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Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

"Bauer sucht Frau": Bekenntnisse aus der Bauernhose

Ganz großes Kino: Die Bauern kämpfen sich filmreif durch die Hofwoche. Uwe spielt "Titanic" nach, Friedrich muss zum Duell nach Western-Art antreten - und Rolf erzählt vom traurigen Innenleben seiner Hose.

Von Sophie Lübbert

Mit wehenden Haaren und ausgebreiteten Armen steht Iris auf dem Trecker und lässt ihr Bauchfett entspannt unterm Pulli hervorquellen. "Ich bin die Königin des Feldes", schreit sie ihren Bauern Uwe und die glücklicherweise menschenleere Umgebung nachdrücklich an. Der "sanfte Schweinebauer" grinst entrückt; offenbar ist er nicht nur sanft, sondern auch Fan dieser "Titanic"-inspirierten Szene. Das ist schön für ihn, aber eine Qual für alle anderen. Vor allem für den TV-Zuschauer.

Dabei hatte sich RTL solche Mühe gegeben bei der vierten Folge dieser "Bauer sucht Frau"-Staffel. Die Texte der als Bauern und Hofdamen getarnten Laiendarsteller waren nicht nur direkt aus Hollywood kopiert, sondern dazu teilweise so dämlich wie nie zuvor. Die unterlegte Kitsch-Musik passte selten bis nie zu den Bildern. Und neben Iris' Bauchfett gab es noch genug andere tragische Elemente, um den Zuschauer richtig leiden zu lassen. Allein: Großes Kino war das alles nicht, eher eine schlimme Schmierenkomödie. Deren Thema lautete schlicht, dafür aber umso streitbarer: Essen im Allgemeinen und Sahnetorte im Besonderen.

Erst die Sahnetorte - dann die Nachbarin?

Bei "Titanic"-Iris und ihrem Uwe war alles eitel Sonnenschein und Pfannkuchen. Die gab es nämlich direkt zum Frühstück, zusammen mit dem Wunsch von Iris, doch gemeinsam das Zeitungs-Horoskop zu lesen. Auch hier Glück, wohin das astrologische Auge blickte. Da konnte Uwe gar nicht umhin, seiner Iris das Trecker-Fahren beizubringen und ihr das Feld hollywoodreif zu Füßen zu legen.

Etwas weniger romantisch ging es bei den schwer übergewichtigen Diana und Thomas zu. Gefühlsmäßig bewegen sie sich auf den Gefrierpunkt zu; er will essen, sie abnehmen und seine Pferde wohl am liebsten zu Wurst verarbeiten. Der Kompromiss: eine letzte gehaltvolle Sahnetorte, zu deren Verzehr Thomas gleich die Nachbarin mitbrachte - die augenscheinlich gern für Diana einspränge, sobald die es mit dem kalorienverschlingenden Schwaben ("Ich hab' drei Stück Torte gegessen!") nicht mehr aushalten sollte.

Quotenschwuler mit Langweiler-Problem

Der Quotenschwule Philipp indes hat keine Gewichts-, sondern ein Langweiler-Problem. Er darf ein paar Mal durchs Bild laufen und seine Sammlung von Muskeln in passenden Shirts zeigen, aber nichts essen und nur wenig sagen. Das tut stattdessen Partner Veit, der sich bei Philipps Mutter einschmeicheln will, indem er ihr beim Backen hilft. Kein Streit, kein Skandal, alles wunderbar. Als dann auch noch Philipps Mutter den einzig klugen Satz der Sendung sagt ("Ob schwul oder nicht, der Philipp ist doch immer noch derselbe"), blendet die Kamera aus und lieber auf ein peinlicheres Paar.

Davon gibt es ja genug. Zum Beispiel den wortkargen Friedrich mit seiner Inge, die sich aufführt wie eine schlecht gelaunte Gouvernante. Sie bricht kurzerhand die Tiefkühltruhe auf und bringt ihrem Bauern ein Eis in den Garten und auf die Hand ("Mach mal ein Fäustchen!"). Nach dem Essen überredet Inge den armen Friedrich noch zu einem Wettlauf zu den Klängen von "Spiel mir das Lied vom Tod"; schlecht für die Würde, aber gut für die Verdauung - und immer noch besser als das, was Silvia mit ihrem Rolf durchleiden muss.

"Da geht mir jedes Magengeschwür von auf"

Der freut sich, als Silvia mit ihm zum unvermeidlichen Trecker-Fahren geht und sich dabei wenig subtil ihr Top auszieht. "Er soll ja mein Getriebe sehen", erklärt die Dame und posiert dann im Blümchen-BH und mit Sonnenbrille für ihren Bauern. Der hat rein zufällig eine Kamera dabei und knipst drauflos, so schnell es ihm die aufgestauten Hormone erlauben. "Da geht mir jedes Magengeschwür davon auf", sabbert Rolf und brabbelt dann noch schreckliche Details über das offenbar lange Zeit stillgelegte Innenleben seines Hosenschritts - glücklicherweise ist er so außer sich, dass kaum etwas davon zu verstehen ist.

Die geplante Hollywood-Schmonzette driftet spätestens jetzt schnell und sicher Richtung peinlich-unbeholfenes Homevideo-Sex-Filmchen ab - und man wünscht sich nichts mehr, als dass diese Sendung schneller untergehen mag als die "Titanic" damals.