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TV-Kritik

RTL-Tanzshow: "Obenrum eine geile Show": "Let's Dance" eiert Richtung Ostern

Tanzende Kakerlaken, Besuch vom Wendler, Bauerntheater und die schlimmste Coverversion aller Zeiten – eines kann man "Let's Dance" sicher nicht vorwerfen: dem Affen den Zucker vorzuenthalten.

Von Ingo Scheel

Ab heute Abend tanzt Michael Wendlers Freundin Laura Müller bei "Let's Dance" mit.

Nach dem monströsen Hair-do der Vorwoche galt das erste Augenmerk natürlich Jorge González. Was würde der Juror mit Hang zum Freidrehen sich wohl diesmal frisurtechnisch antun? Doch das Spektakel fiel vergleichsweise dezent aus. Ein geflochtener Gruß, wie vom letzten Pauschaltrip in die DomRep, musste reichen, dazu trug González eine halbierte Brille und Gummistiefel mit Plexi-Absatz.

Bevor die Paare schließlich in den Ring stiegen, gab es zunächst einmal "Love Is In The Air" zum Mittanzen und Nachmachen. Die Aufforderung zum Tanz für Zuhause, die am Ende schließlich einen latent irritierenden Blick in deutsche Wohnzimmer zu Zeiten von Corona bot: Hottende Dreikäsehochs, abgestellte Motorräder und Fingerspielereien vom Sofa aus – die Isolation hat viele Gesichter.

Jiven und Torten

Weniger vielseitig diesmal die Tanz-Variationen, denn da gab es gleich drei Mal den Jive. Zunächst zeigte Christian Polanc seiner Tanzpartnerin Laura Müller wie man diese stampfenden Schritte verinnerlicht, nämlich indem man sich vorstellt, dass man Kakerlaken zertritt. Als der Wendler jedoch plötzlich mit einer herzförmigen Torte zu Besuch kam – das Motto der Sendung lautete 'Love Week' –  war all das Ungeziefer vergessen, kullerten beim Marzipan-Mampfen fast noch ein paar Tränen. Trainiert wurde auch noch, vorgetanzt natürlich ebenso, zu Heinz Rudolf Kunzes "Dein ist mein ganzes Herz", das hätte HRK sich bestimmt auch nicht träumen lassen. Jorge fand es "sehr grade", Motsi "kompakt", der Llambinator bemängelte die "schwerfälligen Übergänge". Resultat: 23 Punkte.

Zwei Zähler weniger gab es für Moritz Hans und Renata Lusin, die einiges an zirzensischen Figuren boten und "Freshness" in petto hatten, bei den Füßen jedoch nicht immer im Gleichtakt jiveten. Das dritte Paar, das sich an diesem Abend dem arbeitsintensiven Tanz widmete, schließlich eine Klasse für sich: Tijan Nije und Kathrin Menzinger hatten die Woche über bis zum Anschlag trainiert, so hart, das ihre Darbietung zu Queens "Crazy Little Thing Called Love" selbst Joachim Llambi einen Superlativ abrang: "Das kann man nicht besser machen". Das makellose Gesamtresultat: 30 Punkte.

Lets Dance: Martin Klempnow und Partnerin Marta Arndt tanzten Contemporary

Martin Klempnow und Partnerin Marta Arndt konnten selbst nach Unterstützung von Buddy Oliver Pocher nicht hoch punkten

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Zaungast Pocher kann nicht punkten

In ganz anderen Regionen waren Ilka Bessin und Erich Klamm unterwegs. Ihren Contemporary überluden die beiden mit Botschaft und Biografischem. Zu "Go Your Own Way" rumpelten das Duo durch Türen und Wände, tanzte den Tanz der tyrannischen Liebe und heimste schließlich ein mageres Dutzend Pünktchen ein. Überhaupt wurde diesmal nicht nur beim Contemporary tüchtig Theater gespielt, auch Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató versuchten sich an szenischem Bauernstadl (29 Punkte), ebenso wie Martin Klempnow und Marta Arndt, nach deren 18-Punkte-Kür schließlich Klempnow-Kumpel Oliver Pocher zugeschaltet wurde. Die Synchro leider nicht ganz akkurat, das Timing in Komiker-Quarantäne auch nicht ganz astrein, versuchte Pocher sich noch an einer Volte Richtung Wendler, wurde aber kurzerhand von Viktoria Swarovski abgewürgt, bevor er den Wirkungstreffer tatsächlich landen konnte. Nachhaltiger geriet da schon das Llambi-Urteil: "Obenrum eine geile Show, unten nicht viel los".

Ihren Tango Argentino brachten Loiza Lamers und Andrzej Cibis ausgesprochen solide aufs Parkett, doch während Jorge und Motsi das entsprechend goutierten – mit jeweils acht Punkten – wurde es am rechten Rand der Jury "sehr lambig", in Summe ergab das 21 Punkte. Auf satte 26 Punkte powerten Luca Hänni und Christina Luft ihren Paso Doble, untermalt von der wohl schlimmsten Coverversion aller Zeiten. Sollte Gene Simmons jemals diese Version von "I Was Made For Loving You" zu Ohren kommen, er dürfte sich vor Schreck die Zunge abbeißen.

Ausgetanzt hatten am Ende Ulrike von der Groeben und Valentin Lusin. Da nützte das schönste Mintgrün nichts, auch die Love Story mit Ulrikes Männe, immerhin bereits 30 Jahre lang, gab keinen Extrapunkt. Mit 15 Zählern lagen die beiden rein numerisch dabei nicht mal am Ende des Tableaus, Jorge fand es "so suss", sogar Joachim Llambi wippte mit, dennoch fand ihr Slowfox beim Publikum keine Gnade. Wir wünschen fröhliches Eiersuchen daheim, nach der Osterpause mit Altmaterial geht der Wettschwoof weiter.