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TV-Kritik

"Brennpunkt" zum Thema Rassismus: Carolin Kebekus schafft, wobei Maischberger versagt: Sie gibt Schwarzen eine Stimme

In der "Carolin Kebekus Show" wird es heue Abend ungewöhnlich ernst: Die Comedienne zeigt in ihrer Sendung einen "Brennpunkt", der sich mit Rassismus in Deutschland befasst. Damit lässt sie ihren eigenen Sender ziemlich schlecht aussehen.

Shary Reeves in der "Carolin Kebekus Show"

Shary Reeves moderiert in der "Carolin Kebekus Show" einen "Brennpunkt" zum Thema Rassismus in Deutschland.

Der qualvolle Tod von George Floyd durch Polizeigewalt schockiert viele Menschen auch in Deutschland. Weil es bislang noch keinen ARD-"Brennpunkt" zu diesem Thema gab, stellt Carolin Kebekus in ihrer Show (Donnerstag, 23 Uhr im Ersten) für einen Moment den Humor zurück und sendet einen eigenen Beitrag. Dafür räumt sie sogar den Platz und überlässt das Pult der Musikerin und Publizistin Shary Reeves.

Die stellt gleich klar, dass sie nicht gewillt ist, lediglich mit dem Zeigefinger auf die bösen USA zu zeigen. Denn: "Rassismus tötet auch in Deutschland", wie sie zu Beginn sagt. "Wir alle sind Teil eines strukturell rassistischen Systems", so Reeves, die an den Fall von Oury Jalloh erinnert: Der aus Sierra Leone stammende Mann kam 2005 in Polizeigewahrsam ums Leben: Er verbrannte in seiner Zelle. 

Ein bedrückendes Stück Fernsehen

Die USA sind weniger fern, als viele denken. Überhaupt: "Menschen mit heller Haut können nicht nachvollziehen, was Menschen mit dunkler Haut widerfährt", sagt die 51-jährige gebürtige Kölnerin - und vergleicht das mit einer Schwangerschaft. Wer nie selbst ein Kind zur Welt gebracht hat, kann bei dem Thema ebenfalls nicht mitreden. 

Es folgt das Herzstück dieses "Brennpunkts": Zahlreiche Deutsche dunkler Hautfarbe kommen in den folgenden Minuten zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Und selbst wenn man vorher eine Vorstellung hatte, was diese Menschen erlebt haben, so ist das in dieser Häufung und Schrecklichkeit schwer zu ertragen. Es äußern sich unter anderem der Rapper Denyo (Beginner), die Politiker Aminata Touré und Karamba Diaby, Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela und die Moderatoren Mo Asumang und Aurel Mertz. 

Sandra Maischberger reagierte erst auf Druck

8 Minuten und 46 Sekunden dauern diese Schilderungen. So lange, wie der amerikanische Polizist auf George Floyd gekniet hat. Ein bestürzendes Video, das die Redaktion von Sandra Maischberger ziemlich schlecht aussehen lässt: Die sah sich erst auf öffentlichen Druck in der Lage, für die Sendung, in der es auch um Rassismus ging, einen schwarzen Gast einzuladen. Einen Tag später stellt Kebekus mal eben einen Beitrag auf die Beine, in der mehr als zehn medienaffine Menschen über ihre Rassismus-Erfahrungen reden. 

So bedrückend der "Brennpunkt" war, die meisten Zuschauer haben einen großen Vorteil: "Zum Glück können Sie den Beitrag abschalten", sagt Shary Reeves am Schluss in Richtung weißes Publikum. "Für Menschen wie mich ist das Alltag. Da ist nichts mit abschalten."

"Die Carolin Kebekus Show" wird am Donnerstag um 23.00 Uhr im Ersten ausgestrahlt.