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Ramona gewinnt "Deutschlands schönste Frau" In der Vorhölle zum Dschungel


Ramona ist "Deutschlands schönste Frau". Auserkoren wurde sie von Uniform-Schneider Guido Maria Kretschmer, der Frauen jeden Alters immer wieder auf Mode und Sexyness eicht.
Von Jan Zier

Deutschlands schönste Frau ist – nein, quatsch: Darum geht es ja gar nicht. Aber dazu später. Wobei: Diese Ramona, die gerade das TV-Casting gleichen Namens gewonnen hat, sieht nach dem marktgängigen Geschmack wirklich gut aus und hätte im Grunde auch jede andere handelsübliche Schönheitskonkurrenz gewonnen. Sie ist halt der Typ Frau, die bei solchen Gelegenheiten gerne genommen wird: Blonde, lange Haare, schlank, dazu ein Lächeln, das von einem Ohr zum anderen reicht. Natürlich würde so eine diesen Titel gewinnen.

"Deutschlands schönste Frau", das ist ein Fernsehformat für Frauen, die zu alt für Heidis Topmodel-Camp sind, vielleicht auch nicht dürr genug, aber andererseits auch grad keinen Mann suchen oder schon einen haben oder beides, also nicht beim "Bachelor" unterkommen, oder bei "Bauer sucht Frau". Und doch mal zum Fernsehen wollen! Für diese Zielgruppe gibt es jetzt "Deutschlands schönste Frau".

Das nächste Dschungelcamp braucht Kandidaten

Auch das nächste Dschungelcamp wird wieder Kandidatinnen brauchen. Gerne solche wie Ramona, die sich auch mal oben ohne zeigen. Überhaupt sind Frauen, die schon mal ein paar Wochen mit zig anderen in einem TV-Gefängnis gelebt haben und obendrein danach lechzen, überall in Unterwäsche plakatiert zu werden, hervorragend für den Dschungel geeignet, immerhin: die Königsdisziplin aller Trash-TV-Formate. Erst recht, wenn sie hinterher Sätze sagen wie diesen: "Ich hab hier viel über mich gelernt!" Und dann auch noch eine Geschichte zu erzählen haben, die den Zuschauer auf dem Sofa irgendwie anrührt: "Ach, die hat's aber auch nicht leicht gehabt, gell!"

Altenpflegerin Ramona, zum Beispiel, 33, hat ihren Vater nie kennengelernt, außer einmal, in der Kaufhalle, mit 11 war das; ihre Mutter war Alkoholikerin, dazu Analphabetin. Mit 15 wird Ramona das erste Mal schwanger. Für den Moderator Guido Maria Kretschmer ist sie eine Mischung aus Sylvie van der Vaart, heute Meis, und Michelle Hunziker. Was sie als "Deutschlands schönste Frau" qualifiziert? "Sie sieht so amerikanisch aus", sagt Kretschmer. Über 14.000 Menschen "gefällt das" bei Facebook, drei Millionen haben allein die Auftaktsendung gesehen.

Was macht Kretschmer zum Stylepolizisten?

Freunde des gehobenen Trash-Fernsehens kennen Kretschmer schon von all diesen Vorläufern, die "Shopping Queen" hießen und "Promi Shopping Queen" oder "Hotter than my daughter". Außerdem ist er "Corporate-Fashion-Designer", also eine anerkannte Fachkraft für Uniformen. Er darf Unternehmen aller Art mit Einheitskleidung ausstatten. Das qualifiziert ihn unbedingt für den Posten des Stylepolizisten, zumal er auch noch schwul ist, wie fast jeder anerkannte Designer. Eher von der unauffälligen Sorte allerdings, auch wenn sie ihm im Fernsehen wohl nahe gelegt haben, doch wenigstens etwas mehr die Tucke zu geben. Kretschmer ist einer, der mit "normal" bestens beschrieben ist, zwischen Versicherungskaufleuten kaum auffällt und auch froh darüber ist.

Gesucht war "eine neue Generation Frau"

Für den Branchendienst Meedia ist "Deutschlands schönste Frau" das "worst-of bereits etablierter Reality-Trash-Formate". Aber im Grunde ist die Show vor allem eine Art Dauerwerbesendung für ihren Moderator, und auch für diese Wäschemarke, Sie wissen schon, die nun überall Ramonas Foto platziert. Es ist so eine Art Shopping-TV für jene, die diese Shopping-Kanäle im Fernsehen doof finden und bei der Werbung immer zappen gehen. 20 Frauen hat Kretschmer dafür ausgesucht, zehn bis, zehn ab 30. Am Anfang waren natürlich auch solche dabei, bei denen schon klar war, dass sie keine Chance haben würden: Füllige Frauen und solche mit Glatze, welche mit Tattoos und sportliche Witwen. Weil: Die Sendung hatte ja eine Mission: Gesucht wurde nämlich – tatatata! - "Die Botschafterin einer neuen Generation Frau".

Gefunden wurden alte Rollenbilder

Die letzten vier im Finale waren dann aber natürlich doch vor allem Botschafterinnen des bekannten sexistischen Frauenbildes: Schön sollen sie sein, Kinder großziehen und trotzdem auf High Heels stöckeln können, sexy sollen sie aussehen, und modekonform, dabei aber keinesfalls auffallen wollen. Natürlichkeit ist bei Frauen jenseits der 40 zwar ganz ganz gerne gesehen, aber durchaus kein Muss. Ein Plastik-Busen, aufgespritzte Lippen und korrigierte Nasen sind selbstverständlich auch okay. Es geht hier schließlich um Uniformierung, äh: Selbstoptimierung! Dennoch sollen Frauen hier immer ein bisschen Mädchen bleiben und sich natürlich werberelevant für Kleider, Taschen, Wäsche und Schuhe interessieren. So wie Erna, Deutschlands zweitschönste Frau und Siegerin der Kategorie: "Frauen bis 30". Sie hat 360 Paar Schuhe, von denen jedes unverzichtbar ist. Wenn es also hier eine Botschaft gibt, dann diese: Das alles ist nicht nur was für junge Frauen! Sondern für alle! Auch zwar für jene aus den berühmten schwierigen Verhältnissen: Erna etwa ist in Bosnien-Herzogowina geboren und floh als Kind nach Deutschland. Deutsch hat sie im Fernsehen gelernt.

"Isch bin isch", sagt Erna, aber das ist natürlich kein Grund, die Frau einfach so sein zu lassen, wie sie eben ist: Denn, um es mit Kretschmer zu sagen: es geht darum "Perfektion zu zeigen" - also: "das ganze normale Leben".


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