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CSI: "Grave Danger": Martyrium in Grabesstille

Quentin Tarantino hat sich einen Traum erfüllt und eine Folge der zurzeit erfolgreichsten Serie der Welt gedreht. Der Kult-Regisseur lässt die schlimmsten Alpträume der "CSI"-Ermittler Wirklichkeit werden und zeigt Horror vom Feinsten.

Von Jens Lubbadeh

Nein Kirk, fass' jetzt bloß diese Pelzdinger nicht an! Das geht schief! Und wieso beamt Scotty euch denn nicht endlich hoch?

Haben Sie sich auch schon einmal dabei ertappt, den Darstellern ihrer Lieblingsserie zurufen zu wollen, was sie im nächsten Moment tun sollen? Wie schön wäre es doch, mal selbst Regie führen und Captain Kirk, Jack Bauer oder Carrie Bradshaw nach seiner eigenen Pfeife tanzen lassen zu können...

Wenn Sie jetzt zustimmend nicken, haben Sie etwas mit Quentin Tarantino, Hollywoods Bad Boy unter den Regisseuren, gemeinsam. Der konnte sich nämlich diesen Traum erfüllen, indem er beim Finale der fünften Staffel von CSI die Regie führen durfte. "Man fühlt sich wie eines kleines Kind, das zuhause 'Raumschiff Enterprise' schaut und denkt: "Wäre es nicht cool, wenn Spock und Kirk dies und das täten?", sagte er nach den nur 16-tägigen Dreharbeiten der Zeitung USA Today. Dabei ist es bereits sein zweiter Ausflug in die TV-Serienwelt. Was kaum einer weiß: Mr. Pulp Fiction ist vor mehr als zehn Jahren schon einmal mit dem Fernsehen fremd gegangen, als er eine Folge von "Emergency Room" drehte.

Tarantino und "CSI"?

Nun also durfte der nicht gerade als zimperlich bekannte Regisseur das Finale einer Serie dirigieren, die eher nach seinem Geschmack sein dürfte: "CSI: Las Vegas". Herausgekommen ist die Doppelfolge "Grave Danger" ("Grabesstille").

Tarantino und "CSI"? Passt das? Schließlich ist "Crime Scene Investigation" eine Serie, die ihren Reiz aus den technischen Spielereien ihrer High-Tech-Ermittler zieht. Und das so erfolgreich, dass sie innerhalb von fünf Jahren bereits die zwei Spin-Offs "CSI: Miami" und "CSI: New York" hervorgebracht hat. Eigentlich so gar nicht Quentin Tarantinos Welt, der eher dem Abgründigen zugeneigt in seinen Filmen regelmäßig die problematische Hochzeit von exzessiver Gewalt und bitterbösem Sarkasmus zelebriert. Bevorzugt mit dickflüssigem Rot gesprenkelt.

Diebische Freude am Horror

Tarantino und "CSI" - da trifft Hightech auf Horror. Was herausgekommen ist, ist interessant, gelungen und sehenswert. So hat Tarantino eine intelligente Geschichte fein um ein ganz archaisches Horrorelement gewoben, das er auch schon in "Kill Bill 2" streifte: das lebendig Begraben werden. Vor diesem grausigen Setting hat sich Tarantino darauf konzentriert, den "CSI"-Hightech mit seinen eigenen Waffen zu schlagen und die hochgerüsteten und sich stets in Kontrolle der Situation wähnenden "CSI"-Ermittler in völliger Hilflosigkeit zappeln zu lassen. Man merkt, dass er eine diebische Freude daran gehabt haben muss, sich all die kleinen technischen Teufeleien auszudenken, die spiegelbildlich die Raffinessen der Ermittler ausbremsen. Offenbar so viel Spaß, dass er bereits über seine eigene TV-Serie nachdenkt, wie Tarantino der Zeitschrift "TV Guide" verriet.

"Grave Danger" verzichtet auf Splatter und übermäßige Gewalt - was dem Horror jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Was noch grausamer ist als die Tat selbst, sich im Kopf festfrisst und fortspinnt, ist ihre minutiöse Planung. Jeder Schritt, jedes Detail, das dem irren Gehirn des Täters entspringt, folgt einer stringenten Logik und sucht nur ein Ziel: maximale Rache. Die der Übeltäter selbst gar nicht mehr auskosten kann, weil zu seinem Plan dazu gehört, sich selbst in die Luft zu sprengen. Dieser Horror erinnert an Thomas Harris' Romane mit dem Überpsycho Hannibal Lecter und macht die Faszination von "Grave Danger" aus.

Übrigens gibt es eine interessante Verbindung zu dem größten Psychopathen der Filmgeschichte: William L. Petersen, der Hauptermittler Gil Grissom verkörpert, hatte 1986 als Polizist in "Manhunter" (deutscher Titel: "Blutmond") bereits mit Lecter zu tun. "Manhunter" war die erste (und wesentlich bessere) filmische Adaption des Thomas-Harris-Romans "Roter Drache", damals unter der Regie von Michael Mann. Er versank jedoch wieder in Vergessenheit - bis wenige Jahre später dann Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" Hannibal the cannibal erst zum ganz großen Durchbruch verhalf.

Schnell und glatt – zu glatt?

Zurück zu "Grave Danger". Das Räderwerk des Irrsinns beginnt mit einem verstörenden Fund, der auch aus einem David-Lynch-Film stammen könnte: Ein Haufen Gedärme liegt mitten auf einem verlassenen Parkplatz. Wie sich herausstellt, sind es die eines Hundes, offensichtlich aus einem ganz bestimmten Grund dort platziert. Nick Stokes vom "CSI" soll herausfinden warum. Es wird der Beginn eines 12-stündigen Martyriums, in das Nick zufällig hineingeraten ist - denn eine Münze hat entschieden, dass er den skurrilen Fund untersuchen sollte und nicht sein Kollege Warrick.

Gerettet wird Nick letztlich nicht durch High-Tech, sondern durch ganz klassische Ermittlung. Wenn auch Tarantino "CSI"-Chef Gil Grissom als besten Ermittler seit "Columbo" bezeichnete, besinnt er sich somit wieder zurück zu den "Columbo"-Wurzeln. Allerdings geht es bei "Grave Danger" doch schneller zu als zu Zeiten des zerknautschten Trenchcoat-Polizisten - gegen Ende hin sogar eine Spur zu schnell. Und auch zu glatt.

Typischer Tarantino-Style

Musste sich Tarantino in Sachen Gewalt und Zynismus vielleicht etwas im Zaum halten, konnte er es dennoch nicht unterlassen, zwei Duftmarken in "Grave Danger" zu setzen. Wie schon mit John Travolta in "Pulp Fiction" und Pam Grier in "Jacky Brown" fröhnt Tarantino seinem Faible, fast vergessene Schauspieler wieder zu reanimieren. Und während Nick Stokes lebendig begraben wird, wird die fast schon vergessene Schauspieler-Legende Tony Curtis wieder ausgebuddelt. In einer Casino-Szene darf er sein offensichtlich geliftetes Gesicht mal wieder in eine Kamera halten.

Und dann, fast ganz am Ende, kommt er dann doch noch - der zynisch-alberne Sarkasmus, auf den man schon glaubte in der ganzen Doppelfolge verzichten zu müssen. Erstaunlicherweise wurde diese Szene auffällig in Schwarz-Weiß gedreht. Zur Sicherheit? Damit auch der gewöhnliche "CSI"-Seriengucker begreift, dass er es hier mit tarantinoschem Humor zu tun hat? Bei diesen beiden Duftmarken bleibt es dann leider auch. Wenn auch die Geschichte von "Grave Danger" durchdacht, teuflisch und spannend ist - hier hätte man sich ruhig noch mehr Tarantino-Style gewünscht.

Wird es weitere Serien-Gastspiele von Quentin Tarantino gebe? Hoffentlich. Mein persönlicher Wunsch wäre eine Teletubbies-Folge, directed by Quentin Tarantino.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo