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14. Tag im Dschungelcamp: Gruppenkuscheln im Schmusecamp

Mutter Baba ist schon weg, jetzt musste auch noch Papa Eike alias "Pimmel-Immel" das Camp verlassen. Die Last der Verantwortung ruht nun einzig und allein auf Großvater Bata. Wird er es schaffen, die neuformierte Wahlfamilie zu führen?

Von Kathrin Buchner

Von wegen harter Kampf im Dschungel. Durchs Camp weht die warme Brise der Melancholie, ja der Sentimentalität. Maden, Ratten, Kakerlaken sind längst abgefrühstückt. Die Ekelphase liegt weit hinter uns. Wir sehen Bilder, die jedes Familienalbum schmücken würde: Baden im Natur-Planschbecken, Sterne-Jagd auf dem Motorrad mit Beifahrer-Wagen, selbst das karge Mahl wird brüderlich gerecht geteilt.

Bata, Isabel und Michaela wählen sich selbst zur Dschungelprüfung. Michaela will sogar auf ihren kläglichen Essensanteil verzichten und knetet Eikes Hand. Eike verlässt das Camp mit der dringlichen Aufforderung "streitet euch nicht". Nichts kann die traute Kuschelidylle stören, keine Entbehrungen, keine Verletzungen, keine Mückenstiche, kein Hunger.

Wenn, ja wenn nicht immer eines der Mitglieder aus dem Schoß der Familie gerissen werden würde - hart, unmenschlich, grausam. Erst Baba, jetzt Papa Eike. Sie tragen es mit Fassung. Barbara "Baba" Herzsprung sitzt bei den Moderatoren, und sagt "ja, wir sind Freunde geworden, eine Dschungelfamilie", und: "Da hat jemand echt ein Händchen gehabt beim Casting". Baba, pardon, Barbara, kannte man ja eigentlich nur durch ihren Rosenkrieg mit Ex-Gatten Bernd Herzsprung. Jetzt mutierte sie zur Survivalkünstlerin und Herbergs-Mama mit Stilbewusstsein.

Ekel-Expedition wird zur Wohlfühl-Woche

So entstehen Bilder vor unserem geistigen Auge, die wahrscheinlich so realtiätsfern sind, wie ein sprudelnder Bach in der Wüste: Wie ein bemühter und devoter RTL- Mitarbeiter sich alle Mühe gibt, streng nach Harmonie-fördernden Kriterien die Teilnehmer auszusuchen. Genau wie bei der Singshow "Deutschland sucht den Superstar", wo garantiert die talentfreiesten Kandidaten allein zwecks Volksbelustigung in die erste Runde geschickt werden. Oder wie in den ersten beiden Dschungelcamp-Staffeln, wo Hackebeile und Krawallo-Komödiantinnen quasi aufeinander gehetzt wurden.

Nein, liebe Baba, auch du kannst nicht so naiv sein zu glauben, dass eine Ekel-Expedition als Wohlfühl-Woche angelegt ist - auch wenn du noch so viel Vitamin-E-Öl und Fußhornhaut-Weichmach-Schlamm im Dschungelboden findest. Vielmehr mag es tatsächlich eine Sternstunde des sonst so auf Krawallo gebürsteten Eventfernsehens sein, dass sich Menschen unter extremen Bedingungen ausnahmsweise von ihrer Sonnenseite zeigen, den ganzen Tag Schlager schmettern, ein strahlendes Lächeln auf den Lippen haben und sich gegenseitig die Schultern zum Anlehnen bieten.

In Zeiten, in denen globalen Börsencrashs, marodierende Jugendbanden und verwahrloste Kinder die Schlagzeilen bestimmen, mag auch im tiefsten Urwald schon mal das Bedürfnis nach Zusammenhalt und Solidarität entstehen. Selbst hier, fernab der Zivilisation, wo durch Medien gehetzte B-Promi-Opfer ihre sensiblen Seiten zeigen können: "Nicht nur dicke Möpse und nichts im Kopf - wir haben uns so dargestellt, wie wir wirklich sind", sagt Michaela zu Ross. "Alle lieben sich", sagt Barbara, frisch aus dem Camp rausgewählt.

Schlager-Medley von Eike als krönende Nachspeise

Welch subversiv-geniale Unterwanderung des Sendungskonzeptes. Womöglich wird der willkürlich zusammen gewürfelte Menschenverbund die nächsten Jahre freiwillig Familien-Revival-Feiern im Dschungel abhalten. Mit Maden zur Vorspeise, gerösteten Ratten an Kakerlaken-Risotto zum Hauptgang und von Eike gesungene Schlager-Medleys als krönende Nachspeise. Selbst der verlorene Sohn Tomekk wird auf die richtige Bahn gebracht, und Bata nimmt ein Duett mit Lisa auf.

Inszenierte Scharfzüngigkeit herrscht lediglich beim Moderatorenpaar, die durch einstudierte Respektlosigkeit zumindest Wortwitz in das Menschenversteher-Camp bringen. Das ist auch dringend notwendig, denn bei allem Respekt für das Harmoniebedürfnis der ausgehungerten Camper - ein bisschen Spaß muss sein und nicht vergessen, werte Hängematten-Bewohner: Nur einer wird gewinnen!