HOME

ARD-Film: Die verratene Spionin - der Tod der Mata Hari

Vor 100 Jahren wurde Mata Hari getötet, die berühmteste Spionin der Welt. Doch war sie wirklich eine gefährliche Doppelagentin? Ein TV-Film weckt Zweifel an ihrer Wirksamkeit.

Mata Hari

Mata Hari (Natalia Wörner, l.) wird von der deutschen Offizierin Dr. Elsbeth Schragmüller (Nora Waldstätten) zur Spionage nach Frankreich geschickt.

Ihr Name ist Legende, mehr als 250 Bücher und zahlreichen Filme beschäftigen sich mit Mata Hari, der berühmten Doppelspionin. Ihr Ende ist bekannt: Sie wurde vor rund 100 Jahren, im Oktober 1917, wegen Hochverrats von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt.

Der sehenswerte ARD-Film "Mata Hari - Tanz mit dem Tod" beginnt mit den letzten Minuten ihres Lebens. Die von Natalia Wörner verkörperte Spionin wird zur Exekution geführt. Aus dem Off spricht sie zu dem Zuschauer, und beteuert ihre Unschuld. "Ich habe keine Soldaten verraten. Ich bin keine Bestie. Ich bin nur eine Frau. Eine Tänzerin", spricht sie. Und benennt die Hauptschuldige für ihr Schicksal: "Ich verdanke das dem Fräulein Doktor.“

Mata Hari ist in finanziellen Nöten

Bei diesem "Fräulein Doktor" handelt es sich um Dr. Elsbeth Schragmüller die Leiterin der deutschen Spionageabteilung gegen Frankreich. Zu Zeiten des Ersten Weltkriegs war es in Deutschland unüblich, dass eine Frau eine solche Position bekleidet. Somit ist das Dokudrama nicht nur ein Film über die legendäre Spionin, sondern auch über das Aufeinandertreffen zweier starker Frauen - das nur eine von ihnen überleben wird.

Mata Hari

Die berühmte Spionin Mata Hari war eigentlich eine niederländische Tänzerin, mit richtigem Namen hieß sie Margaretha Geertruida Zelle. Am 15. Oktober 1917 wurde sie in Frankreich hingerichtet.

Nora Waldstätten verkörpert Dr. Schragmüller als eiskalte Offizierin, die ihre Triebe komplett unterdrückt. Wofür sie von der frivolen Mata Hari aufgezogen wird: "Ich wette, Sie haben im ganzen Leben noch nie einen nackten Mann gesehen", stichelt die. "Sie leben wie eine Nonne, und der Herrgott ist ihr Krieg." Tatsächlich war auch die so kontrolliert wirkende Schragmüller einst verlobt, doch der Mann fiel 1914 dem Krieg zum Opfer - so stellt es zumindest der Film dar.

Das Dokudrama bemüht sich, einen nüchternen Blick auf die historischen Ereignisse zu werfen. Anstelle reißerischer Sexszenen, die das Leben der bis heute bekannten Agentin hergeben würde, interessiert sich "Mata Hari" für eine möglichst faktengetreue Einordnung der Geschehnisse. Für zwischendurch eingestreute Kriegsszenen verwendet die ARD-Produktion Archivaufnahmen, und auch sonst hat sich Regisseur und Autor Kai Christiansen um historische Akkuratesse bemüht.

"Sie erreicht die Ziele auf ihre Weise" 

Schragmüller macht sich die finanziellen Nöte der freizügigen Tänzerin zunutze, die 1916 zum Zeitpunkt ihrer Anwerbung für den Spionagedienst bereits 40 Jahre alt war. Zwar gilt Mata Hari im deutschen Geheimdienst als unzuverlässig und verschwenderisch, doch ihre Führungsoffizierin ist sicher: "Sie erreicht die Ziele auf ihre Weise."

Tatsächlich knüpft Hari in Paris Kontakte zu dem russischen Offizier Wladimir "Vadim" de Masloff (Vladimir Burlakov), der auf Seiten Frankreichs kämpft und ihr einen Heiratsantrag macht.

Doch die Geschichte nimmt kein gutes Ende. Hari spioniert inzwischen auch für die französische Seite, was die findige Schragmüller jedoch bald bemerkt - und sie dem Feind ausliefert. 

Am Ende wird Mata Hari von allen verlassen - inklusive ihres Verlobten. Sie dagegen hat niemanden verraten, und "kein einziges militärisches Geheimnis in Erfahrung bringen können", wie es im Abspann heißt.

"Mata Hari - Tanz mit dem Tod" läuft am Sonntag, 18. Juni, um 22.00 Uhr im Ersten.

Themen in diesem Artikel