität entfernt. Umso brutaler kommt Nikos Entscheidung daher. Daher eine Bitte, liebes RTL: Bucht den nächsten Bachelor erst nach der Pandemie. Denn momentan könnten wir alle ein uneingeschränktes Happy End gebrauchen, wenigstens im TV.

sst

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