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Guido Maria Kretschmer im stern-Interview: "Es war sofort um mich geschehen"

Guido Maria Kretschmer sucht bei RTL nach "Deutschlands schönster Frau". Gemeinsam mit Ehemann Frank Mutters spricht er mit dem stern über 30 Jahre Treue und bedingungslose Liebe.

Von Nora Gantenbrink und Christine Zerwes

Guido Maria Kretschmer: Das Geheimnis seiner 30-jährigen Beziehung

Bei der Show "Hotter Than My Daughter" hat Guido Maria Kretschmer bereits Mütter umgestylt, die ihren Töchtern optisch Konkurrenz machen wollten. Nun begibt sich der Designer ab Mittwochabend bei RTL (21.15 Uhr) auf die Suche nach "Deutschlands schönster Frau". Vorab hat Kretschmer mit seinem Ehemann Frank Mutters im stern-Interview über Treue und bedingungslose Liebe gesprochen.

Herr Kretschmer, Herr Mutters, Sie sind seit fast 30 Jahren ein Paar. Das finden wir toll, das würden wir auch gern irgendwann schaffen. Bitte erklären Sie uns: Wie geht das?

Kretschmer:

Ach, Kinder, das würde ich ja gern, aber das geht doch nicht. Da gibt es doch kein Rezept für.

Schade.

Kretschmer:

Vielleicht einen Tipp: Du darfst dich nicht in jemanden verlieben und später glauben, der wird sich für dich ändern. Das gilt für Heteros genauso wie für Schwule. Du darfst nie einen Menschen für dich verändern wollen.

Mutters:

Das stimmt, wir haben uns immer so gelassen, wie wir waren. Und wir haben von Anfang an zusammen von unserer Zukunft geträumt.

Wie und wann haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Kretschmer:

Vor 29 Jahren in Münster, am 4. Juli, um genau zu sein. Ich war damals noch viel mit meiner engen Freundin Sybille unterwegs. Das war eine ganz Wilde aus gutem Hause. Die sagte immer: "Ich bin die Sybille und nehm auch die Pille!" Die war leicht nymphoman, aber ein ganz toller Mensch. Und mit der wohnte ich zusammen. Und schon am Tag der Unterzeichnung des Mietvertrags hatte es Sybille hinbekommen, erst mit dem alten Mieter und dann noch mit dem Vermieter zu schlafen.

Oha!

Mutters:

Ja, die Sybille war wooow! Eine echte Erscheinung.

Kretschmer:

Aber zur Frage zurück. Ich war also mit Sybille unterwegs, und es fing an zu regnen, und wir sind in die nächste Hippie-Kneipe rein, und Sybille geht aufs Klo und sagt zu mir: "Guido, da kommt einer, den will ich unbedingt!" Und plötzlich sehe ich, wie jemand einen blinden Cockerspaniel mit Fingerschnipsen durch die Kneipe führt. Und das war der Frank.

Das müssen Sie genauer erklären!

Mutters:

Ich hatte einen Cockerspaniel, der war mit vier Jahren erblindet und seitdem darauf trainiert, meinem Schnipsen zu folgen und sich so zurechtzufinden.

Kretschmer:

So war das, und das fand ich so rührend. Ich hab gedacht: Wer einen blinden Cockerspaniel durch die Kneipe führt, muss jemand sein, der kann lieben. Auf den kann man sich verlassen. Und dann habe ich mich runtergebeugt und diesen Hund gestreichelt. Ich sah römische Ledersandalen bis zum Knie. Und dann schaute ich hoch und sah zum ersten Mal in meinem Leben eine Armani-Lederjacke. Und dann dieser Typ da drin, braun gebrannt, kam gerade zurück von Ibiza. Diese strahlend-blauen Augen. Es war sofort um mich geschehen.

Mutters:

Um mich aber auch.

Liebe auf den ersten Blick?

Beide:

Ja.

Kretschmer:

Die Sybille sagte noch: Guido, das ist meiner, der ist nicht schwul. Aber da hatte sie unrecht.

Mutters:

Ich war damals 30 und Guido 20, und der sah so jung aus. Ich dachte nur: Bitte, bitte, lass den schon 18 sein!

Aber das war er, und seitdem sind Sie zusammen?

Kretschmer:

Ja, so war es. Und alle, denen ich Frank vorstellte, waren begeistert: meine Schwester, meine Mutter, meine Freunde. Alle. Und ich weiß noch, wie wir das erste Mal zusammen aus waren im "Hardys", in so einem hippen Lokal in Münster, und dann haben wir da gesessen, und der Frank hat meine Hand genommen, und es war klar: Wir sind jetzt zusammen. Ganz einfach. Und seit diesem Tag, das muss man wirklich sagen, war unser Leben gut.

Mutters:

Glücklich war es. Der Guido hat immer viel gearbeitet und auch hart, aber der machte das gerne, und ich wusste, was er macht, wird er gut machen.

Wie haben Ihre Eltern auf das Outing reagiert?

Mutters:

Ich bin in den Fünfzigern geboren, da war Schwulsein natürlich noch mal eine andere Nummer. Meine Eltern hätten bestimmt auch nichts dagegen gehabt, wenn ich eine Uschi oder Petra geheiratet hätte, aber sie hatten auch nie was gegen Guido - im Gegenteil. Wenn meine Mutter heute anruft, redet die mehr mit Guido als mit mir. Außerdem komme ich aus einem extrem liberalen Elternhaus. Mein Vater, ein niederländischer Verbindungsoffizier, hat die Lebenshilfe gegründet, sich immer für Behinderte eingesetzt. Meine Eltern waren viel zu weltoffen, als dass sie mit meiner Homosexualität nicht hätten umgehen können.

Kretschmer:

Die Eltern von Frank sind ja jetzt schon ganz alt. Die haben sich gefreut, dass sie noch unsere Hochzeit 2012 erlebt haben, das war ihnen wichtig. Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu Franks Mutter, sie hat mal meine Hand genommen und gesagt: "Ich danke dir, Guido." Und ich habe gesagt: "Wofür denn, Ursula?" Und sie hat geantwortet: "Dafür, dass du den Frank so sehr liebst, wie ich es tue."

Bei der Modewoche in Berlin präsentierte Kretschmer seine Kollektion für Herbst-Winter 2015/2016

Bei der Modewoche in Berlin präsentierte Kretschmer seine Kollektion für Herbst-Winter 2015/2016

Guido Westerwelle hat im stern gesagt: "Bevor ich den Löffel abgebe, ist Schwulsein eine Selbstverständlichkeit." Hat er recht?

Kretschmer:

Bevor Westerwelle über das Löffelabgeben nachdenkt, hätte er sich lieber in seiner Amtszeit mehr für Schwulenrechte einsetzen sollen. Außer dass er schwul ist, hat er ja nicht viel getan. Eine Schwulenikone ist er jedenfalls nicht.

In den 80er Jahren sind Sie beide dann zusammen nach Ibiza gegangen. Sie, Herr Kretschmer, haben dort einen Hippie-Stand mit Brokatjacken eröffnet.

Kretschmer:

So hat alles angefangen. Wir hatten eine unglaubliche Sehnsucht nach Freiheit und sind nach Spanien ausgewandert. Ich habe Mode entworfen, Frank hat gemalt, die Sonne hat geschienen. Als ich erste Sachen verkauft hatte und plötzlich große Aufträge kamen, sagte ich: "Frank, lass uns doch Eigentum kaufen." Frank sagte: "Oh, Gott, bloß nicht!" Ich war sicherlich immer der Kommerziellere von uns beiden.

Mutters:

Ich wollte immer frei sein und materiell ungebunden. Reichtum war mir nie wichtig. Immer wenn wir in Spanien umzogen, haben wir alles, was nicht in den Bulli passte, da gelassen. Es gab nur eine Regel: Die Hunde mussten mit, die Nähmaschine und wir!

Sie hätten also auch als verkappte Hippies auf Ibiza enden können?

Kretschmer:

Sicherlich, und das wäre auch nicht schlimm gewesen. Der Frank hat mir vertraut. Und ich wusste, er würde mich nie verlassen, der bleibt immer bei mir. Und deshalb hatte ich immer das Gefühl, dass mir nichts auf der Welt passieren kann.

Sind Sie immer treu gewesen?

Beide:

Immer.

Kretschmer:

Natürlich sind wir gescheit genug zu wissen, dass es immer passieren kann, dass man auch mal jemand anderen trifft, gerade in unseren Berufen. Aber bislang - toi, toi, toi - ist es uns noch nicht passiert. Vielleicht, weil wir wissen, dass unsere Beziehung etwas Besonderes ist. Und wenn wir uns betrügen würden, das würde etwas von dieser Heiligkeit zwischen uns nehmen. Außerdem ist Frank jeden Morgen der Erste, mit dem ich rede. Und am Abend der Letzte. Ob ich jetzt in Tokio bin oder wir beide zu Hause in Berlin. Frank ist immer der Erste und immer der Letzte. Und den könnte ich ja nicht anrufen, wenn neben mir jemand anderes läge.

Herr Kretschmer, Sie sind mit Ihrer Mode und der Fernsehsendung "Shopping Queen" sehr erfolgreich. Deshalb sind Sie beide auch wieder zusammen nach Berlin gezogen. Ihr Stilratgeber ist seit Wochen in den Bestsellerlisten. Die "FAZ" schrieb, Sie hätten eine der "bemerkenswertesten Karrieren der vergangenen Jahre im Boulevardfernsehen zurückgelegt". Die Frauen lieben Sie. Warum eigentlich?

Mutters:

Ich hätte mich gewundert, wenn die Welt Guido nicht zu Füßen gelegen hätte.

Kretschmer:

Vielleicht, weil ich authentisch bin. Weil ich nicht die Meinung von vielen Modedesignern vertrete, dass man Mode macht, ohne sich zu fragen, wer das tragen wird oder will. Wisst ihr, ich mag Menschen. Ich mag Frauen. Ich unterhalte mich gerne mit Leuten, egal, ob sie Prada-Schuhe tragen oder preiswerte Turnschuhe. Das kümmert mich nicht. Ich mag Boden unter den Füßen.

Trotz aller Bodenständigkeit sind Sie jetzt berühmt.

Kretschmer:

Das stimmt, aber ich freue mich, wenn mich Leute ansprechen. Nur letztens, da kam eine vornehme alte Dame zu mir und sagte: "Herr Kretschmer, ich finde Sie so toll. Ich würde Sie so gerne mal im Nacken lecken. Das mache ich bei meinem Mann auch immer!" Da habe ich gesagt: "Gute Frau, bei aller Liebe, in meinem Nacken rumlecken, das geht zu weit. Machen Sie das mal lieber weiter mit Ihrem Mann."

Bevor Sie, Herr Kretschmer, Mode entworfen haben, sollen Sie zwei Semester Medizin studiert haben. Was für ein Arzt wollten Sie werden? Frauenarzt?

Kretschmer:

Um Gottes willen, nein, kein Gynäkologe. Dann schon eher Psychiater. Das mach ich ja heute quasi auch. Aber ernsthaft: Ich hab mich für die Menschen im Krankenhaus interessiert. Ich fand die hochspannend. Außerdem sind ein paar anatomische Grundkenntnisse für einen Modedesigner nicht von Nachteil. Ich finde es gut zu wissen, wie ein kranker Körper aussieht, weil ich dann auch weiß, wie man mit Mode helfen kann. Was glaubt ihr, wie viele Frauen mit Brustkrebs ich kenne.

Für seine Sendung "Shopping Queen" erhielt Guido Maria Kretschmer 2014 den Deutschen Fernsehpreis

Für seine Sendung "Shopping Queen" erhielt Guido Maria Kretschmer 2014 den Deutschen Fernsehpreis

Nehmen wir einmal an, dieses Jahr würde alles zusammenbrechen. "Shopping Queen" würde abgesetzt, Ihre Firma ginge pleite, und Sie wären nicht mehr so erfolgreich und beliebt wie jetzt.

Kretschmer:

Der Frank wäre wahrscheinlich froh darüber ...

Mutters:

... dann können wir endlich unsere Häuser verkaufen und wieder in den Bulli ziehen!

Letzte Frage: Herr Kretschmer, bei uns in der Redaktion tragen einige Männer breit karierte Hemden und Hosen, die man unten mit einem Reißverschluss verkürzen kann. Wir finden das grauenvoll. Wie können wir denen nett sagen, dass das scheußlich aussieht?

Kretschmer:

Haben diese Männer Partnerinnen?

Sogar langjährige.

Kretschmer:

Dann ist es schwierig. Wenn Männer sich erst mal in ihrem Modestil und in ihren Beziehungen eingerichtet haben, bekommt man sie nicht mehr so leicht heraus. Vielleicht muss man die dann auch einfach so lassen. Obwohl: Multifunktionshosen braucht kein Mensch!

Das Interview erschien im stern Ausgabe 8/2014

"Deutschlands schönste Frau", die neue Show von Guido Maria Kretschmer, läuft ab dem 11. Februar um 21.15 Uhr bei RTL

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Von:

und Christine Zerwes